Bieterschlacht um die Hypo-Bank

Sieben Interessenten gab es für die Osttochter der Hypo, zwei haben noch gute Chancen. Für den Staat dürfte es aber ein schlechtes Geschäft werden. Kein Bieter möchte die erhofften 500 Millionen zahlen.

The logo of nationalised lender Hypo Alpe Adria is pictured at the bank's headquarters in Klagenfurt
The logo of nationalised lender Hypo Alpe Adria is pictured at the bank's headquarters in Klagenfurt
(c) REUTERS

Wien/Klagenfurt. Bei der Hypo Alpe Adria steht eine wichtige Entscheidung an: Die Bank muss laut EU-Vorgabe noch heuer einen Käufer für ihre Tochterbank in Südosteuropa finden. Hier geht es um das Herzstück der Hypo. Die Südosteuropa-Tochter kommt auf ein Geschäftsvolumen von über sieben Milliarden Euro und ist wieder profitabel. Um die Tochter für den Verkauf herauszuputzen, wurden faule Kredite von Südosteuropa in die Hypo-Abbaugesellschaft transferiert.

Die Abbaugesellschaft bleibt beim österreichischen Staat. Dort liegen Assets – wie schwer verkäufliche Immobilien und faule Kredite – im Ausmaß von 17 Milliarden Euro. Der Abbau dieser 17 Milliarden Euro dürfte 20 bis 30 Jahre dauern und könnte Österreich noch Milliarden kosten.

Laut „Presse“-Informationen gab es für die Südosteuropa-Tochter ursprünglich sieben Bewerber. Gute Chancen haben aktuell zwei Bieter: Dabei handelt es sich um die in London ansässige Finanzgruppe Millhouse Capital Investment Group. Der zweite Bieter ist der US-Finanzinvestor Advent International. Advent ist einer der größten amerikanischen Beteiligungsfonds. Die Amerikaner bilden mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ein Konsortium.

Beide Interessenten mussten Vertraulichkeitserklärungen unterschreiben und dürfen sich nicht zur Hypo äußern. Auch das Finanzministerium und die Hypo nehmen zum Verkaufsprozess nicht Stellung.

 

 

Milliardär mit russischen Wurzeln

Vor allem der Einstieg der Millhouse Group ist eine Überraschung. Dabei handelt es sich um eine finanzstarke, aber in der breiten Öffentlichkeit unbekannte Finanzgruppe. Sie steht im alleinigen Einflussbereich von Ralf Dodt, einem deutschen Investor mit russischen Wurzeln. Sie verfügt über 42 Tochtergesellschaften und über ein Nettokapital von umgerechnet 4,2Milliarden Euro. Das Portfolio an Beteiligungen umfasst Firmen in den Bereichen Stahl, Öl, Gold, Gas und Kupfer. Die Gesellschaft hat aber nichts mit dem russischen Multimilliardär Roman Abramovich zu tun, wie ursprünglich behauptet. 

Millhouse Capital ist auch an vier Banken beteiligt. Zwei Institute befinden sich in den USA, eines in Asien und eines in Südamerika. Neben der Hypo wird aktuell laut „Presse“-Informationen auch über eine Beteiligung an einer Bank in Israel verhandelt.

Zurück zur Hypo: Vor Wochen gab es Meldungen, dass auch die russische Expobank und die bulgarische Via Group an der Südeuropa-Tochter interessiert seien. Doch diese sind im Bieterprozess zurückgefallen.

 

Schlechtes Geschäft für Steuerzahler

Für den österreichischen Steuerzahler dürfte der Verkauf der Südosteuropa-Tochter ein schlechtes Geschäft werden. Denn der Buchwert der Hypo-Tochter liegt bei 500Millionen Euro. Laut „Presse“-Informationen ist aber kein Bieter bereit, so viel zu zahlen. Damit drohen der Hypo erneut größere Wertberichtigungen. Zwar laufen noch Verhandlungen, doch in Finanzkreisen gilt ein Preis von über 250 Millionen Euro als unrealistisch. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf dem Balkan sei kein besseres Verkaufsergebnis zu erzielen, heißt es.

Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) wird das akzeptieren müssen. Würde die Hypo-Tochter beim Bund bleiben, werden auch die Ost-Assets von sieben Milliarden Euro den Staatsschulden zugerechnet.

 

Ex-Hypo-Chef Kulterer in Privatkonkurs

Pech hat der Staat auch in einer anderen Causa: Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer ist nun in Privatkonkurs. Der Ex-Banker wurde zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Doch die Chancen, dass der Staat von ihm viel Geld bekommt, stehen schlecht. Kulterer verfügt über Verbindlichkeiten von 8,8 Millionen Euro. Es drohen weitere Schadenersatzforderungen von 50 Millionen Euro.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2014)

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