Serbien: Als die Nato-Bomben fielen

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Am 24. März 1999, begann die Nato im Kosovo-Krieg Jugoslawien zu bombardieren. Die Luftangriffe hatten eine blutige Vorgeschichte:

Anfang der 80er Jahre beginnt der Kosovo, eine mehrheitlich von Albanern bewohnte Provinz innerhalb der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, nach dem Status als eigene Teilrepublik zu streben. Es kommt zu Unruhen, Untergrundorganisationen werden gebildet. Unter den Serben verstärkt sich eine Auswanderungsbewegung.(c) EPA
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1989 hält der serbische Präsident Slobodan Milosevic zum 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld, wo die Serben und ihrer Verbündeten den Osmanen unterlagen, eine nationalistische Rede. Dem Kosovo werden in der Folge die Autonomierechte größtenteils entzogen. In den folgenden Jahren wird nach einer heimlichen Volksabstimmung im Kosovo die "Republik Kosovo" proklamiert, deren "Präsident" Ibrahim Rugova wird. Belgrad geht gegen die Bildung von Institutionen dieser "Republik" u.a. mit Polizeiübergriffen vor.(c) EPA
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1996 tritt die albanische Untergrundorganisation Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) erstmals mit Angriffen in Erscheinung. 1998 intensivieren sich die Kämpfe. Die internationale Gemeinschaft und die Nato warnen Milosevic vor willkürlichen Militär- Operationen. Schließlich wird ein Waffenembargo und andere Sanktionen gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien verhängt; Milosevic lehnt eine internationale Vermittlung zunächst ab. Ein UNO-Bericht stellt Gräueltaten der serbischen Kräfte fest. Interims-Vereinbarungen mit Milosevic werden erzielt, die Gewalt geht aber weiter.(c) AP (Jerome Delay)
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Am 15. Jänner 1999 kommt es zum sogenannten Massaker von Racak (albanisch: Recak). OSZE-Beobachter entdecken in dem kosovarischen Dorf die Leichen von 40 bis 45 Albanern. Ein internationales Team von Gerichtsmedizinern stellt fest, dass es Zivilisten gewesen seien. Belgrad spricht hingegen von getöteten UCK-Kämpfern.(c) EPA
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Unterdessen finden Verhandlungen in Rambouillet bei Paris statt: Die Kosovo-Albaner akzeptieren ein Interims-Abkommen über eine substanzielle Autonomie des Kosovo, Belgrad lehnt es als inakzeptabel ab - vor allem wegen eines Passus, wonach die Nato-Truppen volle und ungestörte Bewegungsfreiheit auf dem Gebiet Jugoslawiens sowie das Recht auf unentgeltliche Benutzung von Flughäfen, Verkehrswegen, Eisenbahn und Häfen erhalten sollten.(c) AP
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Am 23. März gibt Nato-Generalsekretär Javier Solana den Befehl zum Beginn der Luftangriffe - ohne UNO-Mandat.(c) AP
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Am 24. März 1999 werden kurz vor 20 Uhr im Kosovo, in Serbien und Montenegro die ersten Militärziele beschossen.

Am 30. März beginnen Angriffe "rund um die Uhr". Nach der Luftabwehr geraten Kommunikationseinrichtungen und Kasernen ins Visier der Bomber. Serbische Kräfte gehen im Kosovo gegen Albaner vor, die zu Hunderttausenden nach Albanien, Mazedonien und Montenegro fliehen.(c) EPA
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Am 3. April ist erstmals auch die zivile Infrastruktur im Visier der Nato. In der Nacht werden Angriffe auf die Innenstadt Belgrads mit Marschflugkörpern geflogen. Das Innenministerium wird zerstört.(c) AP
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Am 11. April gibt es erste Nato-Berichte über "ethnische Säuberungen" und Hinweise auf systematische Vergewaltigungen von Frauen im Kosovo.(c) AP (Peter Dejong)
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12. April: Ein Flugzeug bombardiert versehentlich einen Personenzug auf einer Eisenbahnbrücke in Serbien. Mindestens sieben Menschen sterben. Weitere "Kollateralschäden" folgen.(c) EPA
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Am 27. Mai wird Milosevic vom UNO-Tribunal wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt.(c) EPA
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Nach internationaler Vermittlung willigt Belgrad am 3. Juni in einen Friedensplan der Nato und Russlands ein.(c) EPA
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10. Juni: Einen Tag, nachdem der Friedensplan im mazedonischen Kumanovo unterzeichnet wurde und auch der serbische Rückzug begonnen hat, setzt die Nato die Luftangriffe aus. Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet die Resolution 1244. Diese betrachtet den Kosovo nach wie vor als Teil der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien, jedoch wird Belgrad die Regierungsgewalt über die Provinz entzogen und die UNO-Übergangsverwaltung (UNMIK) installiert. Die Stationierung der Nato-geführten Schutztruppe KFOR wird gebilligt.(c) EPA
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Die Bilanz des Krieges: Nach variierenden serbischen Angaben starben während der Luftangriffe auf der serbischen Seite zwischen 271 und tausend Soldaten und Polizisten, sowie mindestens 500 bis zu 2.500 Zivilisten. Etwa 10.000 Menschen wurden demnach verletzt. Zahlreiche Industrieanlagen, Brücken, Flughäfen, aber auch zivile Ziele wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnsiedlungen wurden zerstört. Die Höhe des materiellen Schadens wurde auf zwischen 30 und 100 Milliarden Dollar (bis 77,3 Mrd. Euro) geschätzt.(c) AP
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Die Nato wollte mit den Luftschlägen "weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern". Zunächst verschlechterte sich die Lage aber: Nach Beginn der Nato-Bombardements intensivierten serbische Truppen zunächst die Vertreibungen der albanischen Zivilisten, so dass ihre Zahl auf 800.000 anstieg. Während der Auseinandersetzungen zwischen der UCK und den serbischen Sicherheitskräften im Kosovo während der Nato-Operationen wurden dort zwischen 8.000 und 10.000 Albaner getötet.(c) Reuters
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Die Nato-Angriffe bedeuteten auch den Anfang vom Ende des Milosevic-Regimes. Im Oktober 2000 wird es durch einen Volksaufstand gestürzt.

2006 verlässt Montenegro den 2003 aus Rest-Jugoslawien hervorgegangenen Staatenbund mit Serbien und wird unabhängig.(c) EPA
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Am 17. Februar 2008 ruft der Kosovo seine Unabhängigkeit aus. Sie wird von den meisten westlichen Staaten anerkannt. Serbien erachtet die Unabhängigkeits-Erklärung als völkerrechtswidirg. Zehn Jahre nach den Luftangriffen weisen serbische Nationalisten weiterhin jede Kriegsschuld von sich und sprechen von den "Nato-Verbrechern".(c) EPA
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