Vilimsky: "Ich stehe zu jedem Satz, den ich geschrieben habe"

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky im Gespräch mit der "Presse" über den blauen Rechtsruck, linke Leiberln und seine eigene Vergangenheit.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Die Presse: Herr Generalsekretär, wie weit rechts steht die FPÖ?

Harald Vilimsky: Das ist eine Frage, die sich am Standpunkt des Betrachters orientiert. Objektiv betrachtet steht die FPÖ Mitte rechts. Das heißt, dass wir ordnungs-, sicherheits- und familienpolitisch jene Werte vertreten, die man unter rechts subsumieren könnte. Wir haben aber zugleich eine stark soziale Ausrichtung.


Haben Sie ein Problem mit den Burschenschaftern in Ihrer Partei?

Vilimsky: Überhaupt nicht. Das sind alles honorige Personen mit großer Handschlagqualität.

 

Wieso stört es Sie dann, wenn „Die Presse“ – wie am vergangenen Freitag – auf ihrer Titelseite auflistet, welcher FPÖ-Mandatar bei welcher Burschenschaft ist?

Vilimsky: Das stört mich nicht. Was mich stört, ist, wenn dabei nicht akzeptable Zusammenhänge konstruiert werden, wenn die Intention des Artikels eine böswillige ist und eine hetzerische Facette hat. Man bildet einzelne Personen ab und schreibt darunter einen Text, der dazu geeignet ist, diese Personen im rechten Eck befindlich erscheinen zu lassen.

 

Einer davon, der FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer, war Mitglied bei der verbotenen NDP, ein anderer, Gerhard Kurzmann, war bei der Kameradschaft IV, einem Waffen-SS-Veteranenverband.

Vilimsky: Na ja, Peter Pilz war bei den Revolutionären Marxisten. Es gibt in vielen Medien Journalisten, die einmal bei der KPÖ tätig waren. Für uns ist maßgeblich, wie das aktuelle politische Wollen von jemandem aussieht.


Sie selbst haben einmal einen Aufsatz über Deutsch-Chilenen im extrem rechten „Völkerfreund“ verfasst. Unter anderem mit den Worten: „Erheben wir die Häupter, um die Sonne des Deutschtums in altem hellen Licht wieder erstrahlen zu lassen.“

Vilimsky: Ich habe vor zwanzig Jahren diesen Artikel geschrieben, der sich mit den deutschen Auswanderern nach Chile beschäftigt hat, mit den Schwierigkeiten, die damit verbunden waren. Ich habe den Artikel sogar betitelt mit „Per aspera ad astra“. Und in einer romantischen Verklärtheit diesen letzten Satz geschrieben.

 

Eine Jugendsünde.

Vilimsky: Überhaupt nicht. Ich stehe zu jedem Satz, den ich geschrieben habe.

 

Unbestreitbar ist, dass es in der Strache-FPÖ so viele dem nationalen Flügel zuzuordnende Abgeordnete gibt wie lange nicht mehr.

Vilimsky: Im Sinne eines patriotischen Gesamtbekenntnisses ist es das, was die Zeit erfordert. Eine Zeit, in der Europa umgemodelt werden soll zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum, in dem alle Grenzen verschwinden und der Einheitskonsument geschaffen werden soll. Jeder in einer Demokratie muss das Recht haben, seine eigene Kultur so zu verteidigen, dass sie eine gedeihliche Zukunft hat.

 

War es ein Fehler, Martin Graf für das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten zu nominieren?

Vilimsky: Nein. Graf ist einer der profundesten Parlamentarier und Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich. Das Problem ist ein anderes: Nicht nur das politische System, auch die Presselandschaft ist auf dem linken Auge blind. Auf der einen Seite das Faktum, dass ein paar junge Buben ein paar Leiberln bestellt haben – mit Sprüchen, über die man diskutieren kann. Auf der anderen Seite kann man im Online-Shop der Sozialistischen Jugend ein Leiberl kaufen, auf dem ein brennender Autoreifen drauf ist und darüber steht „Rebellion“. Das sieht die ach so kritische Presse nicht. Auch nicht, dass der engste Mitarbeiter von Karl Öllinger Gründungsobmann des „TATblatt“ ist.

 

Auch der Grazer FPÖ-Klubchef hat beim „Aufruhr-Versand“ bestellt.

Vilimsky: Er dementiert das. Ich gehe davon aus, dass diese Daten auf der Liste genauso gefälscht sind wie im Fall Graf.

 

Teilen Sie die Auffassungen von Susanne Winter – „Mohammed war ein Kinderschänder“ et cetera?

Vilimsky: Sie hat das, was sie gesagt hat, in einer überspitzten Art gesagt – leider nicht mit dem notwendigen Faktor an Sensibilität. Sie hat sich dafür entschuldigt. Sie hat aber aus meiner Sicht in vielen Dingen von der Faktenlage her recht. Ich weiß nicht, wie Sie das nennen würden, wenn jemand mit einer Neunjährigen die Ehe vollzieht. Das ist, aus dem heutigen Rechtssystem betrachtet, nicht zulässig. Und moralisch verwerflich. Zwangsheirat ist heute auch in Österreich durch den Zuzug von Moslems sehr wohl ein Thema.

 

Fühlen Sie sich als Deutscher?

Vilimsky: Wir haben die deutsche Sprache und entstammen dem deutschen Kulturkreis. Zugleich bin ich leidenschaftlicher Österreicher.

 

Wenn Österreich im Fußball gegen Deutschland spielt, dann halten Sie also zu Österreich?

Vilimsky: Ich muss gestehen: Ich bin nicht fußballinteressiert.

ZUR PERSON

Harald Vilimsky (42) ist seit 2006 Generalsekretär der FPÖ. Ab 1996 war der ehemalige Mitarbeiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Pressesprecher des Wiener FPÖ-Rathausklubs, ab 2004 Landesparteisekretär, 2006 zog er in den Nationalrat.

Den „Presse“-Aufmacher vom 23.1. – „So rechts sind Straches Freiheitliche“ – kritisierte er in Aussendungen scharf: „hetzerisch“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2009)