Kärnten: Dörfler und Rohr rittern um Haiders Erbe

Landeshauptmann Dörfler (BZÖ) will sein von Jörg Haider geerbtes Amt behalten, Herausforderer Rohr die Macht in Kärnten nach 20 Jahren wieder in die Hände der SPÖ holen. Das Zünglein an der Waage wird die FPÖ sein.

(c) APA (GERT EGGENBERGER)

Gerhard Dörfler gegen Reinhart Rohr, BZÖ gegen SPÖ - so lautet heute das Duell um die Kärntner Landeshauptmannschaft. Verteidigung des von Jörg Haider eroberten Sessels für die Einen oder Rückeroberung nach 20 Jahren für die Anderen, das sind die Ziele, die sich Orange und Rot gesetzt haben. Beide liegen in den Umfrage mit Werten um die 40 Prozent in etwa gleichauf. Die anderen landesweit antretenden Parteien, ÖVP, FPÖ, Grüne und KPÖ, laufen derweil Gefahr, zwischen den Fronten aufgerieben zu werden.

Gerhard Dörfler hat nur einen Wunsch: Dass Jörg Haider am Abend "von oben herunter schaut und zufrieden ist". Dieses ins Jenseits gerichtete Wahlziel lässt sich für den BZÖ-Spitzenkandidaten in der Realität recht einfach an Zahlen festmachen - 40 Prozent soll das BZÖ bei seinem ersten Antreten auf Kärntner Landesebene erreichen. Die 42,5 Prozent, die Jörg Haider 2004 erreichte, erstritt er noch mit der FPÖ.

Doch Jörg Haider ist nicht mehr. Seit der Landesvater im November vergangenen Jahres schwer alkoholisiert die Kontrolle über sein Auto verlor, sich mehrfach überschlug und noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen erlag, obliegt Dörfler die Verantwortung in Kärnten. Der Wille zur Selbstständigkeit ist bei Haiders Erben endenwollend. Das zeigt sich nirgendwo besser als beim offiziellen Listennamen: Die Freiheitlichen in Kärnten - BZÖ Liste Jörg Haider. Die Versuche von Dörfler und Co, auch noch Haiders Witwe Claudia vor den Wahlkampf-Karren zu spannen, scheiterten.

Erste Wahl für Reinhart Rohr

Wie Gerhard Dörfler hat auch SPÖ-Chef Reinhart Rohr seine erste Wahl als Spitzenkandidat zu schlagen. Der 49-Jährige übernahm im August 2008 eine desolaten Landespartei von Gaby Schaunig. Innerhalb weniger Monate vereinte Rohr die zerstrittenen Genossen hinter sich und kann sich nun realistische Chancen ausrechnen, der erste SP-Landeshauptmann jenseits der Koralm seit Peter Ambrozy zu werden. Dazu scheint ihm nahezu jedes Mittel recht: Reinhart Rohr hat bereits durchklingen lassen, sich gegebenfalls auch von der FPÖ zum Landeshauptmann küren zu lassen - was SP-Chef Werner Faymann auf Bundesebene für unmöglich erklärt hat.

Die FPÖ ist die große Unbekannte bei der Wahl. Durch die Gründung des BZÖ und die Fahnenflucht fast aller Funktionäre im April 2005 wurden die Freiheitlichen an den Rand ihrer Existenz gedrängt. Auch wenn sie sich in den vergangenen Jahren rehabilitieren konnten - der Stachel der Erinnerung sitzt noch immer tief im blauen Fleisch. Mit tatkräftiger Unterstützung von Parteichef Heinz Christian Strache erarbeitete sich Spitzenkandidat Mario Canori Umfragewerte von bis zu acht Prozent - aller Wahrscheinlichkeit auf Kosten des BZÖ.

Für VP-Spitzenkandidat Josef Martinz kann es nur ein Ziel geben: Die Volkspartei in Kärnten aus dem Tal der Tränen zu führen. 2004 stürzte die ÖVP auf ein Rekordtief von 11,6 Prozent - ein Minus von 9,1 Prozent. Nun läuft man Gefahr, dauerhaft zu einem Nebendarsteller degradiert zu werden. Martinz rechnet zwar mit einem Ergebnis von 15 Prozent, die Umfragewerte liegen allerdings durch die Bank zwei bis drei Prozentpunkte niedriger.

Grüne: Angst vor Wahltaktik

Das Rennen um Platz eins könnte auch die von Rolf Holub angeführten Grünen Stimmen kosten. Der erneute Einzug in den Landtag gilt als gesichert, für das erhoffte dritte Mandat dürfte es aber eng werden. Viele Grün-Sympathisanten könnten aus taktischen Gründen der SPÖ ihre Stimme geben - um einen Landeshauptmann Dörfler zu verhindern. Das könnte auch den einen oder anderen der 1951 KPÖ-Wähler von 2004 dazu bewegen, den Kommunisten ihre Stimme zu enthalten.

Die Antwort geben 443.499 Bürger, 231.363 Frauen und 212.136 Männer. Sie wählen in vier Wahlkreisen 36 Abgeordnete zum Kärntner Landtag. Erstmals ist auf Landesebene Wählen mit 16 möglich, als Stichtag gilt dabei der Wahltag. Neu sind auch die Briefwahl und der vorgezogenen Wahltag am 20. Februar. Neben den landesweit kandidierenden Parteien, BZÖ, SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und KPÖ, im Wahlkreis Klagenfurt treten zusätzlich die "Liste Stark" und die "Gaddafi-Partei" an.

 


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