Jagdkommando als Eliteeinheit: Sparpaket erfolgreich abgewehrt

Terrorabwehr und Geiselbefreiungen als tägliches Geschäft: Das Jagdkommando des Bundesheers ist auch international hoch angesehen.

 Ein Fallschirmspringer des Jagdkommandos des Bundesheeres
 Ein Fallschirmspringer des Jagdkommandos des Bundesheeres
Ein Fallschirmspringer des Jagdkommandos des Bundesheeres – APA/ROBERT JAEGER

Wien. Das Bundesheer: eine Armee, die überaltert ist, mangelhaft ausgerüstet, mit viel zu geringen finanziellen Mitteln, sodass nicht einmal die Mobilität gewährleistet ist, mit Luftstreitkräften, die nur bedingt einsetzbar sind. Dieses Bild, das das Bundesheer in der Öffentlichkeit bietet, stimmt – es ist aber nicht vollständig. Denn es gibt auch das andere Bundesheer: Hoch motivierte und äußerst professionelle Einsatzkräfte, die auch im Ausland hohes Ansehen genießen. Dazu gehört zweifellos das Jagdkommando, die Eliteeinheit des Bundesheers.

Die Terroranschläge in Paris haben wieder einmal gezeigt, wie notwendig funktionierende Einheiten zur Terrorabwehr sind. „Für uns hat das wenig geändert“, sagt Rudolf Weissenbacher, stellvertretender Kommandant des Jagdkommandos. Denn seine Einheit habe sich immer schon auf Einsätze dieser Art vorbereitet. Geiseln befreien oder Terroristen ausschalten – das wird täglich geübt. Wobei: Für Einsätze im Inland ist das Bundesheer eigentlich gar nicht zuständig. Bei einem Terroranschlag würde vorerst einmal die – ebenfalls gut ausgebildete – Polizei-Einheit Cobra ausrücken. Das Bundesheer könnte aber in Form eines sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes beigezogen werden.

 

Vom Sparkurs verschont geblieben

Was vor allem dann sinnvoll ist, wenn der Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen, Booten oder Hubschraubern benötigt wird. „Technisch sind wir gut ausgerüstet“, bestätigt Weissenbacher. Das Jagdkommando ist bisher vom Sparkurs des Verteidigungsministeriums noch weitgehend verschont geblieben. „Das ist tatsächlich ein Lichtblick. Man kann sich aber natürlich immer noch mehr wünschen.“

Im Ausland hat die schon vor 52 Jahren gegründete Einheit schon etliche Einsätze zu verzeichnen. So wurden zur Zeit des Arabischen Frühlings 2012 österreichische Staatsbürger aus Libyen und Ägypten evakuiert, Einsätze gab es auch in Afghanistan, Bosnien, im Kosovo oder im Tschad, wo man für die Aufklärung in einem Gebiet der Größe Mitteleuropas zuständig war. Derzeit befinden sich Jagdkommando-Soldaten im westafrikanischen Mali.

 

Nur wenige schaffen es

Rund 400 Soldaten gehören zum Jagdkommando, das in Wiener Neustadt stationiert ist. Nachwuchssorgen hat man dort keine, denn die Eliteeinheit ist sehr begehrt: Es gibt wesentlich mehr Bewerber, als letztlich aufgenommen werden können. Grundvoraussetzung, um an der Ausbildung teilnehmen zu können: Man muss 2400 Meter in elf Minuten laufen können. Das ist aber noch nicht die ganz große Hürde auf dem Weg zum Jagdkommando. Heuer haben sich beispielsweise 108 Soldaten für die Ausbildung gemeldet, 23 haben es schließlich in einem viermonatigen Auswahlverfahren geschafft – sie sind jetzt zur zweijährigen Grundausbildung zugelassen, an die sich nochmals eine mindestens einjährige Spezialausbildung anschließt.

Körperliche und psychische Belastbarkeit – das sind die wesentlichen Auswahlkriterien. Und gerade da kommt es immer wieder vor, dass sich Kandidaten überschätzen. „Viele fühlen sich als Rambo und merken erst unter der Belastung, dass sie zum Rambo nicht geeignet sind“, weiß Weissenbacher. Wobei Rambo nicht unbedingt das Vorbild ist: „Unsere Stärke ist, dass wir aus unseren Erfahrungen heraus eine hohe interkulturelle Kompetenz haben.“

Zum Jagdkommando melden kann man sich bis zu einem Alter von 35 Jahren. Die Zugehörigkeit zum Jagdkommando ist aufgrund der körperlichen Voraussetzungen zeitlich begrenzt. Spätestens mit 50 verlassen die meisten Soldaten den Kampfverband und übernehmen dann eine andere Aufgabe im Jagdkommando oder auch in einem anderen Bereich im Bundesheer.

Und der Wechsel zu privaten Sicherheitsdiensten? Immerhin boomt deren Geschäft in den Krisengebieten, gut ausgebildete Soldaten können bei derartigen Einsätzen wesentlich mehr verdienen als beim Bundesheer. Gerne gesehen werde ein derartigen Wechsel nicht, sagt Weissenberger. Aber die Fluktuation sei auch nicht allzu hoch. Nur rund eine Handvoll Soldaten würden die Einheit jedes Jahr verlassen. Und, wie gesagt: Nachwuchsprobleme habe man keine.

 

Prominente Ehemalige

Das Team rekrutiert sich aus allen Gesellschaftsschichten, erzählt Weissenbacher. Und ehemalige Jagdkommando-Soldaten haben später auch im Zivilberuf Karriere gemacht. Die Prominentesten: Clemens Hellsberg, bis vor einem Jahr Vorstand der Wiener Philharmoniker, und der frühere Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel.

AUF EINEN BLICK

Das Jagdkommando. Das Bundesheer hat in Wiener Neustadt eine 400 Mann starke Einheit stationiert, die innerhalb weniger Stunden in einen Einsatz gehen kann. Das Jagdkommando kann seine Einsätze aus der Luft, im Wasser oder am Land durchführen, wenn es sein muss, auch unter Beschuss. Gegründet wurde die Einheit 1963, sie kam schon in zahlreichen internationalen Krisengebieten zum Einsatz. So wurden 2012 Österreicher aus Libyen und Ägypten evakuiert. Im Inland kann die Polizei das Jagdkommando im Rahmen eines sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes anfordern. Das passierte zuletzt beim Bilderbergertreffen im Juni in Tirol.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2015)

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