Neben der Uni: Acht Wochen im Jahr auf der Piste

Studentenjob Skilehrer: Christoph Keidel weiß, wie man Touristen den richtigen Schwung beibringt.

Unausgelastet ist Christoph Keidel (19), derzeit Skilehrer in Oberlech, sicher nicht: Er studiert an der Montan-Uni Leoben Werkstoffwissenschaften, dazu hat er jetzt Jus inskribiert. Daneben schafft er es noch, acht Wochen im Jahr auf Skiern zu stehen. „Als gebürtiger Salzburger habe ich früh begonnen, Ski zu fahren – und bin nach wie vor begeisterter Skifahrer. Daher war es für mich nur naheliegend, das als Ferienjob zu wählen.“

Die Ausbildung zum oberösterreichischen Landesskilehrer hat er zur Hälfte absolviert: Sie umfasst drei Kursblöcke (à zehn Tage), die jeweils mit einer Prüfung enden. Auf dem Programm stehen u.a. Schulefahren, Geländefahren, Riesentorlauf, Lehrauftritt, Bewegungs- und Unterrichtslehre, Kinderunterricht, Ausrüstung, Ski- und Trainingslehre und Englisch. Außerdem muss ein Alpinkurs (sieben Tage) absolviert werden. Hier geht es um Schnee- und Lawinenkunde, Wetterkunde, Orientierung, Kartenlesen, Rettungsmaßnahmen und alpine Gefahren. Ganz billig sind die Kurse nicht: Pro Woche muss man mit rund 700 Euro (inklusive Quartier und Liftkarte) rechnen.


Nichts für Couch Potatoes

„Aber ohne Ausbildung ist es relativ schwierig, einen Job in einer Skischule zu finden, da wird man bestenfalls als Aushilfe eingesetzt. Als Kompromiss machen daher viele Studenten nur die Anwärterprüfung“, sagt Keidel. Wirklich schwierig sei die Prüfung nicht, „wenn man ein wenig Ski fahren kann“. Man müsse sich nur darauf einstellen, das zu machen, was der Lehrer vormache. „Jeder der Ausbildner legt halt auf etwas anderes Wert.“ Eine gewisse Grundkondition sei auch nötig. „Als Couch Potatoe hat man es sicher schwer.“ Keidel macht im Sommer drei bis vier Mal wöchentlich Mountainbiketouren, im Winter geht er laufen.

Hat er den Eindruck, dass Skilehrer gesucht werden? Oder gibt es ohnehin zu viele? Keidel: „In der Hauptsaison gibt es meist zu wenig Skilehrer, in der Nebensaison hingegen zu viele. Aber wenn man das als Studentenjob macht, hat man eh hauptsächlich in den Ferien Zeit.“

Ein Problem seien oft die Unterkünfte. „Auch wenn die Skischule noch Lehrer brauchen würde – die müssen ja irgendwo wohnen. Und wenn alle Pensionen ausgebucht sind, ist das schwierig.“ Da seine Eltern eine Ferienwohnung in Zürs haben, hat er das Problem nicht. Die vierte Saison unterrichtet Keidel nun in Oberlech. Da er gut Englisch spricht, wird er gerne als Privatlehrer eingesetzt. „Ich habe aber keine Prioritäten, es hängt immer von den einzelnen Schülern ab, wie gut man sich versteht.“ Schwierig werde es, wenn er Kinder privat unterrichte und die Eltern zu hohe Erwartungen haben. „Die Kinder sollen Freude am Skifahren bekommen – aber manche Eltern wollen nach einer Woche einen kleinen Beni Raich haben.“

Die Bezahlung entschädigt aber für so manche Mühen, meint Keidel. „Man verdient zwischen 50 und 70 Euro pro Tag, dazu kommt noch das Trinkgeld – das allerdings sehr unterschiedlich ausfällt.“ Und auch sonst hat der Beruf einige Vorteile: Gratis-Liftkarte, Gratis-Mittagessen auf den meisten Hütten (wenn man mit der Gruppe kommt), Gratis-Skianorak und Ermäßigungen auf Skier und Ausrüstung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2008)

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