Facebook, Twitter: Wer beherrscht den Wahlkampf im Web?

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Die österreichischen Parteien gehen „tollpatschig“ mit dem Internet um. Dieses Fazit zieht der Kommunikationsberaters Yussi Pick in seinem kürzlich erschienenen Buch "Das Echo-Prinzip - Wie Online Kommunikation Politik verändert". Tatsächlich nutzen die Nationalrats-Wahlkämpfer Websites, Facebook und Twitter oft nur als weitere Kanäle zur Verbreitung klassischer Presseaussendungen. DiePresse.com hat den Online-Wahlkampf der Parteien unter die Lupe genommen. (Alle Nutzerzahlen Stand 21. August)
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SPÖ

Neben der bestehenden Parteiseite hat die SPÖ für den Wahlkampf einen eigenen Internet-Auftritt angelegt. Dort finden sich Videos, das Wahlprogramm, und ein wenig Persönliches über Spitzenkandidat Werner Faymann („Lieblingssong: “Time is on my side”). Die Partei lädt auch zur User-Beteiligung ein: So kann man ein Wahlplakat mit dem eigenen Konterfei gestalten und es auf Facebook teilen - „oder einfach ausdrucken und aufhängen“.
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Auf Facebook hat die SPÖ 15.220 Likes, Werner Faymann 8.751. Faymann postet kaum persönlich, es finden sich vor allem Termin-Hinweise auf seinem Profil.

Twitter nutzt die Partei mäßig intensiv, aber immerhin 3330 Follower sind dabei. Das „Team Kanzler“ gab auf dem Kurznachrichtendienst nur ein Gastspiel, seit Ende 2011 zwitschert es nicht mehr.
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ÖVP

Optisch nicht gerade optimal mit dem Hinterkopf des Spitzenkandidaten Michael Spindelegger im Großformat empfängt einen die Wahlkampf-Seite der ÖVP. Die Infos zu Themen und Kandidaten finden sich aber ohnehin nur auf der Partei-Seite.
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Auf Facebook hat die ÖVP mit 11.940 etwas weniger Likes als der Koalitionspartner, Spindelegger liegt dafür mit 10.754 vor dem Kanzler. Der Eindruck eines persönlichen Profils wird erst gar nicht erweckt - „von seinem Team betreut“ lautet der Hinweis unter dem Profilbild. Via Facebook ladet die ÖVP außerdem zur Teilnahme am Gewinnspiel "Gipfelsturm" ein, bei dem eine Bergwanderung mit Spindelegger winkt.

Auf Twitter ist Spindelegger nicht persönlich vertreten, die Partei selbst hat gerade einmal 328 Follower.

Die ÖVP hat für den Wahlkampf angeblich "Social Media Guidelines" herausgegeben: "Poste nichts, was nicht auch deine Mutter/Kinder sehen dürften", so die Mahnung an die Helfer in der Parteizentrale.
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FPÖ

Bei der FPÖ dreht sich auch im Wahlkampf alles fast ausschließlich um Heinz-Christian Strache. Auf dessen Seite finden "HC-Fans" Wahlpogramm, Plakatsujets und Links zum umfangreich bestückten YouTube-Kanal. Wie bei Faymann gibt ein Steckbrief persönliches preis: „Musik: schnelle Rhythmen; Trinken: Allestrinker“.
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Noch persönlicher wird Strache auf Facebook (wo die Partei selbst erst gar nicht vertreten ist). Postings wie das jüngste Bild in Badehose bringen ihm insgesamt 137.096 Likes und den eindeutigen Spitzenplatz unter den Kandidaten. Dabei war Straches Account nach eigenen Angaben im Juni und Juli für insgesamt 38 Tage gesperrt - wegen kritischer Postings zum NSA-Skandal, wie er selbst vermutet.

Auch auf Twitter ist Strache aktiv und mit 3.378 Followern derzeit knapp vor der SPÖ.
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Grüne

Die Grünen gehören zu den „Pionieren“ im Netz und haben die Infos zu Programm, Kandidaten und Kampagne recht übersichtlich auf ihrer Website verteilt. Nach Terminen muss man allerdings erst suchen. Dafür erfährt man, was Spitzenkandidatin Eva Glawischnig beim Aufwachen denkt: „Wo bin ich?“ Und: Wahlgeschenke und Plakate kann man bei den Grünen online bestellen.

Erfolge feiern konnten die Grünen mit ihrer App „Part of the Game - Game “, die die Korruptionsfälle der vergangenen Jahre auf die Schaufel nimmt. Das Spiel kletterte innerhalb weniger Tage auf Platz eins der Gratis-Apps im Apple-App-Store.
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Auf Facebook haben die Grüne 18.264 Likes gesammelt. Für einige Verärgerung unter den eigenen Fans sorgte die Partei Mitte August, als sie ein Bild von schwarzen Reinigungskräften mit dem Slogan „Wer putzt bei dir“ postete. Glawischnig selbst hat 7733 Likes auf Facebook.

Auch auf Twitter ist die Partei sehr aktiv, 3098 Follower konnten bislang gewonnen werden. Glawischnig selbst twittert nicht.
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BZÖ

Die Websites von BZÖ-Spitzenkandidat Josef Bucher und der Partei gleichen sich inhaltlich und bieten den üblichen Mix aus Wahlprogramm und Kandidaten-Vorstellung. Auch hier ein Kandidaten-Steckbrief (Lieblingstier: Goldfisch)

Auf Facebook muss sich das BZÖ mit 588 Likes begnügen, Bucher selbst mit 915. Auch auf Twitter sieht es mager aus: 100 (BZÖ) bzw. 1395 (Bucher) Follower.
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Team Stronach

Die Schlagworte Wahrheit, Transparenz und Fairness dominieren beim Team Stronach nicht nur den Wahlkampf, sondern auch die Homepage der Partei. Frank Stronachs Leben wird in einer Timeline dargestellt, Privates gibt er aber nicht preis. Einiges ist noch ausbaufähig: So gibt es zwar einen eigenen Punkt „Jugend“, dort wird aber nur in zwei Sätzen erklärt, dass der Partei die Jugend „wichtig sei“.

28.328 Likes verzeichnet das Team Stronach auf Facebook. Die junge Partei schiebt sich damit immerhin auf Platz eins unter den Parteien, wenn auch immer noch mit deutlichem Abstand hinter Strache. Auf Twitter hat sie 3127 Follower. Stronach selbst hat Twitter- und Facebook-Accounts, auf denen sich aber seit April keine Einträge mehr finden.
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KPÖ

Altmodisch präsentiert sich die Website der Kommunisten. Auf Twitter wird dafür relativ eifrig gepostet, immerhin 1248 Follower sehen das in ihrer Timeline. Auf Facebook klickten 2463 User auf „like“, auf der Überholposition ist die Seite des traditionellen "Volksstimmefests", das heuer wohl auch für den Wahlkampf benutzt wird.
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Neos

Sehr aktiv in den sozialen Medien zeigen sich die Neos, und liegen mit 25.592 Likes auf Facebook nicht weit hinter dem Team Stronach. Auf Twitter hat die Partei 2015 Follower.
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Piraten

Für eine Partei, die sich an internetaffine Wähler wendet, nicht allzu beeindruckend sind die 5146 Facebook-Likes der Piraten. Dafür können sie auf Twitter punkten: 3492 Follower bedeuten den Spitzenplatz unter den Parteien.
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