Alain Finkielkraut: „Auch die alte Welt hat ein Recht zu leben“

Einst kritisierte der Denker Alain Finkielkraut den Begriff der nationalen Identität, heute verteidigt er ihn. Der Sohn eines Auschwitz-Überlebenden wird dafür als Reaktionär, sogar als Rassist geschmäht. Eine Begegnung in Paris.

Er trauert um eine Kultur, die er als Kind von Flüchtlingen lieben lernte: Alain Finkielkraut in der Bibliothek des Institut de France, Sitz der Académie Française.
Er trauert um eine Kultur, die er als Kind von Flüchtlingen lieben lernte: Alain Finkielkraut in der Bibliothek des Institut de France, Sitz der Académie Française.
Er trauert um eine Kultur, die er als Kind von Flüchtlingen lieben lernte: Alain Finkielkraut in der Bibliothek des Institut de France, Sitz der Académie Française. – (c) REUTERS (Benoit Tessier)

Fünf Minuten vom Jardin du Luxembourg entfernt, im Quartier Latin, liegt eine schöne alte Welt. Zwischen perfekt geordneten hellen Bücherwänden empfängt in seiner Wohnung einer der bekanntesten französischen Philosophen, Alain Finkielkraut. Hier scheint noch alles seine Ordnung zu haben. Nur draußen geht in Finkielkrauts Augen eine Welt unter. Der 69-Jährige, seit 2014 Mitglied der Académie Française, bangt um Frankreichs kulturelle Identität, sieht sie vor allem durch die Masseneinwanderung gefährdet. Zu seinen Bewunderern gehört Michel Houellebecq, Kritiker werfen ihm reaktionäres Denken vor, bezichtigen ihn sogar der Nähe zu Marine Le Pen und des Rassismus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2019)

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