Kehlmann über „Die Welt von Gestern“ in New York

Plötzlich sprechen in den USA alle von Stefan Zweigs Buch über Europas verlorene Friedensepoche vor 1914. Was sagt das über die Welt von heute aus?

New Yorks Intellektuellenmilieu spricht über Stefan Zweig – mittendrin als aufmerksamer Zuhörer Daniel Kehlmann, der derzeit an der New York University lehrt.
New Yorks Intellektuellenmilieu spricht über Stefan Zweig – mittendrin als aufmerksamer Zuhörer Daniel Kehlmann, der derzeit an der New York University lehrt.
New Yorks Intellektuellenmilieu spricht über Stefan Zweig – mittendrin als aufmerksamer Zuhörer Daniel Kehlmann, der derzeit an der New York University lehrt. – Andreas Schott/Getty Images

Jeder kennt es, das Phänomen der gehäuften Zufälle. Man hört von einem Ereignis, einem Buch, einem Kunstwerk, das einem seit Jahren nicht untergekommen ist, und unversehens hört man am nächsten Tag wieder davon, und wieder am Tag darauf, und in der nächsten Woche von Neuem. Wann immer das passiert, kommt es einem vor, als führte das Schicksal einen kleinen Zaubertrick vor.

Ich lebe zur Zeit in New York. Sogar den belesensten Amerikanern ist europäische Literatur normalerweise nicht sehr präsent, und so war ich aufrichtig überrascht, als mich vor etwa zwei Monaten ein Soziologe auf einer Party nach Stefan Zweig fragte. Es war ein ruhiger und besonnener Mann; aber als er von „Die Welt von Gestern“ sprach, wurde er aufgeregt. Das Buch sei ihm durch Zufall in die Hände gefallen, rief er, und er habe kaum glauben können, wie zeitgemäß es sei, wie bewegend. Ob ich es gelesen habe?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2019)

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