Lokale Domains als Chance für österreichische Gemeinden

Die von der Domain-Verwaltungsbehörde ICANN beschlossene Erweiterung der Internet-Adressraums um regionale und Wunschnamen-Domains eröffnet ungeahnte Möglichkeiten.

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Länder-Domains wie „.at" waren gestern und bleiben wohl auch noch geraume Zeit. Aber die Zukunft wird ungleich vielfältiger. Wie berichtet, hat die in den USA ansässige Domain-Verwaltungsbehörde ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) kürzlich auf ihrer Tagung in Paris beschlossen, die Adress-Endungen im Internet (Top-Level-Domains - „tld's") ab 2009 wesentlich zu erweitern. Neben die bekannten Länderdomains (wie „.at", aber auch „.eu") und die „generischen" Domains (z. B. „.com") werden lokale, regionale und Wunschnamen-Domains treten.

„Für österreichische Städte und Regionen eröffnen sich einmalige Chancen", meinen Rainer Schutes, Experte für Domain-Recht in der Anwaltssozietät enwc. Als Beispiel einer möglicherweise interessanten regionalen Domain nennt er „.wachau". Interessenten müssen allerdings genaue Zeitabläufe einhalten und dürfen nicht in Konflikt mit anderen Marken oder Namensrechten kommen. Besonders bei Namenskollisionen - etwa Bruck vs. Bruck - sind Vorsicht und eine gute Begründung notwendig.

ICANN hat für Frühjahr 2009 angekündigt, die begrenzte Zahl von tld's zu erweitern und für Gemeinden und Private zu öffnen. Voraussetzung ist, dass sich die Bewerber die Einrichtung und den Betrieb einer Registrierungsstelle leisten können. Eine solche ist nämlich zur Führung eines tld-Registers erforderlich, der Preis dafür aber in der Registrierungsgebühr von 50.000 bis 100.000 US-Dollar noch nicht enthalten.

„Die berühmte ‚.hansi'-Domain wird es daher wohl auch weiterhin nicht geben", meint Schultes. Touristiker sollten jedoch aufhorchen: Domains wie www.urlaub.wachau oder www.tourismus.salzburg könnten sich in eine Reihe mit „.paris" oder „.berlin" stellen. Berlin hat bereits Interesse bekundet. Solche Bezeichnungen sind einprägsam, können auf die bisher gebräuchliche .at-Domain (z.B. www.tourismus.graz.at) verzichten und eignen sich daher hervorragend zur Fremdenverkehrswerbung. „Registriert die Stadt Graz etwa die Domains „rathaus.graz", „schule.graz", „sehenswert.graz", etc., tritt sie professionell auf, kann darüber hinaus die Gemeindeidentität steigern und gleichzeitig ihren regionalen KMU eine interessante Präsentationsplattform zur Verfügung stellen", so Schultes.

Bei der Umsetzung sind allerdings noch viele Fragen zu klären, um Missbrauch zu verhindern. Wer etwa wird berechtigt sein, eine Regional-tld wie „.waldviertel" zu registrieren? Welche Verfahren zur Bekämpfung von Domain-Missbräuchen wie „Domain-grabbing", das gezielte Wegschnappen attraktiver Namen, sieht man vor?

Eine wahrscheinliche Lösung ist ein Schlichtungssystem ähnlich dem bereits existierenden Schiedsverfahren, das im Bereich der „Second-Level-Domains" - also den Namen vor dem „dot" - gut funktioniert. ICANN plant nun ebenfalls ein Streitschlichtungsverfahren vor einem externen Schiedsgericht.

Interessierte Städte und Regionen sind jedenfalls gut beraten, die weitere Entwicklung im Auge und gegebenenfalls „den Finger auf der Maustaste zu halten", wie Schultes formuliert. Schon im Frühjahr 2009 soll eine 45-tägige Bewerbungsphase beginnen. Wer diese verpasst, wird wahrscheinlich so schnell nicht wieder die Gelegenheit zur eigenen Top-Level-Domain bekommen.

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