So macht Warten bei Gericht Spaß

Blau senkt Blutdruck, richtige Tischbreite nützt: Die Tipps des Ministeriums.

Wien (aich). Wenn in der Justiz gespart wird, muss man möglicherweise auch länger bei Gericht warten. Wie praktisch, dass sich das Justizministerium daher um die Warteräume sorgt. Im November des Vorjahres wurde das Handbuch „Planung und Gestaltung von Wartebereichen in Gerichtsgebäuden“ herausgegeben.

Geheimtipp Nummer eins: Beschäftigungsmöglichkeiten verkürzen die subjektiv wahrgenommene Wartezeit. Ablenkung bieten Plakate oder Lesestoff. Empfohlen wird, Plakate mit Bezug zu Justizdienstleistungen aufzuhängen, da sich viele Leute an während der Wartezeit gelesene Plakate erinnern. Ein anderer Tipp: Wird etwa jemand informiert, dass sich sein Termin um 30 Minuten verzögert, „mag er anfangs einen gewissen Ärger verspüren, kann sich dann aber entspannen. Wird ihm jedoch mitgeteilt, er wäre demnächst an der Reihe, verbringt er die folgende Zeit in einem Zustand ständiger Anspannung.“

Kein Aspekt bleibt unbehandelt: So erfährt man, dass die Farbe Blau den Blutdruck senkt und die Nerven beruhigt. Ein Tisch, an dem Gesprächspartner sitzen, sollte maximal 80 bis 100 Zentimeter breit sein. Sitzt man dann gegenüber, spürt die Person, dass sich der Gesprächspartner nur ihr widmet. Selbst ein Kapitel zum Thema „Gender Mainstreaming“ findet sich in der Broschüre. Darin wird gemahnt, bei der Gestaltung der Warteräume nicht nur „Otto Normalverbraucher“ im Kopf zu haben. Ach ja, und neben schönen Warteräumen wäre auch eine höfliche Behandlung bei Gericht von Vorteil, meint das Handbuch. Im Kapitel „soft facts“ wird exemplarisch geschildert, wie es einer Autorin der Broschüre erging.

Freundlichkeit im Praxistest

Wachmann an der Eingangskontrolle: Ham' S an Termin?

Frau: Nein, ich würde nur gerne kurz . . .

Wachmann: Am Nachmittag können S' da nicht einfach reingehen.

Frau: Ich habe mich extra telefonisch bei der Frau Vorsteherin erkundigt, und sie hat mir gesagt, dass man bis 15.30 Uhr hereinkann.

Wachmann: Na also, ham S' ja doch an Termin.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2009)

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