Frau muss ihren verspielten Hirtenhund nicht an der Leine führen

Müssen Tierhalter ihre Hunde im freien Gelände anleinen? Nein, sagt der Oberste Gerichtshof. Grundsätzlich besteht kein allgemeiner Leinenzwang.

A Briard waits to enter the judging ring on the first day of the Crufts dog show in Birmingham
A Briard waits to enter the judging ring on the first day of the Crufts dog show in Birmingham
Ein Briard - angeleint – (c) REUTERS (Phil Noble)

Ob Hunde oder Hündchen an der Leine zu führen sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Sogar Hundebesitzer können sich bei dieser Grundsatzfragen in die Haare kommen. Das zeigt folgender Fall, mit dem sich sogar der Oberste Gerichtshof zu befassen hatte (4 Ob 20/18x).

Eine Frau spazierte mit ihrem zehn Monate alten und noch "verspielten" französischen Hirtenhund der Rasse Briard zwischen zwei dörflichen Ortschaften in Oberösterreich und ließ ihren Liebling auf einer Wiese außerhalb des Ortsgebiets frei laufen.

Ein Mann tat zeitgleich dasselbe. Er marschierte mit seinem Pudel ebenfalls außerhalb des Ortsgebiets, als ihm der junge Hirtenhund auf der Wiese entgegenlief. Weder attackierte der Briard den Mann und seinen Pudel, noch kam er mit beiden überhaupt in Berührung. Dennoch fühlte sich der Mann, als er den Hirtenhund auf sich zulaufen sah, nicht Wohl in seiner Haut und hob auch vorsorglich seinen Pudel in die Höhe. Den verspielten Hund versuchte er gleichzeitig mit einer Bewegung abzuwehren. Dabei fiel er zu Boden - und verletzte sich.

Für den Pudelbesitzer stand fest: die Hundehalterin des freilaufenden Briards habe nun für all sein Ungemach aufzukommen und klagte sie auf 12.500 Euro Schmerzensgeld, Kosten für die Haushaltsführung und diverse Spesen. Schließlich habe sie ihren Hund nicht pflichtgemäß verwahrt, nachdem der Hund offenbar ein ungestümes Wesen habe und überdies 25 Kilo schwer sei, hätte er auf dieser Wiese niemals ohne Leine laufen dürfen.

Briard war sogar in Welpenschule

Die Frau sah das naturgemäß ganz anders: Nie zuvor hätte es unangenehme Vorfälle mit ihrem Hund gegeben. Auf die Erziehung des Welpen habe sie von Anfang an Wert gelegt, so habe sie mit ihm fünf Monate lang die Welpenschule besucht. Dort habe er auch die Welpenprüfung - erfolgreich - abgelegt.

Das überzeugte die Richter sowohl in erster als auch in zweiter Instanz. Anders als der Kläger waren die Gerichte der Meinung, dass in diesem konkreten Fall kein Leinenzwang bestanden hätte.

Grundsätzlich keine Leinenpflicht

Doch der Pudelbesitzer gab nicht auf und rief den Obersten Gerichtshof (OGH) an. Der OGH wies die Revision des Mann jedoch zurück, weil er sich hier um keine erhebliche Rechtsfrage handelt. Dennoch hielt er bei dieser Gelegenheit folgendes grundsätzlich fest: Wie ein Tier zu verwahren sei, hänge immer von den Umständen des Einzelfalls ab. Ob ein Tierhalter zu haften hat, hänge immer davon ab, ob es wahrscheinlich und möglich sei, dass etwa sein Hund jemanden anderen einen Schaden zufügt. Konkret vorhersehbare Gefahren seien zu vermeiden. Wer also einen Hund hat, der gerne zuschnappt, muss seinem Hund einen Beißkorb verpassen. Und wenn ein schwerer, stürmischer Hund die Tendenz hat, andere Menschen Leute anzuspringen, leint der Besitzer sein Tier auch besser an.

Grundsätzlich besteht jedoch keine Leinenpflicht, sagen die OGH-Richter, sodass es der Verkehrsübung entspricht, gutmütige Hunde im freien Gelände ohne Leine herumlaufen zu lassen. Es sei nur dann eine erhöhte Sorgfalt geboten, wenn für den Tierbesitzer absehbar sei, dass für Personen erhöhte Gefahr drohe.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Frau muss ihren verspielten Hirtenhund nicht an der Leine führen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.