Riechstoff: Wiedererkennungseffekt

Es ist nicht ganz unüblich, dass Duftmarken Familienähnlichkeiten durch die Bezugnahme auf einen dynastischen Vorgänger zu kreieren versuchen.

Ungewohnt. Die diesjährige Version des „Liqueur de parfum – Angel“ von Thierry Mugler, 35 ml Eau de Parfum um 70 Euro. Und „Joy Forever“ von Patou, 50 ml Eau de Parfum um 120 Euro.
Ungewohnt. Die diesjährige Version des „Liqueur de parfum – Angel“ von Thierry Mugler, 35 ml Eau de Parfum um 70 Euro. Und „Joy Forever“ von Patou, 50 ml Eau de Parfum um 120 Euro.
Ungewohnt. Die diesjährige Version des „Liqueur de parfum – Angel“ von Thierry Mugler, 35 ml Eau de Parfum um 70 Euro. Und „Joy Forever“ von Patou, 50 ml Eau de Parfum um 120 Euro. – (c) Beigestellt

Es ist in der Geschichte der Parfümerie nicht ganz unüblich, dass Duftmarken irgendwelche Familienähnlichkeiten durch die Bezugnahme auf einen dynastischen Vorgänger zu kreieren versuchen. Ein derartiges Unterfangen verfolgt offenbar „Joy Forever“ von Jean Patou: Die Marke wechselte zuletzt den Lizenznehmer (man ist nun bei Aigner Parfums in Deutschland zu Hause), und die erste Neulancierung sucht den direkten Bezug zu Patous berühmtestem Duft „Joy“, entstanden Ende der 1920er-Jahre und bald als das „teuerste Parfum der Welt“ vermarktet. Das weiterhin erhältliche „Joy“ sollte freilich mit Vorsicht gehandhabt werden: Weniger ist bei diesem sehr charakteristischen und sehr sehr schweren Duft wahrhaftig mehr. Um vieles großzügiger kann mit „Joy Forever“ umgegangen werden. Trotz der angeblich eigens nachgebauten „Patounade“, einem geheimen Grundakkord, sind keine allzu ausgeprägten Verwandtschaftsbande bemerkbar. Aus dem in pudrigen Pariser Cabarets beheimateten „Joy“ ist in der „Forever“-Variante etwas geworden, das nun eher auf weißen Lederwohnlandschaften Platz nimmt. Den umgekehrten Schritt, also von eh-schon-nicht-leicht zu endgültig-sehr-schwer, geht die aktuelle „Liqueur de parfum“-Version von Muglers „Angel“. An diesem Gourmand-Klassiker scheiden sich ohnehin die Geister, und „Angel“-Fans könnten auch diese in geradezu atemraubender Weise intensivierte Variante als wohlriechend (oder gar -schmeckend?) empfinden. Wer „Angel“ noch nicht kennt oder schätzt, sollte sich hingegen  über die klassische „Angel“-Variante an so viel Üppigkeit heranhanteln. 

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