Anne Collier: Mit den Augen einer Frau

In ihren Fotografien verfremdet Anne Collier Frauenbildnisse. Raf Simons lud sie zur Zusammenarbeit mit Calvin Klein ein.

„Photographic“. Noch bis 6. Jänner 2019 zeigt das Sprengel Museum in Hannover Arbeiten Colliers.
„Photographic“. Noch bis 6. Jänner 2019 zeigt das Sprengel Museum in Hannover Arbeiten Colliers.
„Photographic“. Noch bis 6. Jänner 2019 zeigt das Sprengel Museum in Hannover Arbeiten Colliers. – (c) Courtesy of the artist, Anton Kern Gallery New York, Galerie Neu Berlin, The Modern Institute/Toby Webster Ltd. Glasgow, Marc Foxx Gallery Los Angeles © Anne Collier. Bildtitel: Woman Crying # 7, 2016. Woman Crying # 17, 2018.

In ihren Arbeiten zieht die aus Los Angeles gebürtige, heute in New York lebende Fotografin Anne Collier für gewöhnlich eine zusätzliche Bedeutungsebene ein. Collier arbeitet häufig mit „found photographs", also mit bereits vorhandenem Bildmaterial, das sie abfotografiert, (zumeist sehr subtil) manipuliert und damit einer neuen Bedeutung zuführt. Besonders, wenn es sich um ältere Motive, etwa um Reklamefotografie aus den Sechziger- und Siebzigerjahren handelt, wird offenkundig, dass sich die Wahrnehmung dessen, was in der publikumswirksamen Inszenierung von Frauen als „zulässig" gilt, mittlerweile verschoben hat.

Einklang. Raf Simons lud Anne Collier ein, auch die Kampagne zum Duftlaunch zu fotografieren.
Einklang. Raf Simons lud Anne Collier ein, auch die Kampagne zum Duftlaunch zu fotografieren.
Einklang. Raf Simons lud Anne Collier ein, auch die Kampagne zum Duftlaunch zu fotografieren. – (c) Beigestellt

„Als wir die Bilder aufhängten, haben uneingeweihte Personen, etwa unser Hausmeister, sogar ihr Befremden ausgedrückt", sagt Stefan Gronert, Kurator am Sprengel Museum in Hannover. Durch die Appropriierung und Nachbearbeitung werden die Motive freilich mit Störern versehen und laden Betrachter dazu ein, sich kritisch mit dem einst offenbar überaus Gesellschaftsfähigen auseinanderzusetzen. Die Entscheidung, Anne Collier im Sprengel Museum ihre erste Einzelausstellung in Deutschland zu widmen, trafen Gronert und die Museumsleitung auch, um eine in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entstandene Lücke zu schließen: „Im Haus wurden kaum Positionen von Frauen gezeigt und auch nicht gesammelt. Dem will ich nun nach und nach abhelfen", unterstreicht Gronert. So habe man es etwa, trotz einer regen Ausstellungstätigkeit im Bereich Fotografie, verabsäumt, auch so prominente Künstlerinnen wie Cindy Sherman zu berücksichtigen. Nun in „Photographic" das Werk von Anne Collier, Jahrgang 1970, in den Mittelpunkt zu stellen soll einen markanten neuen Akzent setzen.

„Ich habe Colliers Arbeit in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt und konnte beobachten, wie sie sich auf einem konstant hohen Niveau ständig weiterentwickelt", sagt Stefan Gronert und zeigt sich mit der Entscheidung, ihr eine monografische Ausstellung zu widmen, zufrieden.

Augen auf. Ein Collier-Auge auf dem Flakon des neuen „Calvin Klein Women“.
Augen auf. Ein Collier-Auge auf dem Flakon des neuen „Calvin Klein Women“.
Augen auf. Ein Collier-Auge auf dem Flakon des neuen „Calvin Klein Women“. – (c) Beigestellt

Augenaufschlag. Auch an anderer Stelle wurde Anne Collier, deren Fotografien unter anderem Teil der Sammlung des MoMA, des Guggenheim Museum und des MoCA in Los Angeles sind, offenbar genau beobachtet. Der kunstaffine Kreativdirektor von Calvin Klein, Raf Simons, wandte sich an Collier, um die Lancierung des ersten unter seiner Federführung entstandenen Damenparfums von Calvin Klein zu begleiten.

Für die Kampagne von „Calvin Klein Women" fotografierte Collier die Schauspielerinnen Lupita Nyong’o und Saoirse Ronan. Um eine zusätzliche Ebene einzuziehen – was in Kontinuität zu Colliers künstlerischer Arbeit steht –, wählten die beiden starke Persönlichkeiten aus, denen sie in den Sujets gegenübergestellt werden: Katharine Hepburn und Eartha Kitt bei Nyong’o, Sissy Spaceck und Nina Simone bei Ronan. Das Detail eines Fotos ziert zudem den Flakon von „Women": Das Auge, das über das Parfum zu wachen scheint, erinnert an Arbeiten aus Colliers Werkserie „Woman Crying", die in den letzten Jahren entstand.

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