Zeitgemäße Handpflege muss mehr können als „geschmeidig halten"

In der Kosmetik genießt anspruchsvolle Pflege für die Haut der Hände neue Aufmerksamkeit: Auch schöne Handrücken können längst entzücken.

(c) Nina Ober

Sein Markenzeichen mag die Sonnenbrille sein. Aber auch seine Lederhandschuhe sind für Karl Lagerfeld eindeutig unverzichtbar. Niemals würde der Modeddesigner das Haus mit leeren Händen verlassen. Dem Magazin der „Zeit" verriet Lagerfeld einmal, dass seine Mutter an diesem Fetisch schuld sei: Sie erklärte dem damals 15-Jährigen: „Deine Hände sind nicht so toll, das sieht man noch mehr, wenn du rauchst." Handschuhe hätten allerdings, laut Herrn L., noch einen weiteren, immensen Vorteil: „Das ist der beste Weg, schöne Hände zu behalten. Keine Altersmale – nichts. Bei Leuten, die viel in die Sonne gehen, ist das ja eine Fleckenlandschaft!"

Auch bei der schon etwas länger jungen Madonna können die Hände nicht mehr mit dem gefühlten Alter von Gesicht und Körper mithalten. Auch sie rettet sich gern in den goldenen Handschuh. Oder gleich in die Hosentaschen. Selbst über eine absolvierte Sklerotherapie – eine Behandlung, die sonst gegen Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt wird – spekuliert das Showbiz. Mögen die Augen der Spiegel der Seele sein – die Hände sind ein gnadenloses Brennglas aufs Geburtsjahr.

Schöne Handrücken: Pflege für die Hände

Neue Texturen. Ganz in diesem Sinne lautet auch der Auftrag an die zeitgemäße Handpflege nicht mehr nur „geschmeidig halten". Sie muss auch das Alter kaschieren. Also: Flecken mildern, Falten glätten, Spannkraftverlust ausgleichen. „Fältchen lassen die Haut älter erscheinen und harmonieren häufig nicht mit der Gesamterscheinung", erklärt Bettina Peske, Senior Brand Managerin bei dem Nagel- und Handpflegespezialisten Alessandro. „Mit einer Anti-Aging-Handpflege lässt sich der Alterungsprozess zwar nicht aufhalten, aber erheblich verlangsamen." Wichtig sei auch, bereits ab dem 20.  Lebensjahr mit einer Pre-Aging-Handpflege zu beginnen.

Die gute alte Handcreme ist übrigens längst nicht mehr der ultimative State of the Art. „Abgeleitet aus der Gesichtspflege, verwenden immer mehr Kunden Hand­seren – eine leichte Intensivpflege für die Bedürfnisse anspruchsvoller Haut, angereichert mit wertvollen Inhaltsstoffen", weiß Bettina Peske. Und so kommt Alessandros Feuchtigkeitsbooster mit Ingwerextrakt, Vitamin  C und Spurenelementen, die vor freien Radikalen schützen und den Hautton ebenmäßiger machen sollen, in flüssiger Form daher – als „Hand!Spa Age Complex-Spray Serum".

Auch die Pflegelinie der Vorarlbergerin Susanne Kaufmann setzt auf ein leichtes „Handserum hautglättend", in das sie Inhaltsstoffe packt, wie man sie gemeinhin auf der Packungsbeilage zu hochwertiger Gesichtspflege findet: einen pflanzlichen Hyaluronkomplex zur Feuchtigkeitsspende, Vitamin C für die Kollagensynthese und das Coenzym Q10, das die elastischen Strukturen der Haut stimuliert und Pigmentflecken aufhellen soll.

Eine besondere Geschichte verbindet Sensai mit der Handpflege. Seine Gründung hat das japanische Kult-Beautylabel nämlich einer handfesten Zufallsentdeckung zu verdanken. In den 1930er-Jahren war das Unternehmen noch in der Seidenproduktion tätig. Der damalige Präsident, Sanji Muto, bemerkte während einer seiner Fabrikbesuche, dass alle seine Arbeiterinnen schöne, geschmeidige Hände hatten. Muto vermutete richtig: „Es ist die Seide!" und nahm umgehend die Forschungstätigkeit auf. 1936 wurde der erste Kosmetikartikel des Unternehmens auf den Markt gebracht, seitdem werden alle Sensai-Produkte mit hochwertiger, feuchtigkeitsspendender Seide formuliert. Wie auch das „Cellular Intensive Hand Treatment", das als Hand- und Nagelpflege sowie als Handmaske eingesetzt werden kann und mit einem Extrakt aus der roten Frucht des Feuerdorns Pigment­flecken vorbeugen soll.

Duftende Pflege. Trockene Hände, rissige Haut, abgezupfte Nagelhaut – eine gute Handpflege kümmert sich um all diese Baustellen, zieht schnell ein und hinterlässt einen pflegenden Film. Das ist aber natürlich noch lange nicht alles. Auf Händen getragen wird immer häufiger auch: ein Duft! Tom Ford beispielsweise hat jüngst seine „Neroli Portofino Collection" um eine luxuriöse Handcreme erweitert. Die pflegt nicht nur mit Glycerin, Hyaluronsäure und Koffein, sondern parfümiert mit Zitrusölen, blumigen Duftnoten und Amber-Tönen. Ebenfalls einer Ganzkörperpflegelinie entsprungen ist das „Vitamin E Hand Treatment" von Jo Malone. Das antioxidante Vitamin E soll hierbei die Hände vor Umwelteinflüssen schützen, eine zarte Note von Pomelo und schwarzer Johannisbeere die Haut köstlich beduften.

Auch Dior bietet eine reichhaltige Handcreme an, die nicht nur mit dem Wasser der beruhigenden Provence-Rose Feuchtigkeit schenken soll, sondern auch den ikonischen Duft von „Miss Dior" transportiert. Schön weihnachtlich präsentiert sich hingegen der britische Hoflieferant Molton Brown. Bei der „Alba White Truffle Hand"-Kollektion mit einem hautpflegenden Extrakt aus weißen Trüffeln wird vor dem feuchtigkeitsspendenden „Hand Treatment" ein „Hand Exfoliator" eingesetzt, der für streichelzarte Finger und Handrücken sorgen soll. Ein Duft aus warmer Muskatnuss, würzigem Weihrauch und süßer Vanille unterstreicht das luxuriöse Vergnügen.

Und der intensiv hydratisierende Klassiker „Ultimate Strength Hand Salve" von Kiehl’s wurde mit den „Scented Hand Creams" um drei Duftnoten erweitert: Grapefruit, Koriander und Lavendel.

Doch zurück zu Chanel. Volle 90 Jahre nachdem Coco Chanel erstmals eine Handcreme entwickelt hatte, lancierte das Luxuslabel im vergangenen Jahr die „La Crème Main". Heuer wurde diese mit neuer, reichhaltigerer Textur zur „La Crème Main Texture Riche" weiterentwickelt. Das Wachs der Mairose, angebaut auf den firmeneigenen Gründen in Grasse, soll die Haut beruhigen und eine feuchtigkeitsspendende Barriere bilden, gleichzeitig pflegen Sheabutter und Glycerin. Gegen dunkle Flecken wird zudem noch ein Extrakt der Iris pallida ins Spiel gebracht, der die unbeliebten Spots laut Chanel um bis zu 12 Prozent aufhellen kann. Und wer weiß: Vielleicht duften Karl Lagerfelds Hände neuerdings unter dem Leder auch ein bisschen nach französischer Blumenwiese.

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