Hair Stories

Frauen und ihre Haare

Fotografin Rohina Hoffman geht in ihrem Bildband "Hair Stories" der komplexen Beziehung zwischen Frauen und ihren Haaren nach.

Haare haben nicht nur eine persönliche, sondern auch emotionale und politische Bedeutung. Fotografin Rohina Hoffman geht in ihrem Bildband "Hair Stories" der komplexen Beziehung zwischen Frauen und ihren Haaren nach. Dafür hat sie die Protagonistinnen im Alter zwischen 14 und 100 interviewt und fotografiert.

(c) Rohina Hoffman

"Ich habe dabei herausgefunden, dass Haare eine Sprache, sind, aber auch ein Schutzschild und eine Trophäe. Haare sind ein Konstrukt, dass unsere Identität, Geschichte, Weiblichkeit, Persönlichkeit, unsere tiefsten inneren Gefühle von Selbstzweifel, Alter, Eitelkeit und Selbstbewusstsein reflektiert", schreibt sie darin.

©2016 Rohina Hoffman

Und weiter: "Haare haben auch tiefe soziologische Wurzeln. Sie können Zeichen für eine gewisse Religion oder für einen politischen Glauben sein und wie ein genetischer Code sind sie kompliziert und berühren unseren Kern."

(c) Rohina Hoffman

Die Neurologin und Fotografin, die in Indien geboren wurden und jetzt in Los Angeles lebt, hatte schon früh eine starke Beziehung zu ihrem Haar. Mit sieben Jahren wurden ihre Zöpfe abgeschnitten, wodurch sie einen großen Teil ihrer Kindheit mit einer Bubenfrisur verbrachte. Das führte zu einem Identitätsverlust und ein Trauma, das sie ihr ganzes Leben lang begleitet, schreibt sie im Vorwort.

©2016 Rohina Hoffman

"Als ich 19 war haben meine zwei Schwestern und ich den Kontakt zu unserer Familie abgebrochen. Ich sollte jemanden heiraten, aber das wollte ich nicht. Ein Jahr danach trug ich mein Haar natürlich. Es hat Jahre gedauert, bis ich wusste, wie ich damit umgehe und was ich mit ihnen tue, denn es war wie eine Wiedergeburt. Ich war endlich frei", erklärt Yasmine.

(c) Rohina Hoffman

"Als Kind wurde ich immer gefragt: 'Warum willst du ein Bub sein?' Ich habe das nie verstanden, weil ich gar kein Bub sein wollte. Ich war ein sehr glückliches Mädchen, aber ich wollte ein Tomboy sein", erzählt Julia.

(c) Rohina Hoffman

Iarisa: "Als ich in der ersten Klasse war, nahm mich meine Mutter mit zum Frisör und meine Haare wurden ganz kurz geschnitten, wie bei einem Buben. Sie meinte, ich sehe süß aus. Ich habe tagelang geweint. Seitdem habe ich langes Haar. Es hat Jahre gedauert, bis die Haare ausgewachsen sind und es ist noch immer eine Überwindung für mich zum Frisör zu gehen."

(c) Rohina Hoffman

Lauren: "Ich verändere mich immer. An manchen Tagen möchte ich kurzes Haar, an manchen Tagen möchte ich langes Haar. Einen Tag möchte ich rotes Haar, dann wieder schwarzes. Ich trage ständig Perücken, weil ich meine Haare so gerne verändere."

(c) Rohina Hoffman

Misha: "Haare sind ein großer Teil meiner Identität. Ich bin eine alte Punkrockerin und Haare waren dazu da um sich auszudrücken. Wir haben unsere Haare rasiert und in lustige Farben gefärbt. Unsere Haare haben unsere Unterschiede deutlich gemacht."

(c) Rohina Hoffman

Ogy: "Meine Mutter ist Algerierin und mein Vater ist schwarz, amerikanisch-indisch und irisch. Ich wurde mit einem vollen Kopf aus schwarzen Locken geboren. Es gab niemanden, der so aussah wie ich, niemanden, der dieselben Haare hatte wie ich, und niemanden, der mir sagen konnte, was zum Teufel ich tun sollte. Ich hatte dieses außerirdische Zeug auf dem Kopf, mit dem niemand etwas anfangen konnte, und es lag an mir, es herauszufinden."

(c) Rohina Hoffman

"In der Mittelschule hab ich versucht die natürliche Textur meines Haares zu unterdrücken und sie glatt zu tragen wie alle anderen. Alles, was ich wollte, waren wirklich lange, glatte, blonde Haare. Vor drei Monaten habe ich mich entschlossen, dass meine Haare ihr eigenes Ding machen dürfen", berichtet Sophie.

(c) Rohina Hoffman

Susan: "Ich habe gerade die Chemotherapie beendet und werde sehen, was passiert. Ich wollte nie eine Perücke tragen, weil das nicht ich bin. Ich möchte mich vor niemandem mehr verstecken."

(c) Rohina Hoffman

"Ich habe seit den 40er-Jahren den gleichen Frisör. Er ist sich sehr sicher, was er mag und denkt, dass ein bestimmter Look für mich ist. Es ist schwer, mit ihm zu streiten, da er in seinen Ansichten sehr bestimmt ist. Manchmal möchte ich etwas anderes ausprobieren, aber ich bin nervös, wenn ich umsteige. Er wird sich bei seinem Styling einfach nicht hereinreden lassen", meint Barbar.

(c) Rohina Hoffman

Hair Stories von Rohina Hoffman ist im artbook Verlag erschienen.

 

(c) Rohina Hoffman
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Haare haben nicht nur eine persönliche, sondern auch emotionale und politische Bedeutung. Fotografin Rohina Hoffman geht in ihrem Bildband "Hair Stories" der komplexen Beziehung zwischen Frauen und ihren Haaren nach. Dafür hat sie die Protagonistinnen im Alter zwischen 14 und 100 interviewt und fotografiert.

(c) Rohina Hoffman

"Ich habe dabei herausgefunden, dass Haare eine Sprache, sind, aber auch ein Schutzschild und eine Trophäe. Haare sind ein Konstrukt, dass unsere Identität, Geschichte, Weiblichkeit, Persönlichkeit, unsere tiefsten inneren Gefühle von Selbstzweifel, Alter, Eitelkeit und Selbstbewusstsein reflektiert", schreibt sie darin.

©2016 Rohina Hoffman

Und weiter: "Haare haben auch tiefe soziologische Wurzeln. Sie können Zeichen für eine gewisse Religion oder für einen politischen Glauben sein und wie ein genetischer Code sind sie kompliziert und berühren unseren Kern."

(c) Rohina Hoffman

Die Neurologin und Fotografin, die in Indien geboren wurden und jetzt in Los Angeles lebt, hatte schon früh eine starke Beziehung zu ihrem Haar. Mit sieben Jahren wurden ihre Zöpfe abgeschnitten, wodurch sie einen großen Teil ihrer Kindheit mit einer Bubenfrisur verbrachte. Das führte zu einem Identitätsverlust und ein Trauma, das sie ihr ganzes Leben lang begleitet, schreibt sie im Vorwort.

©2016 Rohina Hoffman

"Als ich 19 war haben meine zwei Schwestern und ich den Kontakt zu unserer Familie abgebrochen. Ich sollte jemanden heiraten, aber das wollte ich nicht. Ein Jahr danach trug ich mein Haar natürlich. Es hat Jahre gedauert, bis ich wusste, wie ich damit umgehe und was ich mit ihnen tue, denn es war wie eine Wiedergeburt. Ich war endlich frei", erklärt Yasmine.

(c) Rohina Hoffman

"Als Kind wurde ich immer gefragt: 'Warum willst du ein Bub sein?' Ich habe das nie verstanden, weil ich gar kein Bub sein wollte. Ich war ein sehr glückliches Mädchen, aber ich wollte ein Tomboy sein", erzählt Julia.

(c) Rohina Hoffman

Iarisa: "Als ich in der ersten Klasse war, nahm mich meine Mutter mit zum Frisör und meine Haare wurden ganz kurz geschnitten, wie bei einem Buben. Sie meinte, ich sehe süß aus. Ich habe tagelang geweint. Seitdem habe ich langes Haar. Es hat Jahre gedauert, bis die Haare ausgewachsen sind und es ist noch immer eine Überwindung für mich zum Frisör zu gehen."

(c) Rohina Hoffman

Lauren: "Ich verändere mich immer. An manchen Tagen möchte ich kurzes Haar, an manchen Tagen möchte ich langes Haar. Einen Tag möchte ich rotes Haar, dann wieder schwarzes. Ich trage ständig Perücken, weil ich meine Haare so gerne verändere."

(c) Rohina Hoffman

Misha: "Haare sind ein großer Teil meiner Identität. Ich bin eine alte Punkrockerin und Haare waren dazu da um sich auszudrücken. Wir haben unsere Haare rasiert und in lustige Farben gefärbt. Unsere Haare haben unsere Unterschiede deutlich gemacht."

(c) Rohina Hoffman

Ogy: "Meine Mutter ist Algerierin und mein Vater ist schwarz, amerikanisch-indisch und irisch. Ich wurde mit einem vollen Kopf aus schwarzen Locken geboren. Es gab niemanden, der so aussah wie ich, niemanden, der dieselben Haare hatte wie ich, und niemanden, der mir sagen konnte, was zum Teufel ich tun sollte. Ich hatte dieses außerirdische Zeug auf dem Kopf, mit dem niemand etwas anfangen konnte, und es lag an mir, es herauszufinden."

(c) Rohina Hoffman

"In der Mittelschule hab ich versucht die natürliche Textur meines Haares zu unterdrücken und sie glatt zu tragen wie alle anderen. Alles, was ich wollte, waren wirklich lange, glatte, blonde Haare. Vor drei Monaten habe ich mich entschlossen, dass meine Haare ihr eigenes Ding machen dürfen", berichtet Sophie.

(c) Rohina Hoffman

Susan: "Ich habe gerade die Chemotherapie beendet und werde sehen, was passiert. Ich wollte nie eine Perücke tragen, weil das nicht ich bin. Ich möchte mich vor niemandem mehr verstecken."

(c) Rohina Hoffman

"Ich habe seit den 40er-Jahren den gleichen Frisör. Er ist sich sehr sicher, was er mag und denkt, dass ein bestimmter Look für mich ist. Es ist schwer, mit ihm zu streiten, da er in seinen Ansichten sehr bestimmt ist. Manchmal möchte ich etwas anderes ausprobieren, aber ich bin nervös, wenn ich umsteige. Er wird sich bei seinem Styling einfach nicht hereinreden lassen", meint Barbar.

(c) Rohina Hoffman

Hair Stories von Rohina Hoffman ist im artbook Verlag erschienen.

 

(c) Rohina Hoffman
Kommentar zu Artikel:

Frauen und ihre Haare

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.