Mathilde Laurent: "Parfüm darf nicht einfach nur getragen werden"

Mathilde Laurent, Hausparfumeurin der Maison Cartier, im Gespräch: über andere Arten des Parfüm-Erlebens - und über wahren Luxus.

Mathilde Laurent in ihrem Pariser Büro
Mathilde Laurent in ihrem Pariser Büro
Mathilde Laurent in ihrem Pariser Büro – Cartier, © Gerard Uferas

Mathilde Laurent, Ihr Arbeitsplatz ist in der Cartier-Stiftung für zeitgenössische Kunst im 14. Pariser Arrondissement. Unten sind Ausstellungen, oben ist das Haus von großen Fensterfronten umgeben. Aber auch Ihr Büro ist wie ein Ausstellungsraum - Sie haben viele Fotografien um sich. Wie das?

Mathilde Laurent: Die Herstellung von Parfüm ist eine Kunstrichtung, die der Fotografie sehr nahe kommt - Gerüche sind wie Bilder. Gerüche und Bilder tauschen sich aus und immer, wenn ich einen Duft kreiere, habe ich Fotos in meinem Kopf, die meine Arbeit im Verlauf zeigen. Ich schaue mir die Fotos in Magazinen oder im Internet an, dann wähle ich die aus, die eine Verbindung zu dem Duft haben, den ich versuche, in eine Flasche zu bekommen. Deswegen gibt es viele, viele Fotos in meinem Büro, die zu den Düften gehören, die ich kreiert habe. Ich kann nicht ohne Fotos um mich herum leben. Ich bekomme von ihnen jene Ideen, die meine Gedanken entschubladisieren. Die Bilder packen mich wie ein Leuchtfeuer, sie sind wie ein Fluchtpunkt.

Sie haben vor kurzem geschrieben, der Geruchssinn werde häufig einzig und allein zu etwas Animalischem reduziert.

Parfüm darf nicht einfach nur getragen werden, es muss erlebbar sein. Die Maison Cartier ist weiterhin überzeugt davon, dass Parfüm nicht einfach ein Konzentrat ist, das wir auf der Haut tragen, sondern auch eine sinnliche Sprache hat, die wir auf verschiedene und überraschende Arten erleben können.

Das Zitat zum Geruchssinn stammt aus dem Programm zur "Nuage parfumé" - dem ersten "Object sentant non identifié", einem "Osni", der Maison Cartier. Es wurde als erster Teil einer Reihe im Oktober in Paris gezeigt. Versuchen Sie damit, Parfüm als Kunst wieder zugänglicher zu machen?

Die "Osni"-Serie folgt jener Linie, die die Parfüms der Maison Cartier seit ihrer Gründung ziehen - das Angebot einer Vision, bei der Parfüm es wagt, sich seiner üblichen Funktion zu entziehen und ein kreatives Medium zu werden, ein Katalysator für Begegnungen und Dialoge, was zu Installationen wie "Osni 1" führt. Die "Osni"-Serie ist ein Manifest olfaktorischen Wagemuts. Mit der Serie wird Parfüm zum kreativen Medium und zum Partner für künstlerische olfaktorische Erfahrungen: Ein "Osni" bietet einen anderen Zugang zum Riechen, eine Neuentdeckung dessen, wie man Geruch verstehen kann. Als hybrides Objekt ist "Osni" das Ergebnis von Zusammenarbeit und Experiment, sein Design ist kein anderes als jenes, Brücken zu bilden zwischen zwei scheinbar separaten Universen: der Geruchssinn auf der einen, künstlerische und wissenschaftliche Sprache auf der anderen Seite. Diese Begegnung wird verkörpert von einer immersiven olfaktorischen Installation. Die "Osni"-Serie ist eine Einladung, den polymorphen Charakter zeitgenössischer olfaktorischer Kunst kennenzulernen.

Ihr Zugang geht hier weg von dem, was man sich unter kommerzieller Parfumeursarbeit vorstellt. Man sagt, Sie hätten alle künstlerische Freiheit und keinen wirtschaftlichen Zwang bei Ihrer Arbeit...

Luxus ist ein Ort der Freiheit und Unabhängigkeit des Geistes. Ein Raum, wo wir Möglichkeit haben können und müssen, ohne Kompromisse zu machen - mit allem, was das bedeutet in Sachen Mut, Risikofreudigkeit und Einzigartigkeit. Die Idee von Cartier, eine der ersten Maisons zu sein, die einen In-House-Parfumeur integriert hat, ist wahrlich ein Zeichen absoluter Meisterschaft im Luxus-Universum und des Respekts für das Wesen der Parfümerie. Es ist diese einzigartige Exzellenz, die mich angesprochen hat.

beigestellt

Aktueller kreativer Streich von Mathilde Laurent: die Neuentwicklung des Cartier-Männerdufts "Déclaration". Vor 20 Jahren kam der Duft auf den Markt - damals als Entwicklung des Parfumeurs Jean-Claude Ellena. Laurent will mit ihrer Interpretation "die Eleganz und Leidenschaft" von "Déclaration" intensiviert sehen.

Hinweis: Die Reise nach Paris erfolgte auf Einladung von Cartier.

(epos)

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