Veganismus im Kleiderschrank

Bio, fair und frei von tierischen Produkten ist die vegane Mode des Labels Gary Mash aus dem obersteirischen Unzmarkt. Die Designerinnen leisten Pionierarbeit.

Gary Mash
Gary Mash
Gary Mash – Gery Wolf

Als sie anfingen, sich mit Nachhaltigkeit im Modebereich zu beschäftigen, war für Sarah Schanes und Maggy Kubli schnell klar: „Es ist alles wichtig. Das Soziale, die Umwelt und die Tiere.“

Die beiden 28-Jährigen, die sich auch den Geburtstag teilen, sind Gary Mash und machen vegane Mode. Seit September 2013 ganz offiziell, die Vorbereitung für ihr Modelabel begann aber bereits zwei Jahre zuvor. Denn anfänglich hätten sie ja gar nicht gewusst, dass in den konventionellen Farben für Textilien auch tierische Produkte enthalten seien. „Speziell bei der roten Farbe, dem Karmin, wird mit toten zerdrückten Läusen gearbeitet“, erklären die beiden. Lästiges Nachfragen und ausgiebige Recherche bei Farb- und Textilproduzenten ließ sie bald vegane Farbalternativen finden und führte die beiden schließlich nach Südindien.

Mithilfe einer Liste von Fair Trade Österreich fanden sie ihre Schneiderei, wo sie sich vor Ort von den Arbeitsbedingungen überzeugten. Sie hätten sogar in der Produktionswerkstätte, wo die biologische Baumwolle aus Nordindien gefärbt, zugeschnitten und genäht wird, übernachtet, um absolut sicherzugehen. Fair, organic (biologisch) und vegan eben.


Pionierarbeit.
Die beiden Modemacherinnen gehören (noch) zu den wenigen in Österreich, die sich diesen drei Grundsätzen verschrieben haben. Das weiß auch Jasmin Schister, Inhaberin des bislang einzigen veganen Modeladens in Österreich. „Es gibt in Österreich kaum vegane Designer“, sagt die Inhaberin des Muso Koroni in der Wiener Josefstädter Straße. Seit August 2012 verkauft sie dort unter anderem vegane Kondome, Kosmetika, Schuhe, Kleidung und eben auch T-Shirts von Gary Mash. Schister arbeitet vorwiegend mit kleinen Labels zusammen, weil sie dort genaue Infos über die Produktionskette erhalten könne. Modeagenten, also Verkaufsvertreter großer Marken, hingegen wissen in den seltensten Fällen, woher das von ihnen angepriesene Gewand eigentlich komme. Auch sie sei eine Lästige beim Nachfragen und bekomme oftmals als Antwort „Solche Fragen haben wir noch nie gehört.“

Denn auch für Schister gilt: fair, biologisch und absolut frei von tierischen Produkten. Sie geht sogar so weit, dass sie mit Firmen, die neben veganen auch konventionelle Produkte im Sortiment haben, nicht zusammenarbeitet. Einen kleinen Kompromiss geht sie nur beim Faktor Regionalität ein – sie versucht ausschließlich mit österreichischen und Firmen aus der EU zusammenarbeiten. Für Gürtel hat sie bislang noch niemanden in Europa gefunden, diese bezieht sie von amerikanischen Herstellern. Vom eigenen Shop träumen auch Sarah Schanes und Maggy Kubli, der Name Gary Mash ist ein Anagramm der beiden Vornamen. Bislang läuft der Vertrieb noch über ihren Onlineshop und über Kooperationen mit Modeläden, wie eben Muso Koroni. Auch in Deutschland gibt es Gary-Mash-Mode bereits in drei Läden zu kaufen.


Vegane Strampler. Neben den T-Shirts designen die beiden in ihrer Werkstatt im obersteirischen Unzmarkt auch Accessoires wie Taschen, Geldbörsen und Ohrstecker aus Holz. Bei den Geld- und Handytaschen setzen die beiden auf Tyvek. Ein synthetisches, in Luxemburg hergestelltes Fasermaterial, das sich wie Papier anfühlt, reiß- und wasserfest sowie gut haltbar ist. Und im Sortiment haben Gary Mash auch Babykleidung. Das Design stammt von einer deutschen Designerin, die die beiden in der indischen Schneiderei kennengelernt haben.

Die veganen Strampler gibt es seit Kurzem auch in der steirischen Traditionseinkaufskette Kastner & Öhler zu kaufen. Aktuell arbeiten sie an einer Kleiderkollektion, die ersten Prototypen zieren bereits Schaupuppen in ihrer Werkstätte.

Zusätzlich finden Schanes und Kubli auch Kunden bei Messen, auf denen sie ihr Label gern präsentieren. Auch deshalb, weil sie im knapp 1400 Einwohner zählenden Unzmarkt zwar Ruhe für kreatives Arbeiten, aber wenig Austausch mit Gleichgesinnten finden. Messeauftritte, sowohl spezifisch vegane wie zum Beispiel bei der Veganmania, aber auch normale Modemessen würden sich im Online-Shop sehr positiv bemerkbar machen. „Die Leute fragen sehr viel nach und es ist großes Interesse da“, erzählen die beiden Designerinnen. Ihre Kunden seien vorwiegend zwischen 20 und 35 Jahre alt und bewusste Einkäufer. Die stellen, gleich wie die veganen Modedesigner und -vertreiber, eben auch gern lästige Fragen.

Auf mehr lästige Fragen will und wird sich auch Jasmin Schister einstellen müssen. Wegen der großen Nachfrage nach veganer Mode in ihrem Muso Koroni wälzt die geschäftstüchtige Veganerin bereits konkrete Expansionspläne. Sie wird einen zweiten Laden in Wien bereits im Lauf dieses Jahres eröffnen und ein Muso Koroni im deutschen Essen ist auch bereits fix. „In Deutschland gibt es aktuell mehr Nachfrage als Angebot“, erklärt die vegane Modepionierin, die in Deutschland auf eine Kooperation mit dem bekannten veganen Supermarkt Veganz setzt.


Veganismus als Lebensform.
Und auch in die übrigen Nachbarländer Österreichs hat sie bereits ihre Fühler ausgestreckt. Ihr Online-Shop, alle Produkte im Laden in der Josefstädter Straße sind auch im Internet erhältlich, zeige ihr auf, wo Bedarf da sei. Vegane Mode ziehe zwar langsamer in das Bewusstsein der Menschen ein und die meisten würden bei Veganismus immer noch in erster Linie an Essen denken.

Aber sowohl für Jasmin Schister wie auch für die beiden Gary-Mash-Designerinnen ist klar: „Veganismus ist nicht bloß Ernährung, sondern eine Lebensform.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2014)

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