Veranlagung: Interesse bleibt verhalten

Nachhaltig konzipierte und gemanagte Immobilienfonds fristen nach wie vor ein Nischendasein. Es fehlt noch an Masse und einheitlichen Standards.

Der Anlagemarkt hat grüne Immobilienfonds bisher eher links liegen gelassen.
Der Anlagemarkt hat grüne Immobilienfonds bisher eher links liegen gelassen.
Der Anlagemarkt hat grüne Immobilienfonds bisher eher links liegen gelassen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Dass nachhaltige Investments bei Anlegern immer beliebter werden, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Laut dem aktuellen Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) stieg das Marktvolumen allein in Österreich im Vorjahr um 33 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro an. In ganz Europa waren Ende 2014 nach Angaben von Catella Research nicht weniger als 5,2 Billionen Euro in nachhaltige Anlageprodukte investiert. Im Vergleich dazu ist das in nachhaltige Immobilienfonds investierte Volumen mit 495 Millionen Euro bestenfalls marginal.

Worauf ist das zurückzuführen? Für Thomas Beyerle, Chefanalyst bei Catella Research, liegt dies am überschaubaren Angebot an nachhaltigen beziehungsweise zertifizierten Gebäuden – auch weil in erster Linie neue Liegenschaften und nicht refurbishte im Fokus der Investoren stehen. „Daher ist es kein Zufall, dass es derzeit nur vier einschlägige Fonds gibt, ein fünfter soll immerhin demnächst aufgelegt werden“, meint der Experte.

Unterschiedliche Zertifizierungen

Auch Susanne Hasenhüttl, wissenschaftliche Projektleiterin Grünes Investment bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (Ögut), führt das Schattendasein nachhaltiger Immobilienfonds darauf zurück, dass es nicht genügend geeignete Objekte gibt. „Eine Rolle könnten in diesem Zusammenhang aber auch die unterschiedlichen Bewertungssysteme spielen“, so die Expertin mit Verweis auf die vielen internationalen Zertifizierungen, die sich von den Ansprüchen her teilweise stark unterscheiden. Das Fehlen einheitlicher Standards bei der Bewertung und Zertifizierung von Gebäuden betrachtet auch Beyerle als Problem, „wobei es zusätzlich weder ein allgemeingültiges Gütesiegel für nachhaltige Immobilienfonds noch eine Benchmark für einen Peer-Group-Vergleich gibt.“ Letzteres, meint er, sei eine unabdingbare Voraussetzung dafür, um den Wettbewerb unter den Anbietern zu entfachen.

Hasenhüttl verwundert das nicht: „Ich habe den Eindruck, dass sich zwar viele Experten mit nachhaltigem Bauen und auch viele mit einschlägigen Zertifizierungen beschäftigen, in der Finanzwelt scheint sich dagegen kaum einer mit nachhaltigen Immobilienfonds auseinanderzusetzen.“ Dabei wäre das Investoreninteresse durchaus vorhanden, meint sie: „Ich weiß aus Gesprächen mit heimischen Vorsorgekassen, dass sie sich durchaus für solche Produkte interessieren und gemäß ihren Veranlagungskriterien bis zu zehn Prozent in die Assetklasse investieren könnten. Mangels eines entsprechenden Angebots wird diese Quote aber nicht ausgenutzt.“ Als Beleg führt sie ihre Erfahrungen im Rahmen ihrer Prüfungstätigkeit – die Ögut zertifiziert acht von insgesamt zehn heimischen Vorsorgekassen hinsichtlich der Einhaltung nachhaltiger Kriterien im Rahmen ihrer Veranlagungen –an. Dabei sei sie, berichtet sie, in den Portfolios der heimischen Vorsorgekassen immer wieder auf offene Immobilienfonds gestoßen. „Allerdings handelte es sich dabei lediglich um konventionelle Produkte.“

Investitionsvolumen legt zu

Doch das könnte sich ändern. Beyerle etwa ist trotz der derzeitigen Ausgangslage guter Dinge, dass es bereits in den kommenden drei Quartalen zu positiven Entwicklungen kommen werde. „Seit Jänner sehen wir ein verstärktes Interesse bestimmter Investorengruppen – von Pensionskassen, Kirchen und Versicherungen“, sagt er. Basierend auf deren Aussagen rechnet er damit, dass sich bis Mitte 2016 das Investitionsvolumen durch neu aufgelegte, nachhaltige Immobilienfonds in Europa auf 850 Millionen Euro erhöhen wird. Das liegt möglicherweise auch daran, dass sich der Immobilienmarkt langsam seinem Peak nähert. „Der ökonomische Mehrwert solcher Objekte“, betont Beyerle,„wird aber oft gerade in Abschwungsphasen sichtbar.“

 

INFO

Zu den wenigen Nachhaltigkeitsfonds im Immobilienbereich gehören der 2009 aufgelegte CS Real Estate Fund Green Property der Credit Suisse Sarasin Sustainable Properties – European Citiesder Catella Real Estate AG (2011) Immo Wert der AXA Investment ManagersDeutschland GmbH (2012) und der Raiffeisen Futura Immo Fonds der Balfidor Fondsleitung AG, Basel (2014).


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2015)

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