Stilfigur: Daybed

Die Liegewiesen draußen lassen uns im Stich. Besser gesagt: das Wetter lässt die Liegewiesen im Stich.

(c) Beigestellt

Sattgrün sind sie, dafür aber auch patschnass. So muss man sich selbst wieder im Inneren etwas mit den Mitteln des Designs beweisen. Nämlich, dass Liegewiesen ja gar kein Gras brauchen und Liegeinseln keinen Sand. Man breitet einfach ein paar schöne Möbelentwürfe zu Hause aus. Zum Glück haben es auch die Hersteller begriffen: Horizontale Flächen sind keine Nutzflächen, die nur im Dunkeln funktionieren. So verheißungsvoll wie „Daybed“ muss man als Möbeltypologie erst einmal klingen (siehe Bild: „Suita“ von Vitra) Dabei klingt das noch ein bisschen zu sehr angezogen, zumindest zu formell angezogen. Aber selbst das Bett, das automatisch ein Pyjama-Feder-Weichheits-Universum im Hirn triggert, wagt immer öfter den Schritt ans Tageslicht.

Manchmal sogar in Räume, die „Schlaf“ gar nicht mehr im Namen tragen. Das Bett wird Wohnfläche. Alles, was man auf dem Boden, Sofa, Tisch kann, kann man nun auch auf der Matratze tun, legitimiert von den Wohnkonzepten internationaler Designer. Hauptsache, das Bett ist schön genug, dass man es auch seinen Gästen im Wohnzimmer ästhetisch anvertrauen will. Das Bett ist das neue Sofa. Es rückt von der Wand in den Raum. Und spricht so stumm gleich noch mehr Einladungen aus, die Tagesfreizeit im Liegen zu verbringen, beim An-die-Decke-Starren. Und spüren, wie eine zarte Anmutung von Langeweile aufkommt, ein längst verlorenes Gefühl, das man fern noch von den elendslangen Sommerferien kannte.

 

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