Stilfigur: „personal space“

Der Abstandhalter in der Großstadt ist der Ellbogen, findet Design-Redakteur Norbert Philipp.

(c) Beigestellt

Und eine unsichtbare Blase, die sich nur in vollen U-Bahnen und auf Rockkonzerten knautschen lässt wie ein Polster: der „personal space“, den man vor sich herträgt. Überlappungen unerwünscht. Weil sie Stress erzeugen. Leider ist der Mensch mit seinen diversen Blasen längst durcheinandergekommen. Weil er noch etwas anderes vor sich herträgt, auf seinem Smartphone im virtuellen Raum: die Google-Blase, in der er sich allmählich in seinem eingeschränkten Suchuniversum verstrudelt (Buchtipp: The Filter Bubble von Eli Pariser). Wo die persönliche Blase des anderen anfängt, spüren die meisten dann gar nicht mehr. Auch die ÖBB bewies großes Gespür, vor allem dafür, wie groß Menschen sind und wie lang ihre Beine.

Sie glaubte, weil die Städte dichter werden, müssen es auch die neuen Regionalverkehrszüge werden. Der „Cityjet“ geriet also auch in punkto Sitzabstand ziemlich zum „Jet“: 80 Zentimeter. Manche Economy-Class ist großzügiger. Die eigene Nasenspitze stichelt so unweigerlich in der Blase des Vordermanns herum. Man hätte durchaus jemanden vorher fragen können, der sich mit so Sachen auskennt (oder zumindest nachlesen bei Edward T. Hall „Hidden Dimension“). Jetzt besinnt sich die ÖBB auf ihre „strategische Ambition, Bahnfahren mit dem Regionalverkehr zu einem Teil des modernen Lebensstils“ zu machen, so der Konzernsprecher. Und rüstet nach. Und rüstet um. Sieben Zentimeter mehr. Geschenkt. Ab Oktober.

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