Snøhetta: Kraft der Orte

Das norwegische Architekturbüro Snøhetta legt im Tiroler Architekturzentrum seine Entwurfshaltung dar.

Schauspiel. Ein Rentier-Beobachtungspavillon in Dovre, Norwegen.
Schauspiel. Ein Rentier-Beobachtungspavillon in Dovre, Norwegen.
Schauspiel. Ein Rentier-Beobachtungspavillon in Dovre, Norwegen. – (c) Beigestellt

Fremdwahrnehmung und Selbstdarstellung. Diese klaffen oft auch in der Architektur weit auseinander. Bei Snøhetta, dem global erfolgreichen Büro aus Oslo, allerdings nickt der Kopf unweigerlich mit, wenn man seine Aussagen über sich selbst liest: „Unsere Projekte sind eher Beispiele unserer Haltungen als Designs.“ Und eher „assoziativ“ als symbolisch. Ja, Snøhetta schafft Architektur. Aber immer auch ein wenig mehr als das, eine Landschaft, die auch mal ein Dach über sich haben kann statt einem Himmel.

...Landschaftsbau. Das Centre International d’Art Parietal in Montignac, Frankreich.
...Landschaftsbau. Das Centre International d’Art Parietal in Montignac, Frankreich.
...Landschaftsbau. Das Centre International d’Art Parietal in Montignac, Frankreich. – (c) Beigestellt

In der Ausstellung „snøhetta: relations“ im Tiroler Architekturzentrum in Innsbruck aut sind die Räume nicht nur Hülle für die Werkschau, sondern auch selbst zum Anschauungsobjekt der Haltung geworden. Durch die Umgestaltung der Ausstellungsräume sollte der ganzheitliche Ansatz der norwegischen Architekten greif- und spürbar werden. Die beiden oberen Räume wurden zur „sozialen Landschaft“. Dort kann man liegen, sitzen, gehen. Räume, die nun offen gewidmet sind, nicht nur dem Interessiert-auf-Exponate-Schauen. Die eigene Raumwahrnehmung zu hinterfragen, dazu will die Ausstellungsgestaltung vor allem animieren. Gleichzeitig kann man auch eintauchen in das Netzwerk der interdisziplinären Beziehungen, die Snøhetta gerne für ihre internationalen Projekte aufspannt. Das Opernhaus in Oslo war eines der am meisten beachteten. Auch deshalb, weil es den öffentlichen Raum genial mit dem Bauwerk verknüpfte: Das Dach wurde Teil davon, es ist begehbar. Dafür erhielt Snøhetta den Mies van der Rohe Award. Zuvor hatte sich das Architekturbüro mit dem Bau der Bibliothek von Alexandria schon einen Namen gemacht. Auch Projekte wie der Eingangspavillon für das National September 11 Memorial and Museum, die Neugestaltung des Times Square in New York sowie die Erweiterung des Kunstmuseums SFMOMA in San Francisco gehören zu ihrem Portfolio.

Ausstellungsarchitektur. Im aut in Innsbruck bildet sich die Haltung Snøhettas ab.
Ausstellungsarchitektur. Im aut in Innsbruck bildet sich die Haltung Snøhettas ab.
Ausstellungsarchitektur. Im aut in Innsbruck bildet sich die Haltung Snøhettas ab. – (c) Beigestellt

Blickwinkel. Heute hat Snøhetta 180 Mitarbeiter, die sich auf Standorte in Oslo, New York, San Francisco und Innsbruck verteilen. Architektur, Landschaftsgestaltung, Interior- und Brand-Design versteht das Büro als seine Aufgaben. Vor allem der interdisziplinäre Ansatz gehört zur DNA des gestalterischen Zugangs: Den Anspruch, Wissen, Ideen und Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Bereichen in den Entstehungsprozess der Projekte hineinzusaugen, dabei verschiedenste Blickwinkel zu verknoten und auch so weit reichen zu lassen, dass sie sogar mal die Philosophie, mal die Soziologie tangieren können. Die Klammer aller Projekte ist die Landschaft: Architektur als gebaute Landschaft zu verstehen, mit der man auch gesellschaftspolitische Statements architektonisch formulieren kann.

Tipp

snøhetta: relations. Die Ausstellung im Innsbrucker aut läuft noch bis 7. 10. 2017.
https://aut.cc

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