Stilfigur: Schöne Dinge

Vor lauter schön: Man weiß ja gar nicht mehr richtig, wie man „schirch“ schreibt.

(c) Beigestellt

Oder „schiach“. Das passiert, wenn man sich hauptsächlich mit den schönen Dingen beschäftigt. Dabei ist die gestalterische Ausgangslage des Menschen manchmal doch recht schiach. Zumindest wenn es die Menschen selbst verantworten (Siehe Stadtperipherie. Siehe Wohnhausanlage). Wenn es nicht gerade der „Universal Designer“ à la Schöpfung erledigt hat, indem er Bäume, Wasser, Berge anmutig verteilt hat auf dem Planeten. „Schiach“ ist scheinbar für alle gut genug. „Schön“ dagegen ist exklusiv. Für alle, die sich’s leisten können. Wie gemein. Fand auch schon der Architekt Josef Frank. Der sagte: „Schönheit ist für alle.“

Und Reste dieser Ansicht zeigen sich sogar noch in Wien. Unter der Stadtbahn-Brücke Otto Wagners durchgehen. Kostet nix. Am Lüftungsrohr im grandiosen Kassensaal in der Postsparkasse stehen, das ist bald zu schön, um für alle wahr zu sein. Diese Schönheit muss man sich erkaufen, so will es der Besitzer. Wenn er nicht doch dort ein Architekturmuseum einrichten lässt. So wie es der Eigentümer eines Josef-Frank Juwels in Hietzing vorzuhaben scheint. Die Villa Beer soll zum Museum werden, hört man. Für alle. So wie es Josef Frank wohl gewollt hätte.

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