Stilfigur: In die Röhren schauen

Beim Thema Tunnel, da schalten die Gestalter plötzlich auf Tunnelblick.

(c) Beigestellt

Auf eingeschränktes Wahrnehmungsfeld. Einen Blick für den Tunnel haben nur ganz wenige Designer, auch weil nur ganz wenige höchst erhabene Leitstellen von Mobilitätsunternehmen die Gestalter in die Röhren schauen lassen. Eher noch in jene, durch die sich Menschen, die zur Arbeit müssen, in gestresster Schrittgeschwindigkeit bewegen. Die Röhren, durch die U-Bahn-Wagen je nach Störungslage zuckeln oder flitzen, wären ideale Grottenbahnen für alle. Vom Reumannplatz bis zur Donauinsel könnte man locker die Geschichte der Ersten Republik erzählen.

Kabarettist Josef Hader hatte in einem seiner ersten Programme recht wilde Fantasien: Er spülte sich selbst das Klo hinunter und flutschte durch die Abflussrohre. Das Schöne dabei: In Haders Fantasie waren die Innenwände der Rohre von Friedensreich Hundertwasser ausgemalt. Eine ästhetisch wertvollere Reise jedenfalls als die U3 in Wien entlang. Selbst S-Bahn-Fahren, meist über der Erde, hilft nichts gegen ästhetische Aussichtslosigkeit. Seitdem die neuen Garnituren die Perspektive aus den Fenstern ein wenig tiefergelegt haben, ist es doppelt bitter, wenn man das Handy zu Hause vergessen hat. Dann muss man auf die Lärmschutzwände starren. Barrierefreiheit, bitte mehr davon und überall! Aber das könnte (wenn man das Wichtige erledigt hat) auch für die Aussicht gelten.

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