Otto Wagner: Großmeister der Großstadt

Weltstadt, Hauptstadt, Kaiserstadt. Egal, Wien ist Wagner-Stadt. Und im Jubiläumsjahr gibt sie sich alle Mühe, um das zu unterstreichen.

Otto Wagner Pavillon Karlsplatz
Otto Wagner Pavillon Karlsplatz
Otto Wagner Pavillon Karlsplatz – Imago

Wenn schon allgegenwärtig, dann auch omnipräsent. Was Mozart im zeitlichen Rahmen der Ewigkeit passiert ist, dauert für Otto Wagner zumindest ein Jahr. Denn sein Todestag jährt sich zum 100. Mal. Da ziehen gleich mehrere kulturelle Institutionen in Wien ihre Schätze und ihre Expertise hervor, um sie in Form von Ausstellungen ausführlich und anschaulich darzulegen. Im Wien-Museum, im Hofmobiliendepot und ab Ende Mai auch im MAK: Der "Vater der Moderne" bekommt die Aufmerksamkeit, die Omnipräsenz, die er verdient. Denn in Vergessenheit geraten ist seine Leistung und Relevanz ein paar Jahrzehnte lang ohnehin von selbst.

Und in den 1960er- und 1970er-Jahren hat man am kollektiven Gedächtnis der Stadt auch schon recht kräftig herumradiert, vor allem entlang der Routen, die Wagner als Verkehrsinfrastruktur in die Stadt gelegt hat: so einige Stadtbahnstationen wurden da abgerissen. Doch tief genug haben sich die Entwürfe und Pläne Otto Wagners trotzdem in der Struktur, im Stadtbild und in der Seele Wiens verewigt: Wien und Wagner, ein untrennbares Begriffspaar.

Umgebaut: Das Stadtmuseum am Karlsplatz
Umgebaut: Das Stadtmuseum am Karlsplatz
Umgebaut: Das Stadtmuseum am Karlsplatz – Wien Museum (Kainz Peter)

Entlang der Schienen der Stadtbahn ist Wien Ende des 19. Jahrhunderts in ein neues Zeitalter gerast. Und ganz vorn als Pilot und Pionier ist auch Otto Wagner gesessen. Wagners Haltung war stets optimistisch der Zukunft zugewandt, aufgeschlossen gegenüber den modernen Bautechnologien. Und heute noch konfigurieren die Trassen der Stadtbahn den Nukleus der Massenverkehrsmittel Wiens. Genauso, wie das Grün der gusseisernen Geländer entlang der Schienen heute zum Farbspektrum der Stadt gehört wie das Gelb des Schlosses Schönbrunn.

Und obwohl so viele seiner Pläne außer in den Archiven keinen Platz im Stadtraum gefunden haben, hat Wien Wagners Visionen tief in seiner Seele absorbiert. "Der letzte große Architekt des 19. Jahrhunderts, der erste große Architekt des 20.Jahrhunderts", so beschreiben ihn etwa die Kuratoren Andreas Nierhaus und Eva-Maria Orosz im Katalog zur "Otto Wagner"-Ausstellung im Wien Museum (noch bis 7. Oktober).

Porträt von Wagner, 1896
Porträt von Wagner, 1896
Porträt von Wagner, 1896 – Wien Museum (Kainz Peter)

Gesamtkunstwerk

Vor allem die Möbel Otto Wagners stehen in der öffentlichen Wahrnehmung eher im Augenwinkel als im Fokus. Schließlich entstanden sie als Teil von Wagners gesamtheitlichem Zugang, der Architektur gestalterisch bis zu den Details der Lüftungsauslässe hinunterdekliniert. Wie etwa auch in Wagners Hauptwerk, der Postsparkasse. Ein paar Möbel, die Wagner für dieses Projekt entwarf, sind jetzt auch im Hofmobiliendepot zu sehen. Gemeinsam mit anderen Objekten etwa aus der Villa in der Wiener Hüttelbergstraße. Und sogar ganzen Zimmereinrichtungen. Die Ausstellung "Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne" (bis 7. Oktober) spürt einer Ära nach, in der das Möbeldesign noch ein Experimentierfeld der Baukünstler war.

Tipps

"Otto Wagner". Die Ausstellung im Wien- Museum, kuratiert von Andreas Nierhaus und Eva-Maria Orosz, läuft noch bis 7. Oktober.

"Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne" ist bis 7.Oktober im Hofmobiliendepot zu sehen.

"Post Otto Wagner. Von der Postsparkasse zur Postmoderne" zeigt das MAK vom 30.Mai bis 30. September.

 

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