Weihnachtsbeleuchtung: Funkel, funkel, Kolibri

Auch Georg Oehler formt Weihnachten. Mit glitzernden Ideen, von Kometen bis Origami-Vögel, die aus Innsbruck in die Welt strahlen.

(c) MK Illumination

Still, das wäre auch so ein Attribut, das man früher für Weihnachten vorgesehen hätte. Aber visuell schaltet die Welt gerade jetzt einen Gang lauter. Gern auch mit einem Netz aus Lichtern, Lichtfiguren und -skulpturen, die nicht nur Hausfassaden, Einkaufsstraßen und ganze Stadtmarketingstrategien überspannen. Sondern – wie es ziemlich deutlich in die Augen funkelt – den ganzen Globus. Obwohl: Die Dunkelheit ist auch nicht ganz gleichmäßig verteilt auf dem Planeten. Genauso wenig wie die kulturelle Präferenz für Rentier oder Kolibri. Trotzdem hat das Funkeln und Glänzen so etwas wie eine Welthauptstadt: Innsbruck. Hier sitzt der größte Hersteller von Weihnachtsbeleuchtung der Welt – MK Illumination. Und dieses Unternehmen sorgt dafür, dass alle das kriegen, was sie visuell und lichttechnisch wünschen. Das Einkaufszentrum in Dubai genauso wie die Kleinstadt in Thüringen. Egal, ob da der konservative Komet, der traditionelle Tannenbaum oder doch das innovative Iglu auf der Weihnachtswunschliste steht.

Jedenfalls glänzt Weihnachten nach Maßgabe des Marketingkonzepts. Und während überall die Menschen vorgefertigte Formen in den Teig drücken, formt der Tiroler Designer Georg Oehler mit MK Illumination das visuelle Erlebnis Weihnachten mit. Oehler streut auf die Beleuchtungsprojekte seine Ideen wie andere den Vanillezucker auf Keks. Damit sich die Welt, überall auf ihre Weise, einschwingt auf jene Stimmung, die man sich halt so vorstellt zwischen Dubai, Japan und Südafrika.

Lichtpunkte: Visuelle Weihnachten: Glitzernde Ideen

Kollektiv, interaktiv. Wenn Tausende Lichtpunkte die Netzhaut kitzeln, dann sind sie Teil einer Erzählung. Aber auch eines archaischen Erlebnisses: „Es ist wie eine körperliche Erfahrung, die bestimmte Emotionen triggert", sagt Oehler. Wenn die Lichtreize kurz nach der Netzhaut in Stimmung umschlagen. Auch das verbindet die Menschen rund um den Globus. Global heißt aber für Oehler vor allem: ziemlich viele Flugkilometer pro Jahr. Wie letzte Woche nach Shanghai. Dort wollte ein Shopping District, so etwas wie eine künstliche Stadtstruktur aus Straßen, die gemanagt sind wie ein Einkaufszentrum, feierlich die Schalter umlegen. Und dazu eine dreiminütige Wortspende des Designers. „Den Kern bildet dort etwa ein Baum mit Origami-Vögeln." Und so ganz still und starr wie der See sollte er dann auch nicht dastehen. „Es ist vielmehr eine kollektive Interaktion. Je mehr Menschen sich ihm nähern, desto aktiver wird der Baum", erzählt Oehler. Schließlich wird der Weihnachtsbeleuchtung heute viel mehr abverlangt, als friedlich vor sich hinzuhängen an den Fassaden. So wie sich die Sehgewohnheiten eben ändern, meint Oehler. Nur stillstehen, das wäre eine Spur zu statisch. Die Bilder, die man sich von Weihnachten macht, geraten in Bewegung. „Im Kundenbriefing wird fast immer irgendwas mit ‚Wow‘ verlangt". Überwältigend, bitteschön, das wäre auch fein. So als Eindruck. „Dabei erreicht man auch bei Lichtstimuli und Bildern natürlich schnell eine Sättigung." Deswegen suchen sich Oehler und MK Illumination neben den Trampelpfaden auch neue Wege ins Wow-Zentrum des weihnachtlichen Konsumenten-hirns. „Ich denke, dass der Trend in Richtung Interaktivität und Immersion geht, das heißt, dass man ganz in die Situation hineingezogen wird, um kollektive emotionale Erlebnisse zu erzeugen." Und irgendwann, so Oehler, könnte es auch so weit sein, dass die Beleuchtung nicht nur auf die Präsenz der Menschen reagiert, sondern auch auf ihre Emotionen.

Lichtsignale. Von Innsbruck aus, der Zentrale von MK Illumination, leuchten die Lichtideen für Weihnachten in die weite Welt hinaus. Von 300 Mitarbeitern ist das Unternehmen in den letzten Jahren auf über 1000 gewachsen. Und mit so einigen von ihnen hat auch Oehler, als Creative Director, regelmäßig Kontakt. Wie ein Lichtervorhang verzweigt sich ein „Netzwerk aus kreativen Köpfen", wie Oehler sagt, von Dubai über die USA bis nach Südafrika. Um vor Ort das weihnachtliche Straßenbild mitzuzeichnen. In manchen Städten oder Straßenzügen seien die traditionellen Motive besser aufgehoben, in anderen eher die innovativen, solange sie dem fast obligatorischen „Cuteness"-Faktor genügen. „Weihnachten ist generell keine innovationsoffene Zeit." Viele sehen lieber vertraute Kometen am Himmel als visionäre Bilder. „Vor allem der zentraleuropäische Markt zählt zu den konservativsten." Kaltes Weiß für das „Gefrorene", warmes Weiß fürs „Heimelige", viel mehr brauchen manche nicht aus dem Angebot von Millionen Farben der LED-Technik. Doch manchmal stupsen Oehler und sein Team auch ein wenig zur Einsicht an, dass man gar nicht so konservativ ist, wie man glaubte. So geschehen in Barmen bei Wuppertal. „Als unsere Techniker alles aufgebaut hatten und die Verantwortlichen alle möglichen Farbverläufe sahen, wollten sie nichts anderes mehr."

Weihnachten schwappt längst in die Herbstmonate vo­raus. Und auch das Know-how von MK Illumination in andere Saisonen und Welten. In denen dürfen auch mal Drachen oder Skelette wohnen, in Vergnügungsparks etwa, in Form von leuchtenden Fiberglas-Objekten. „Wir bewegen uns hinaus aus der Weihnachtszeit in Richtung Urban-Entertainment-Beleuchtung." Und Weihnachten fängt ohnehin gleich nach Weihnachten an für Oehler. Mit der „Leitmesse für saisonale Dekoration und Festschmuck", der Christmas World in Frankreich. Im Jänner sei der beste Zeitpunkt, „um neue Impulse zu setzen". Und auch schon mal funkelnde Kolibris in Richtung Weihnachtszeit vorauszuschicken.

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