Hübsche Dinge machen, das ist zu wenig

Letzte Woche sprach James Skone vor versammeltem Publikum über Gestaltung als Lebensprinzip.

Die Veranstaltung, bei der James Skone vergangene Woche vor dem Forum EPU der WKW gesprochen hat, titelte vielversprechend: „Gestaltung als Lebensprinzip“, das klingt sehr schön. Und idealistisch. Gut so, findet wahrscheinlich der Vortragende. Allerdings weiß Herr Skone als Vorstand des Instituts für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung an der Universität für Angewandte Kunst auch genau, wie der Spagat zwischen Idealismus, Kreativität und erfolgreich bewältigtem Berufsalltag zu meistern ist. Er selbst, gebürtiger Brite, studierte Interior Design im London der Sechzigerjahre, ehe er auf Industrial Design umsattelte – und sich allmählich in die Lehre vorhantelte. „In die Lehre bin ich gegangen, weil ich seit Längerem immer wieder Veranstaltungen geleitet habe und mir das gefallen hat. Als Kreativer ist man übrigens auch darauf angewiesen, sein Gegenüber zu motivieren“, so Skone.

Der wesentliche Punkt seiner Ausführungen ist ohnehin, dass Kreative einerseits nach Synergien mit ihrer eigenen Persönlichkeit suchen sollten, andererseits über den Tellerrand des reinen Gestaltens hinausblicken. Auch James Skone selbst konnte sich als Designer einen Namen machen, weil er in der Kletter- und Free-Climbing-Szene der späten Siebziger umtriebig war. „Damals war ich einer der Trendsetter in Österreich und habe auf gefrorenen Wasserfällen zu klettern begonnen. Und dann habe ich erkannt, dass auch diese Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Gegebenheiten eine Art Designprozess ist, weil ich etwas Neues schaffe.“ Aus der Verbundenheit mit der Kletterszene entwickelte sich das Bedürfnis, adäquate Produkte zu entwickeln, die durch Qualität und Gestaltung überzeugen würden.

So fällt sein Ratschlag deutlich aus: „Nur hübsche Dinge zu gestalten, das ist zu wenig. Jeder braucht ein Gebiet, wo er extrem sattelfest ist. Sinnvollerweise sollte man noch während der Ausbildung Zeit und Energie investieren, um das eigene Profil in eine bestimmte Richtung zu schärfen.“ Und auch die Auseinandersetzung mit Wissenstransfer, wenn sinnvoll betrieben, könne aus dem rein pädagogischen Bereich zu einer Unternehmensidee führen. Skone verweist auf das Designmobil, das aktuell im Rahmen des Festivals der Bezirke durch Wien tourt– die Idee dazu entstand an seinem Institut. Lernfähigkeit ist schließlich auch ein ganz gutes Lebensprinzip.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2011)

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