Schaulaufen im Watt

Ferienimmobilien. Die deutschen Küsten und Inseln erleben ein Revival. Das Interesse am rauen Charme des Nordens treibt die Preise. von Erich Ebenkofler

Es werden immer mehr, die dem eigenen Charme der deutschen Küstenregionen verfallen – dem raueren Klima, dem Wattenmeer, dem Dünengras oder der typische Architektur mit ihren Reetdachhäusern. So wie die zahlreichen Prominenten, von Thomas Gottschalk über Dieter Bohlen bis Udo Lindenberg, Johannes B. Kerner oder Günter Jauch, die sich hier – besonders aber auf der Nordseeinsel Sylt – alljährlich im Sommer ein Schaulaufen liefern.


Villa mit Meerblick

Wer sich dort ein Ferienhaus leisten will, muss einiges auf den Tisch legen. Quadratmeterpreise von 10.000 Euro sind auf der exklusiven Nordseeinsel keine Seltenheit, „bei Luxusobjekten in Toplage liegen sie sogar deutlich darüber“, sagt Kai Enders, Vorstand für Wohnimmobilien beim Maklerhaus Engel & Völkers. Im Inselort Kampen wechseln Villen mit freiem Seeblick nach Angaben des Luxusimmobilienmaklers Dahler &Company manchmal sogar für 20Millionen Euro den Besitzer. Aber auch andere Nordseeinseln wie etwa Föhr gelten als Topstandorte. Allerdings beschränkt sich das Interesse hier auf den Südstrand um den Ort Wyk, wo die Fähren anlegen und sich das Gros der in Strandnähe befindlichen Ferienimmobilien konzentriert.

Mit Quadratmeterpreisen um die 10.000Euro muss man bei Toplagen auf Norderney rechnen, wobei das der Küstenregion um Wilhelmshafen vorgelagerte Eiland nicht nur von einer umfangreichen touristischen Infrastruktur profitiert, sondern auch von einer nahezu ganzjährigen Saison. Letzteres sollte bei Kaufüberlegungen durchaus eine Rolle spielen, meint Enders mit Verweis auf eine aktuelle Marktanalyse der Online-Ferienhausvermietung HomeAway FeWo und Engel & Völkers. Demnach ziehen mehr als 40Prozent der deutschen Ferienhausbesitzer auch eine Vermietung ihrer Immobilie als zusätzliche Einkommensquelle in Betracht. „Gute Objekte in Toplagen sind zwar teuer, aber das ganze Jahr über deutlich besser ausgelastet. Außerdem sind mittelfristig betrachtet hier die Wertzuwächse am höchsten“, so der Experte.

Grund zur Beschwerde hatten solche Besitzer in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht. Während die Finanzkrise nämlich die Preise für Ferienimmobilien in Spanien, Griechenland oder Italien auf Talfahrt geschickt hat, verzeichnen die Experten für die Nord- und Ostseeregion Deutschlands Preissteigerungen von zehn Prozent und mehr. „Inflations- und Krisenängste und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben in den letzten Jahren zu einer verstärkten Nachfrage nach solchen Objekten geführt. Auch jetzt noch verzeichnen wir sehr schnelle Verkäufe“, berichtet Peter Georg Wagner, Sprecher des Immobilienverbandes Deutschland Region Nord (IVD).


Infrastruktur punktet

Das gilt im Besonderen für die Ostseeregion, die aufgrund des ruhigeren Meeres generell eine bessere Infrastruktur in Strandnähe aufweist. An erster Stelle zu nennen ist hier wohl die Insel Rügen mit dem kaiserlichen Seebad Binz an der Ostküste. Besonders exklusiv präsentiert sich auch der Immobilienmarkt in den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin auf der Insel Usedom. Die Quadratmeterpreise für neu renovierte Ferienvillen in Toplage sind hier rund dreimal höher als für vergleichbare Objekte im Inneren der Insel. Als Grund nennt Enders nicht nur die gute Lage, sondern auch „den Charme der schönen Bäderarchitektur, die in der DDR sehr gut konserviert wurde“.

Hochpreisige Gegenden findet man auf der Ostseehalbinsel Fischland-Darß oder am Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht, wo man für Ferienvillen ab 125Quadratmetern „mit Preisen um die 700.000 Euro rechnen muss“, so Wagner. Als preiswertere Ausweichmöglichkeiten nennt er Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig Holstein.
www.engelvoelkers.com
www.dahlercompany.de
www..ivd-nord.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2011)

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