Die Architektur von MVRDV: Vokabular des Glücks

Eine Ausstellung im Innsbrucker aut decodiert die Architektursprache eines der einflussreichsten Architekturbüros der Gegenwart.

Die Markthalle in Rotterdam
Die Markthalle in Rotterdam
Die Markthalle in Rotterdam – Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Glückliche Plätze zu schaffen. Auch das kann man sich vornehmen, wenn man ein Architekturbüro ist. Besonders viele haben sich das bislang nicht explizit auf die Agenda geschrieben. Doch eines schon: MVRDV aus den Niederlanden. Eines der aktuellen Architekturbüros, die ihre Ideen in die gebaute Gegenwart setzen, teils mit einer Selbstverständlichkeit, einer Lässigkeit könnte man auch fast sagen, als wäre es so naheliegend, den Entwurf genau so zu machen und nicht anders. Konzepte, die sich fast von selbst erklären. Und wenn man sie doch nicht auf Anhieb versteht, dann erklärt der Mitgründer Winy Maas, was dahintersteckt, in seinen raren Interviews. Und was man dann zu hören kriegt, klingt stets ziemlich schlüssig. Rotterdam ist die Heimat von MVRDV. Inzwischen haben sie auch Büros in Paris und Shangai. Wundert nicht, wenn man bislang in 47 Ländern Projekte realisiert hat. In Innsbruck führen und finden jetzt über den Sommer ein paar Fäden des Werks und andere Zusammenhänge der Architektur zusammen, in einer Ausstellung im Innsbrucker aut. Architektur und tirol. „architecture speaks: the language of MVRDV“ heißt sie. Und sie greift schon im Titel auf, dass Zeichen setzen auch zu den architektonischen Grundaufgaben gehört. Die besten Architekturbüros stricken daraus fast eine ganze Grammatik.

Mit genau diesem Lebenswerk haben Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries schon 1993 begonnen. Bei der Gründung ihres Büros. Seitdem scheuen sie sich gemeinsam nicht vor Experimenten und davor, auch mal einen Schritt zu weit zu gehen. In der Hoffnung, dass die Gesellschaft und die Städte irgendwann schon so reif und bereit sein werden, wie das Architekturbüro MVRDV schon längsts ist. In ihrem ersten Wohnbauporjekt „WoZoCo“ in Amsterdam kragt das Gebäude an den unterschiedlichsten Stellen frech aus, der Bauplatz war schlicht zu klein für die Vorstellungen des Bauherren. Auch den „Silodam“ setzen sie in Amsterdam ein paar Jahre später, 2003, ins Wasser – wie ein beladenes Containerschiff sieht es aus. Von sich reden machte auch das Projekt „Mirador“ in Madrid. Dabei haben die Architekten nämlich im Gebäude eine große Lücke gelassen. Gut für den ästhetischen Schwebezustand des Wohnbaus.

Doch um ein vielfaches mehr beachtet wurde ein jüngeres Projekt, das sich inzwischen die Stadt Rotterdam nicht nur auf die Fahnen heftet. Sondern überallhin, wo sie sich selbst bewirbt. Die Markthalle, die 2014 fertiggestellt wurde. Dabei überspannen 250 Wohnungen eine riesige Halle mit Markt- und Gastronomieständen. Während der Vorbereitung der Ausstellung „Architecture Speaks – The Language of MVRDV“ reflektierte das Büro selbst über seine Arbeit und seine Projekte, die auch in der Schau vorgestellt werden. In diesem Manifest schreiben Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries, die die Austellung kuratiert hat, wie sich die „Sprache“ des Büros entwickelt hat. Ein Vokabular sei da entstanden, mit dem es möglich wurde die Konzepte in Wort und Bild zu diskutieren. Und für die Ausstellung wurden Begriffe davon, die für den Designprozess relevant sind, in räumliche Strukturen übersetzt, in „Towers“, vier Stück sind es geworden, die den Vokabeln „stack“, „pixel“, „village“ und „activator“ zugeordnet sind. Die Ausstellung im aut in Innsbruck ist noch bis 28. 9. zu sehen.

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