Exotische Pracht für Gourmets

Die Passionsfrucht, auch als Maracuja bekannt, ist eine zähere Pflanze, als man annehmen sollte, doch wenn aus den Blüten keine Früchte entstehen, so erklären wir, warum.

Die Maracuja, eine Kletterpflanze aus Südamerika.
Die Maracuja, eine Kletterpflanze aus Südamerika.
Die Maracuja, eine Kletterpflanze aus Südamerika. – (c) Getty Images/500px Plus (Scott Ryan)

Die ungewöhnliche Hitze des Vorfrühlings hat die Gärtnerschaft mobilisiert. Hinaus, hinaus, lautet die Devise, ran an die Schaufeln. Allerorten tanzen Laubrechen und Gartenscheren, fahren die Scheibtruhen. Das traditionelle Frühlingskreuzweh nach diesen ersten Arbeitstagen im Freien wird sich legen, sobald die über die Wintermonate eingerosteten Leiber wieder stark und geschmeidig werden vom vielen Bücken und Erdewühlen. Machen Sie täglich ein paar ordentliche Liegestütze und Kniebeugen, und alles wird noch schneller gut.

Der Garten ist nicht zuletzt ein ausgezeichnetes Trainingsgerät im Großformat. Wer's nicht glaubt, ist herzlich eingeladen, einen meiner Komposthäufen umzusetzen, den gewonnenen Kompostschatz in die Scheibtruhe zu schaufeln und quer über das Areal in mein kleines Glashaus zu karren. Zumindest vier Fuhren sind erforderlich, damit die Krume fruchtbar wird und Kohlrabi und Co. demnächst wieder unter Glas sprießen können.

Das Vorbereiten des Glashauses ist eine der herrlichsten Betätigungen dieser frühen Saison. Zwar hat man als ordentlicher Mensch, wenn man denn ein solcher ist, die gröbsten Aufräumarbeiten bereits im späten Herbst erledigt und Großformatiges wie Tomatenstauden auf den Kompost befördert. Doch jetzt steht die vergleichsweise vergnügliche Feinarbeit an.

Letzte Pflanzenreste entfernen, das erfrorene Basilikum bedauern und ausgraben, die überwinterte Petersilie tränken, die Spinnweben wegbürsten, unter Umständen die vom Leitungswasser verkalkten und blind gewordenen Gläser mit Essigwasser polieren. Vor allem aber muss die über den Winter ausgetrocknete Erde aufbereitet werden. Idealerweise erfolgt das mit dem bereits erwähnten Kompost sowie mit vielen von der Regentonne herbeigeschleppten Kannen Gießwasser, da die Wasserleitung noch im Winterschlaf liegt, bis die Frostgefahr gebannt ist.

Im Zuge dieses Glashausputzes machte ich eine rührende und zugleich beschämende Entdeckung. In einer im Herbst sträflicherweise vergessenen Schale hatte tatsächlich eine Riege kleiner, strammer Pflanzen überwintert, was einem Wunder gleichkommt. Denn die Sämlinge stammen von einem im vergangenen Sommer unternommenen Experiment, und zwar aus den Samen einer Passionsfrucht.

Die Passiflora edulis, auch unter dem Namen Maracuja bekannt, ist eine südamerikanische Kletterpflanze. Sie wächst rasend schnell und kann bis zu 15 Meter lange Triebe entwickeln. Sie treibt atemberaubend schöne Blüten, die mit ihren feinen Strahlenkränzen und kräftigen Pistillen wie lila-weiße Unterwassergeschöpfe eines tropischen Meeres wirken. Daraus entwickeln sich säuerliche Beerenfrüchte.

Die Glashauspflänzchen hatten erstaunlicherweise den Frost genauso gut weggesteckt wie die Dürre. Sie wurden sofort vereinzelt, in gute Erde gebettet und auf die sonnige Fensterbank verfrachtet. Dort erholen sie sich gerade vom Übersiedelungsschock, und sobald der Mai ins Land gezogen ist, kommt ein Teil von ihnen in große Töpfe, der Rest wieder ins Glashaus, und zwar aus folgendem Grund:

Im Kalthaus überwinterte Pflanzen tragen, so die Fachliteratur, wesentlich mehr Früchte als in der Wärme der Wohnung verwöhnte Passionsfrucht-Gören. In milden Regionen können die Exotinnen sogar an wärmenden Hauswänden überwintern, wenn sie guten Winterschutz bekommen. Es gibt zwei Hauptsorten. Die Gelbe Maracuja, Passiflora edulis forma flavicarpa, ist die empfindlichere Variante, sie hat zudem den Nachteil, dass sie eine zweite Pflanze für die Bestäubung benötigt. Falls Sie also die längste Zeit vergeblich auf Früchte gehofft haben, so dürfte dies des Rätsels Lösung sein.

Die dunkellila Purpurgranadilla, Passiflora edulis forma edulis, ist nicht nur etwas weniger sauer, sie verträgt auch die Kälte besser und ist dazu in der Lage, sich selbst zu bestäuben. Doch auch sie trägt wesentlich besser, wenn ihr eine Partnerpflanze zur Seite steht. Die im Vorjahr gesäten Passionsfruchtpflänzchen stammten von einer solchen lilafarbenen Beere, doch damit es spannend bleibt, wurde nun auch eine Gelbe Maracuja halbiert und ihrer Innereien beraubt. Die froschlaichartigen Samen trieben innerhalb einer Woche aus, und wenn alles gut geht, wird in einem Jahr möglicherweise eine mächtige Passionsfruchternte eingefahren.

Wer die Pflanzen im Glashaus oder im Freien überwintern will, muss darauf achten, dass die Wurzelballen vor Frost sicher sind. Die oberirdischen Triebe können abfrieren, die Pflanzen werden rasch wieder austreiben und ab dem zweiten Jahr Blüten und etwa 90 Tage später Früchte spendieren.

Ausstellung Orchideen

Bereits zum zwölften Mal sind die Orangerie und der Garten des Stifts Klosterneuburg für zwei Wochen das Mekka der Orchideenliebhaber.

Die Internationale Orchideen-Ausstellung eröffnet am 9. März auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern und ist somit die größte ihrer Art in Österreich. Zitat: „Neben der Ausstellung in der im 19. Jahrhundert von Joseph Kornhäusel erbauten Orangerie gibt es im Ausstellungszelt individuelle Beratung, verschiedene Pflanzen, Zubehör und andere dekorative Accessoires rund um die Orchidee.“

Zu sehen ist die Schau bis 24. März, täglich von 9 bis 18 Uhr in Orangerie und Konventgarten. Eingang Niedermarkt, Hundskehle 10. Infos unter www.stift-klosterneuburg.at

Tauschtag Saatgut

Das beliebte Karussell des Samentauschens und -verschenkens beginnt sich auch heuer wieder zu drehen. Eine Gelegenheit bietet sich am 11. März in Wien beim Tüwi, Dänenstraße 4 im 19. Bezirk. Der Saatgut-Schenk- und -Tauschtag & Seedball-Workshop ist auch ein beliebter Treffpunkt für Grünfinger aller Art. Zitat: „Neben Saatgut für Gemüse, Kräuter, Bäume und anderes mehr können in gemütlicher Atmosphäre auch Wissen und Erfahrung über Anbau, Sorten, Verarbeitungsmöglichkeiten oder was euch sonst so einfällt getauscht oder geschenkt werden.“ Der Tauschmarkt startet um 16 Uhr und läuft bis 20 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2019)

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