Heilstoffe aus der Natur

Die pharmazeutische Industrie hat unbestritten ihre Meriten, doch gegen kleinere Wehwehchen sind diverse Kräuter gewachsen. Außerdem gibt es da noch die Propolis der Bienen.

Manche Köchinnen haben stets Aloe Vera bei der Hand – gegen etwaige Verbrennungen.
Manche Köchinnen haben stets Aloe Vera bei der Hand – gegen etwaige Verbrennungen.
Manche Köchinnen haben stets Aloe Vera bei der Hand – gegen etwaige Verbrennungen. – (c) Ute Woltron

Die Nachbarin atmet auf, die Schwarmzeit der Bienenvölker geht im späten Juni langsam dem Ende zu. Der Nachbar kann seine lange Leiter wieder in den Keller tragen und auch den Schwarmkasten bis zum nächsten Jahr verstauen. Das Herumklettern in den Baumwipfeln ist für heuer überstanden, jetzt kann geschleudert werden. Die ersten Honigkostproben sind verheißungsvoll, nun kommen die Propolisgitter in die Stöcke.

Wenn es jemals eine wunderbare Erfindung der Natur gab, so ist das diese klebrige, harzige Masse, mit der die Bienen alle Ritzen ihrer Behausung abdichten, um das Volk vor Infektionen und Pilzbefall zu schützen. Vor allem im Hochsommer und im Herbst sammeln sie die Harze verschiedener Bäume und verarbeiten sie mit Pollen, ätherischen Blütenölen, Wachs und Speichelsekret zu Propolis. „Pro Polis“ bedeutet „vor der Stadt“, und will das Bienenvolk in seinem engen, warmen und luftfeuchten Heim gesund über den Winter kommen, muss es jetzt kollektiv Vorsorge treffen, um das Nest von Keimen aller Art reinzuhalten.

Die Imker ihrerseits machen sich das seit ewigen Zeiten schon zunutze. Sie kratzen die Substanz entweder ab, oder sie legen feinmaschige Netze oder Gitter in die Stöcke, deren Zwischenräume von der Imme sofort mit dem kostbaren Kleber ausgekittet werden. Die solchermaßen gewonnene dunkle Harzmasse kann in Alkohol zu Tinkturen gelöst und zu Salben verarbeitet werden. Propolis hat nachweislich antibiotische, antivirale und fungizide Wirkung und ist tatsächlich eines der Naturheilmittel, die mitunter bessere Wirkung zeigen als manche Produkte der Pharmaindustrie.

Als besonders wirksam hat sich die von der Nachbarin hergestellte Propolistinktur in der hiesigen Imkerfamilie etwa gegen Fieberblasen, entzündete Mundwinkel und alle Entzündungen in Mund- und Rachenraum erwiesen. Ihre Propolissalbe heilt auch Wunden und Ekzeme. Einen wiederholt beeindruckenden Effekt hatte sie insbesondere auf diverse nicht heilen wollende Brandwunden, die sich mit der Propoliskur in Windeseile schlossen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, den nächsten Imker, oder probieren Sie es selbst aus.

Die Heilkräfte der Natur zu nutzen, steht dieser Tage ohnehin wieder hoch im Kurs, doch betritt man hier ein Gebiet, auf dem man sich auskennen sollte, bevor man experimentiert. Deshalb gibt es hier nur ein paar Tipps aus der Naturapotheke, die lang erprobt und für ausgezeichnet befunden wurden. Neben Propolis hat sich beispielsweise die ohnehin allseits bekannte Pflanze Aloe vera für die Behandlung kleinerer Brandwunden bewährt.


Aloe für die Haut. Verschiedene Köchinnen der Umgebung haben stets ihre Aloe-Pflanzen bereit, wenn sie sich am Backblech oder an Töpfen und an aufsteigendem Dampf verbrennen. In solchen Fällen brechen sie eines der dicken Blätter der robusten Pflanze ab und streichen das Gel sofort auf die verbrannte Haut. Auch soll das Gel Linderung bei Sonnenbrand und kleineren Wunden bringen und überhaupt ein Labsal für die Haut sein, doch das blieb bis dato unversucht, deshalb kann ich dazu nichts berichten.

Die dickblättrige, robuste Pflanze ist jedenfalls sehr leicht zu ziehen, sie wächst rasch, wenn sie hell bis vollsonnig steht und nicht zu viel gegossen wird. Im Winter kommt sie entweder in die Wohnung oder in den kühlen, frostfreien Keller. Vermehrt wird durch Teilung, was erst dann erforderlich ist, wenn Ableger verschenkt werden sollen oder die Pflanze den Topf zu sprengen droht.

Eine weitere erprobte Medizinpflanze ist das Schöllkraut. Die Pflanze wächst an jedem Wegrand und ist dank markanter Blätter und freundlich gelber Blüten leicht zu identifizieren. Wer nicht sicher ist, ob es sich tatsächlich um Schöllkraut handelt, bricht einfach ein Blatt aus der Rosette und betrachtet die Bruchstelle. Das Schöllkraut sondert einen gelben Milchsaft ab. Wer ein paar Dell- oder Alterswarzen loswerden will, bestreicht sie damit und wiederholt die Prozedur ein paar Mal über einige Tage hinweg. Manche mag es stören, dass der Saft auf der aufgetragenen Stelle die Haut braun färbt, aber da muss man eben durch.

Besonders bei Kindern, die aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems gern Dellwarzen bekommen, wirkt der Milchsaft der auch Warzenkraut genannten Pflanze hervorragend und erwies sich als wesentlich effizienter als die verschriebenen scharfen Substanzen des Arztes. Später, wenn dann einmal Alterswarzen auftreten, kommt das Kraut wieder zum Einsatz.

Lexikon

Propolis. Schon die Ägypter kannten die heilende, antibiotische Wirkung des Bienenkitts und verwendeten ihn unter anderem zur Einbalsamierung. Tinkturen und Salben wirken etwa bei Herpes oder Entzündungen im Mund.

Aloe Vera. Woher die Echte Aloe stammt, ist nicht ganz klar, doch wahrscheinlich liegt ihre ursprüngliche Heimat auf der Arabischen Halbinsel. Die Pflanze wächst schnell und treibt halbmeterlange dicke Blätter.

Schöllkraut. Bereits in den alten Heilkräuterbüchern wird das Chelidonium majus als Warzenmittel gepriesen. Sie wirkt gegen Dellwarzen und gegen Alterswarzen. Die hübsche Pflanze wird über einen halben Meter hoch und ist ein Stickstoffzeiger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2019)

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