Eine flauschig-zarte Zicke

Die Mimose kann ihr Pflegepersonal ebenso verzücken wie in Verzweiflung stürzen.

Mimosen reagieren außerordentlich empfindlich auf Veränderungen.
Mimosen reagieren außerordentlich empfindlich auf Veränderungen.
Mimosen reagieren außerordentlich empfindlich auf Veränderungen. – (c) Ute Woltron

Eine Mimose hat das Zeitliche gesegnet. Gerade einmal zwei Tage blieb sie unbetreut, die Schöne, und das war ihr zu viel. Oder eigentlich zu wenig, denn die Südamerikanerin war durstig, sie hätte nach Wasser verlangt, doch es war vorübergehend eben keiner da, der ihr in der Sekunde gehuldigt und sie gegossen hätte. Und ist eine Mimose einmal beleidigt, kann man erfahrungsgemäß nur mehr das Kreuz über ihr gesenktes Haupt schlagen.

Dabei ist die Pflanze eine Augenweide. Die sattgrünen Blättchen wirken wie feingliedrige Fingerchen, die zahlreichen Blüten sind flauschig zarte Angelegenheiten in pudrigem Rosa. Wer sie durchbringen will, ist gut beschäftigt. Die Mimosa pudica, das ist die Art, die man meist als Zimmerpflanze zu kaufen bekommt, verlangt nach viel Licht, idealerweise sanftem Sonneneinstrahlung vor- oder nachmittags, Luftfeuchtigkeit jenseits der 50 Prozent und einem möglichst gleichmäßig feucht gehaltenen Substrat.

Zu viel Gießwasser, sozusagen ein Guss auf Reserve, behagt ihr allerdings auch nicht, denn allzu leicht faulen ihre Wurzeln. Und Gott bewahr sie vor Zugluft, vor allem vor kalter, die sie sofort niederstreckt. Die ideale Temperatur für ihr Gedeihen liegt bei 20 bis 22 Grad. Der Mimosengärtner ist also gut beschäftigt mit der kleinen Zicke, doch, wie gesagt, dankt sie es durch ihre Schönheit und ihre bezaubernde Eigenschaft, auf Berührung zu reagieren und die Blättchen einzuklappen.

Die Mimosa pudica ist eine von circa 500 Mimosenarten weltweit. Die Zimmerpflanze überlebt kaum je den Winter, und bevor man sich allzu plagt, nimmt man am besten im Herbst Samen und zieht ab März neue Pflanzen. Die abgebildete Mimose ist eine etwas gröbere, größere Art. Sie stammt ebenfalls aus Südamerika und wurde aus mitgebrachten Samen großgezogen, hat jedoch auch im Winter die Blätter gestreckt. Eine echte Zicke eben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2019)

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