Bibliotheken: Wissenswelten

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Die Presse - Schaufenster
Redaktion: Norbert Philipp
Fotos: beigestellt

Library – Architecture and Design
In dem Band finden sich herausragende Beispiele moderner Bibliotheksarchitektur. National-, Universitäts-, Fakultäts- und Spezialbibliotheken. Baukunst, die versucht, sich vor dem Wissen angemessen zu verneigen. Erschienen bei Braun Publishing.(c) Architekt Max Dudler
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Das Superhirn von Berlin

Diese Stadt und Stararchitekt Norman Foster – das muss Freundschaft sein. Und die hat sich auch in der Bibliothek der philologischen Fakultät der Freien Universität Berlin verewigt, im Stadtteil Dahlem. 2005 wurde der Bau fertiggestellt, elf Fachbibliotheken sind dort vereint. Viele Berliner wollen in der Hightech-Blase die Form eines Gehirns erkennen. Von außen genauso wie auch im Innenraum, wo sich tatsächlich zwei Hälften winden. Zwei Galeriebauten nämlich, die sich in der schimmernden weißen Lichwolke organisch durch den sphärischen Überbau schlängeln. Das Büro Foster + Partner schuf ein kleines Lichtwunder, von dem die Besucher und Benutzer an über 600 Arbeitsplätzen profitieren, die sich entlang der Brüstung der Galerie verteilen. 800.000 Bücher verteilen sich auf eine Nutzfläche von über 6000 Quadratmetern.(c) Architekt Max Dudler
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Das schönste Leselicht Berlins

Anfang März wird sich der riesige Raum auch mit Besuchern füllen. Zurzeit füllt er sich mit Büchern. Schlüsselfertig war der Neubau Anfang Dezember: der große Lesesall der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin. HG Merz Architekten implantierten den historischen wilhelminischen Bibliotheksgebäuden ein neues Herz. Der alte Lesesaal war seit dem Zweiten Weltkrieg eine Ruine. Der neue fügt sich in die Geschichte der Institution und in die Tradition der Bibliotheksbauten. Aus dem Foyer steigt man in den Hauptlesesaal hinauf, in Richtung Licht und Helligkeit. Die alte symbolische Ebene der Bibliotheksarchitektur, in der man, wenn man zur „Bildung“ will, hinaufsteigen muss. Eine Glashaube überspannt den Saal, der Stoff darunter zerstreut das Licht zu einem weiß schimmernden Äther, der die Augen sich auf das Wissen konzentrieren lässt.(c) Architekt Max Dudler
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Ordnung wie im Grimm’schen Wörterbuch

Anfang und Ende. Von links nach rechts. Alles schön der Reihe nach: Wo sonst, wenn nicht in Bibliotheken, herrscht Ordnung. Und im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in Berlin führt der Raster ein besonders strenges Regiment: Der Architekt Max Dudler hat das Gebäude gestaltet, das 2009 fertiggestellt wurde. Als Ordnungsgröße ließ der Schweizer das Buchregal durch alle Gestaltungsebenen rattern: 60 Zentimeter tief ist es. Und davor ein 90 Zentimeter breiter Gang. Daraus konstruiert sich der Raster, den der Architekt durch die Räume dekliniert, auch durch den imposanten Lesesaal, der sich – in Kirschholz gekleidet – über die gesamte Gebäudelänge und seine ganze Höhe erstreckt. Dort stapeln sich die Lesebereiche terrassenförmig übereinander. Zweieinhalb Millionen Bücher sind in der größten Freihandbücherei Europas zugänglich. Und das von acht Uhr früh bis Mitternacht.(c) Architekt Max Dudler
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Offen wie ein Buch

Die Technische Nationalbibliothek in Prag, auf dem Campusgelände der Technischen Universität, versucht selbst, ein Buch zu sein: zu erklären, Hintergründe freizulegen, Verständnis zu erzeugen. Leitungen und Installationen sind weitgehend sichtbar. Auf den Wänden werden Illustrationen als grafisches Konzept zum Erklärungsmuster. Wie ein begehbares „technisches Lehrbuch“ sollte die Architektur funktionieren und sich den Besuchern erschließen, sagt das Architekturbüro Projektil Architekten. Roher Beton dominiert die Innenbereiche, vor allem die zentrale Halle. Der Boden ist dagegen ein Patchwork aus Farben, das den grafischen Charakter eines dreidimensionalen Layouts unterstützt. Und darin will die Bibliothek auch ihre Offenheit demonstrieren, duch öffentliche Bereiche im Erdgeschoß, die auch den Dialog fördern sollen.(c) Architekt Max Dudler
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Auf das Erbe bauen

Die chinesische Nationalbibliothek in Peking ist die drittgrößte Bibliothek der Welt und bietet Platz für zwölf Millionen Bücher. Die Verbindung von Tradition und Innovation ist Teil des Entwurfskonzepts: Im Sockelgebäude sind die historischen Schriften (Siku quanshu) untergebracht. Darüber, auf einer Höhe von 27 Metern, findet die Gegenwart Platz. Genauso wie die Vermittlung des historischen Erbes, das im Sockel gut geschützt ruht. Über allem schwebt ein Dach, das den großen Lesesaal ganz ohne Pfeiler und Stützen überspannt. Im obersten Bereich ist die digitale Bibliothek zu Hause. Das deutsche Architekturbüro KSP Jürgen Engel Architekten entwarf und realisierte den Bibliotheksneubau. Für 2000 Menschen stehen im Lesesaal Arbeitsplätze zur Verfügung, stündlich benützen 12.000 Besucher das Gebäude. Der Neubau erweitert das bestehende Gebäude um eine Fläche von 80.000 Quadratmetern.(c) Architekt Max Dudler
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Der Weimarer Lesewürfel

Kathedralen des Wissens nennt man Bibliotheken auch ehrfürchtig. In ihnen darf man sich ruhig auch ein bisschen ohnmächtig fühlen. Und klein. Buchbestände werden weltweit digitalisiert. Doch das Wissen braucht nach wie vor die physische Präsenz. Die Architekten Karl Heinz Schmitz und Hilde Barz-Malfati haben ihm neuen Raum gegeben. In Weimar, in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. 2005 durfte sich dort der „Bücherkubus“ in ein Gebäude-Patchwork fügen, das von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert gewachsen ist. Der letzte Zubau setzte einen neuen Eingangsbereich in den Hinterhof des Gelben Schlosses. Als gewollter Ruhepol in einem verzweigten, natürlich gewachsenen Gebäudeplan. In den Freihandbereichen im Bücherkubus sind mehr als 100.000 Medien frei zugänglich. Der Bau wurde mit dem Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau ausgezeichnet.(c) Architekt Max Dudler
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Architektur, die Zeiten überwindet

Bibliotheken sind Hüter wahrer Schätze. Doch die Formen und Methoden, die wertvollen gesammelten Informationen zu ordnen, zu speichern und zu konsumieren – die gehen mit der Zeit. Und deshalb muss es auch die Architektur. Die Thompson-Bibliothek an der Ohio State Universität in Columbus verknüpft die traditionellen Bauten mit zukünftigen Notwendigkeiten. Die Originalkonstruktion stammt aus dem Jahr 1913. Erweitert wurde sie 1950 und zuletzt im Jahre 2009. Über 1,2 Millionen Bände sind hier für die Benutzer, vor allem Studenten, zugänglich, die sich über zwei Atria durch den Gebäudekomplex verteilen. Auch über eine fliegende Treppe, die die zentrale Halle vertikal teilt. Durch die Atria aus Glas flutet das Licht in das Innere und die insgesamt 1800 Arbeitsplätze. Die Renovierung und den Zubau realisierte das Architekturbüro Ancock aus Ohio.(c) Architekt Max Dudler
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