Audiodesign: Schall und Brauch

Porzellankugeln, die ganze Klangwolken produzieren. Schwarzer Kreis auf grellgelbem Grund. Audiodesign darf auch die Augen nicht vergessen.

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Was da alles so mitschwingt. Dabei sind es ja nur Schallwellen, die von hier nach dort wollen. Von der Quelle, wo sie entstehen, zum Ohr, Mythen sind da unterwegs, Zwischentöne begleiten das scheinbar simple Prinzip von Sender und Empfänger. Was nun wirklich gut klingt, was guter Klang braucht, was guter Klang überhaupt sein könnte – so per definitionem? Alles ein bisschen subjektiv und ein bisschen wissenschaftlich belegbar. Doch klar ist vor allem: Auch ein wenig Design sollte da mitschwingen, wenn sich Rundes auf Rundem dreht, Vinyl auf Plattentellern, und Eckiges den Schall ins Eckige wirft, die Lautsprecher in den Raum.

In einem Geschäft in der Wiener Kirchengasse werden nicht nur Schallwellen ernst genommen, sondern auch die Quellen der Wellen. Hier sind es vor allem die Kurven, nicht die Kanten, die den Sound bestimmen, die Rundung hat bei Mo Sound eine Bastion. Ronald Jaklitsch und Xiane Kangela haben sich mit ihrem Label die Mission auferlegt, Schallwellen aus Porzellankugeln in den Raum zu schicken. Vor Jahren schon hatte Jaklitsch damit begonnen, runde Lautsprecher zu entwickeln. „Die runde Form sorgt für einen sehr klaren Klang“, sagt Kangela, „und das Porzellan verringert durch seine Härte und Dichte die Eigenschwingungen.“

Ästhetik für die Ohren: Audiodesign

Das technisch aufwendige Produktionsverfahren erledigt Weimar Porzellan bei den Modellen „Classic“ und „Superior“. Die „Augarten“-Edition hingegen formt die Wiener Manufaktur. Inzwischen stehen die „Ballspeaker“ in Designhotels und Bars, die Interior-Design auch jenseits von Retro-Glühbirnen verstehen, und natürlich in Wohnzimmern, die ambitionierten Gestaltungswillen erahnen lassen.

Aug und Ohr. Die Architektur des Lautsprechers ist landläufig die Kiste. Im teuren Segment auch der Wolkenkratzer. Auf Fachmessen wie der „High End“ in München rollen die „Ballspeaker“ von Mo Sound trotzdem ganz unbekümmert ein, in ein Audio-Klein-Metropolis gleichsam, das meist so charmant ausschaut, wie Städte nun mal ausschauen. Ziemlich unrund. Und unbunt vor allem. Die Welt der Innovation und Technik scheint sich vor Farbkonnotationen zu scheuen. Vor allem, wenn das Design nur eines soll: die Glanztaten der Ingenieure und Techniker nach außen kommunizieren. Selbst die runden Lautsprecher von Mo Sound glänzen vor allem durch Nichtfarben wie Weiß und Schwarz. Eine Gestaltungslogik, die zweifach begründet ist, wie Jaklitsch erzählt. Zum einen sei sie dem Produktionsaufwand geschuldet. Zum anderen den Konsumenten, die sich von ihrem eigenen Geschmack einschüchtern ließen und sich nicht trauten, sich farblich festzulegen. Nicht einmal bei Dingen, die man überstreichen oder neu überziehen könnte.

Da springen zum Glück die Plattenspieler in die Nische. Jene von Pro-Ject zumindest, einem österreichischen Unternehmen, das Heinz Lichtenegger Anfang der 1990er-Jahre gegründet hat. Glänzende Farbexemplare hängen auch bei Mo Sound in der Kirchengasse an der Wand. Ganz ohne Designmarketing produziert Pro-Ject fast beiläufig Design. Weil die Firma tüftlerisch-intuitiv den Grundsatz der Grundsätze des Designs beherzigt hat: „Nämlich jenen von ‚Design Follows Function‘“, erzählt Kangela. Die Logik der Form folgt der Logik des Anspruchs, technisch die bestmöglichen Geräte zu produzieren. Dass dabei auch ein paar Modelle herausgekommen sind, die in Glanzgelb selbstbewusst ins Herz der Audiophilen strahlen, gehört zum ästhetischen Hintergrundrauschen des Klanggenusses. Pro-Ject-Plattenspieler setzen klare, auch farbflächige Geometrien ins Wohnzimmer, in den Kontext, den die übrigen Einrichtungsgegenstände vorgezeichnet haben. Da dürfen Abspielgeräte nicht nur ihre technischen Komponenten visuell vor sich hertragen, sondern auch etwas ausstrahlen, das schon in den 1970ern das Mediendesign prägte: Sympathie (siehe Kasten rechts).

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Klangtüftler. Auch in anderen Gegenden des Landes feilen Menschen am Klang und jenen Formen, die ihn in den Raum schicken. Vor allem auch in der Steiermark. Der „iTree“ etwa, ausgedacht und produziert von der Tischlerei Lenz, ist nicht viel mehr als ein ausgehöhlter Baumstamm, gespickt mit innovativer Technologie und ausgestattet mit der Kraft, selbst große Räume akustisch zu füllen – eine Kooperation mit Trenner & Friedl, einem Unternehmen, das in Thal bei Graz bereits seit 1994 an High-End-Lautsprechern tüftelt. Wo es möglich ist, verwenden sie natürliche Materialien, zur Dämmung auch gern Schallwolle.

Das Audiotechnik-Start-up Sonible hingegen entwickelte mit dem Institut für Elektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz eine Sound-Skulptur aus 20 Lautsprechern, die in der Lage ist, den Raum dreidimensional zu beschallen. „Iko“ wirft präzise Schallstrahlen in jede beliebige Richtung und lässt so ganze Wolken an Klängen durch die Räume ziehen.

Orange, die Farbe der Musik

The Orange Age. Eine Zeit, in der Design noch „warm“ war wie Mandarinenschalen. Eine Ausstellung im Designforum Vorarlberg erinnert daran, wie neue Freiheiten und Formen sowie aufkeimende Zukunftsvisionen ein Designjahrzehnt geprägt haben. Vor allem in der Medientechnologie. Die Exponate stammen allesamt aus der Privatsammlung von Heinz Fischer, dem Vorsitzenden des Departments Medien  & Design an der FH Joanneum in Graz. Die 1970er-Jahre haben so einige Designikonen hervorgebracht, von Plattenspielern über TV-Geräte bis zu Kommunikationsapparaten und Büromaschinen. „Orange“ war die Ära, als dem Alltag noch extra viel Gestaltungsaufmerksamkeit spendiert wurde. Und die Menschen dem aufmerksam Gestalteten noch extra viel Sympathie schenkten. Dazu kommt ein bisschen „Space“-Anmutung, schließlich ist man ja schon auf dem Mond gewesen. Davon zeugt auch das Design des „UFO“ von ­Phi­lipps. Ein Plattenspieler aus dem Jahr 1969 etwa. „The Orange Age“, noch bis 7. Novem­ber im Designforum Vorarlberg in Dornbirn.

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