Hauptdarsteller: Regal, nicht egal

breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

DiePresseSchaufenster
Text: Maria Schoiswohl

Das Tier im Raum. Hirsche und Wölfe aus Holz und Metall bringen die finnischen Schwestern Bette und Cilla Eklund mit ihrem Label BeDesign in die Wohnung. Im hohen Norden ist das wohl keine Seltenheit. Bei den Eklunds handelt es sich dabei wohlgemerkt um Regale in abstrahierter Tierkopfform. „Ich liebe geometrische und einfache Formen. Mit „Deer“ (Hirsch) und „Wolf“ wollte ich etwas kreieren, das aus der Masse heraussticht“, verrät Bette Eklund.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Inspiriert von der Begegnung mit einem Hirsch im Wald hat Eklund die Idee innerhalb eines Jahres in ein Regal umgesetzt. „Traditionelle Regale machen einen Raum rastlos und stopfen ihn voll. Ich mag individuelle, einfache Ablagelösungen, bei denen man all das, was man braucht, gleich zur Hand hat“, verrät die Designerin. Die Holzhirsche sind Einzelstücke, sie werden per Hand gefertigt. Die metallenen Hirsche werden in Schwarz und Weiß in zwei Größen produziert. Der Wolf ist ebenfalls aus Metall und in Schwarz und Weiß erhältlich. Alle Versionen können an die Wand gehängt oder in den Raum gestellt werden. bedesign.fi

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Das Regal für den Menschen.

Pierre-Emmanuel Vandeputte hat eine italienische Muse, und so gibt er manchem Designobjekt einen feurigen Namen. „Paradosso“ heißt sein Regal, das statt der Dinge des Alltags den Alltagsgestalter aufnimmt – den Menschen. „Das Objekt eröffnet eine neue Funktion, die nicht offensichtlich pragmatisch ist“, sagt der Designer, der in Belgien lebt.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Der Name (ital. für Paradoxon) ist Programm, denn Vandeputte geht es auch darum, „ein Objekt ohne Bedeutung zu schaffen. Vielmehr etwas fürs Gefühl.“ Die schwarze Stahlstruktur von „Paradosso“ hält eine robuste Lederfläche. Hier lehnt sich der Rastende bei Bedarf an. Neben der Indoorvariante, die Vandeputte von Hand fertigt – derzeit sind zehn Stück auf dem Markt –, entsteht eine wetterfeste Outdoorvariante. Auf Anfrage produziert der Designer innerhalb von sechs Wochen ein „Paradosso“. pierreemmanuelvandeputte.com

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Autobiografie an der Wand.

„,Shellf‘ ist ein Tier, das aus seiner Muschel herauskriecht, das aus der Wand herauswächst, das über die Wand kriecht.“ So beschreibt die Niederländerin Ka-Lai Chan ihren Regalentwurf „Shellf“. Gleichzeitig ist das Regal eine Reminiszenz an ihre eigene Existenz. „,Shellf‘ ist autobiografisch und referenziert auf meine Vergangenheit, als ich ruhig und introvertiert war und mich langsam – durch mein Design – der Welt geöffnet habe“, erzählt die Künstlerin und Designerin.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Ursprünglich ein Kunstobjekt mit limitierter Auflage, ging „Shellf“ schließlich beim italienischen Designmöbelunternehmen Kristalia in Serie. Die lackierten Einzelteile aus Hartfaserplatte werden mit unsichtbaren Anschlüssen verbunden, um einen schwebenden Effekt zu erzielen. „,Shellf‘ ist ideal, um kleine Schätze unterzubringen“, sagt Chan, die aktuell in Indonesien an einer neuen Idee arbeitet: Wohnaccessoires und Modeartikel aus Rattanfasern. Ob ein Regal daraus wird, lässt sie offen. kalaichan.nl

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Die Geometrie der Ordnung.

Der Libanon, sein Geburtsland, Frankreich, sein Wohnort, und Street Art sind Charles Kalpakians Inspirationsquellen. Für sein Regal „Rocky“ hat sich der Designer mit einem Wissenschaftler zusammengetan, um das Phänomen der optischen Bistabilität zu ergründen. Jener Schock fürs Gehirn, der den Betrachter eines Bildes perspektivisch verunsichert, ob er zwei oder drei Dimensionen sieht.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

„Es war eine Herausforderung, diesen Effekt auf ein wirkliches Objekt anzuwenden“, sagt Kalpakian. Entstanden ist ein optisches Puzzle aus Metall – es bringt den Betrachter ins Grübeln. Umso mehr, wenn Accessoires wie Lampen oder Bücher das Regal füllen. „Die kantigen Formen und das Interesse an den Farben kommen aus meiner Identität und Kultur“, erklärt Kalpakian. Das Regal ist für ihn eines der wichtigsten Möbel im Wohnraum. „Regale erzählen Geschichten über ein Haus, über die Persönlichkeit.“ Sein „Rocky“ zu Hause füllen Bücher und die Legosteine seiner Kinder. kalpakian.fr

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Gewöhnliches herausfordern.

„Regale sind etwas absolut Zeitgenössisches. Nichts ist stimulierender, als ein gewöhnliches Möbelstück absolut neu zu erdenken“, sagt die junge italienische Designerin und Architektin Alessandra Meacci. „Bolina“ und „Slices“ heißen ihre aktuellsten Kreationen, die gänzlich unterschiedlich sind: „Bolina“ aus Metall und bunten Segeltauen ist ein leichter, luftiger Raumteiler.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

„Ich habe dabei an die Probleme im urbanen Haushalt gedacht und wollte ein vielseitiges, funktionales Multitasking-Objekt schaffen.“ Inspiriert von der Welt des Segelns kreierte Meacci mit „Bolina“ einen vertikalen Mikrokosmos, der – mit seinen „löchrigen“ Regalböden – auch Blumentöpfen genug Platz gibt. Meacci pflegt in ihrem Design einen engen Bezug zur Natur: Der Entwurf „Slices“ aus lasergeschnittenem Aluminium ist ihre blatt-, beziehungsweise fischförmige Antwort auf die kreative Herausforderung, das gewöhnliche Buchregal „in ein Objekt, das Neugier und Staunen auslöst“, zu verwandeln. alemeacci-design.com

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Minimalismus für das Buch .

„Bücher sind für mich Botschafter, Repräsentanten von inneren Reisen und insofern von großem Wert“, sagt der in Graz ansässige Designer Martin Breuer-Bono. Mit seinen Entwürfen bietet er Büchern eine Bühne in abstrahierter und minimalistischer Form. „Alle meine Entwürfe sind gewissermaßen um das Buch herum gebaut, sie lassen das Buch im Vordergrund stehen.“ „Winter“ aus Eichen- oder Walnussholz ist dabei regalgewordene Reduktion. Das Eigengewicht der Bücher verleiht dem Regal – eine Stange mit drei angedeuteten Regalböden – Stabilität.

(c) Beigestellt
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

„Persona“ will Breuer-Bono als vertikal stehendes Bücherbrett verstanden wissen, in das man Bücher stellen kann. Das schwarze Brett mit Auslassungen für gedruckte Werke ist aus Holzfaserplatte und Stahlblech und macht aus der Wand, an der es lehnt, einen funktionalen Designbestandteil. Aktuell arbeitet Breuer-Bono an seinem ersten frei stehenden Regal, „als Begleiter, der mit einem durchs Haus zieht, an die Orte, an denen man liest. Auf dem Sofa, im Bett, in der Badewanne, im Garten.“ breuerbono.com

(c) Beigestellt
Kommentar zu Artikel:

Regal, nicht egal

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.