Linien-Untreue

Die Wiener Linien sind ja auch für die Linien verantwortlich. Für jene, die einen in die Arbeit bringen.

(c) Wiener Linien / Manfred Helmer

Die Wiener Linien sind ja auch für die Linien verantwortlich. Für jene, die einen in die Arbeit bringen. Aber auch für jene, die das Stadtbild mitzeichnen. Elegant krümmen sich da etwa die Straßenbahnschienen im Asphalt. Die Kommunikationslinie ist auch so eine, auf der die Wiener Linien schon seit einiger Zeit eine neue Schiene fahren: Ein überbetontes „Seien Sie achtsam" statt eines hingeraunzten „Zug fährt ab" vergällt einem das U-Bahn-Fahren. Beim Warten zumindest, auf Bim und Bus, war bislang alles in Ordnung. Eine Ellipse zeigte: Hier fährt die Bim. Die Hälfte einer Ellipse sagte: Hier der Bus. Die Haltestellenmasten waren Eckpfeiler der kollektiven Stadtbild-Identität. Und genau daran sägen nun die Wiener Linien. Denn außer einer plumpen vertikalen Linie ist ihnen beim neuen Design der Haltestellenmasten schon gar nichts eingefallen. „Durch die Bündelung der Information auf einem Mast entsteht mehr Platz für die Fahrgäste", schreibt die Pressestelle. Einmal zusätzlich Schuhgröße 41 geht sich jetzt tatsächlich aus. Danke auch an Ulli Sima, die „Öffi-Stadträtin" Wiens und gleichzeitig Maskottchen jeder neuen Mistkübel-Beklebung. Sie stand beim Pressefoto ein wenig ratlos da, als wüsste sie nicht genau, was sie davon halten soll, von den neuen Haltestellen (eine der ersten steht vor dem Rathaus). Weil sie ja auch sonst oft etwas hält, Dinge in der Hand nämlich. Das beweist ullisimaholdingthings.tumblr.com, einer der großartigsten Blogs seit Erfindung des Internets beweist. Kein offizieller Blog zwar. Aber voller offizieller Pressefotos. Gebt ihr etwas in die Hand. Nur nicht die Hoheit über ästhetische Fragen.

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