Nomadische Möbel: Bitte nicht bewegen

Die Flaneure sind zurück. Wir haben’s kapiert. Strawanzen in der Stadt ist die neue Fortbewegungsform, wenn man zu viele Ziele hat, auf die man täglich hinsteuern muss.

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Die Flaneure sind zurück. Wir haben’s kapiert. Strawanzen in der Stadt ist die neue Fortbewegungsform, wenn man zu viele Ziele hat, auf die man täglich hinsteuern muss. Nur müssen jetzt wirklich alle Möbelstücke auch damit anfangen? Als hätten sie Jahrzehnte später erst den legendären Aufruf Josef Haders vernommen: „Topfpflanzen, geht’s spazieren". Jetzt reißt sich alles los, streunt ohne Leine, ohne Kabel durch die Stadt. Und was viel schlimmer ist: durch die Wohnung. Die Leuchten vor allem. Die Laterne ist überall. Weil sie überall hingehen kann. Das ist ja das Problem. Im Grunde haben die Leuchtenhersteller recht: Kabel sind nicht viel schöner als Kanalrohre. Und die hatten ihren letzten dokumentierten Gestaltungsanspruch auch nur in einem Traum innerhalb eines Kabarettprogramms – auch von Josef Hader. Damals hat Hundertwasser das Ausmalen von innen übernommen. Akkus und Batterie gaukeln uns falsche Freiheiten vor. Denn am Abend stehen alle wieder unter Zugzwang, die sie da untertags flaniert sind, die Smartphones und die Tischleuchten stellen sich brav vor den raren Steckdosen an. Nomadische Möbel sind das große Designtrend-Missverständnis der letzten Jahre. Möbel wollen bleiben. Dort wo sie ihre Funktionen, auch die ästhetischen am besten erfüllen. Da können Couchtische noch so viele Leder-Schlaufen haben, die Regale noch so viele Rollen. Und Leuchten noch so viele USB-Anschlüsse. Wenn schon vor der Haustür alles mobil ist, dann sollten die Dinge zumindest wieder dort sesshaft werden, wo man selbst sesshaft ist.

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