Trennen als Aufgabe

Man kann ja nicht alles in einen Topf werfen. Deshalb gibt es auch den Tellerrand. Um die Welt des einen von jener der anderen zu trennen.

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Man kann ja nicht alles in einen Topf werfen. Deshalb gibt es auch den Tellerrand. Um die Welt des einen von jener der anderen zu trennen. Der Planet gehört nun einmal zoniert, eingeteilt, geordnet und die Sphären gehören mit klaren Grenzen markiert. Sonst gerät alles durcheinander. Die Aufgabe des räumlichen Trennens übernehmen dabei die unterschiedlichsten Dinge. Schönere, wie etwa die Paravents, die die berühmte irische Architektin und Designerin Eileen Gray gestaltet hat. Oder auch zweckmäßigere Ausführungen. Solche, bei denen lange Zeit die gerade Linie schon der größte gestalterische Erfolg war: die Wand etwa. Den meisten Dingen, denen das Trennen als Aufgabe mit in die Welt gegeben wurde, meint man eben auch etwas anzusehen: Dass es ihnen ein wenig unangenehm ist, nicht so ganz offen und aufgeschlossen zu sein wie andere Kollegen aus dem Universum der Dinge. Also sich im Grunde eher abweisend gerieren. Deshalb wollen sie erst recht nicht noch Aufmerksamkeit auf sich ziehen, indem sie womöglich anspruchsvoll und ästhetisch gestaltet wären. Lieber auffallen dadurch, dass ihnen keiner jemals Aufmerksamkeit geschenkt hat, gestalterisch zumal. Mit einer Ausnahme: Der schönste Zaun Wiens, der umschließt den Volksgarten. Ein Kunstwerk aus Gusseisen. Mit integrierten Kandelabern. Der Gegenentwurf zum Selbstverständnis von Privatsphäre, die an der Stadtperipherie grassiert: Man grenzt sich ab. Mit Baumaterial. Wie Draht, Latten und Steinen. Und vergisst dabei, dass das Material ja eher der Anfang der Gestaltung wäre und nicht schon das Ende.

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