Patrizia Moroso: Außen frostig, innen warm

Patrizia Moroso orientiert sich nicht an Trends, sondern lieber an sich selbst. Auch wenn sie etwa Hotels in Berlin ausstattet.

Patrizia Moroso. Ihr Unternehmen steht für ­Buntheit und ausgefallene Formen.
Patrizia Moroso. Ihr Unternehmen steht für ­Buntheit und ausgefallene Formen.
Patrizia Moroso. Ihr Unternehmen steht für ­Buntheit und ausgefallene Formen. – (c) Alessandro Paderni

Grau. Mit Tendenz zur Trostlosigkeit. So einen Winter in Berlin kann man schon fast als Gegenentwurf zu dem verstehen, was der Designhersteller Moroso so alles in die Welt setzt. Die Farben prägnant, die Formen ausgefallen. Davon zeugt seit Kurzem auch das Interieur des Motel One, das direkt neben dem Fernsehturm in Berlin eröffnet hat. „Fashion meets art“ hat die Hotelkette dem Innenleben als Motto verordnet. Da kam das Designverständnis der Chefin des Unternehmens gerade recht. Das „Schaufenster“ traf Patrizia Moroso in der Lobby des Hotels, das sie ausgestattet hat, zum Gespräch.

Sie haben schon öfters Boutique-Hotels ausgestattet. Dieses Projekt von Motel One ist das größte, das Sie gestalterisch betreut haben. Wie viel Moroso steckt hier drin?
Wir haben für dieses Hotel rund 60 unterschiedliche Produkte geliefert. Normalerweise sind es bei größeren Hotelketten vielleicht fünf bis 25 Produkte. Sie können hier also einen großen Teil der Moroso-Welt sehen. Darüber hinaus wurde von jedem Produkt eine hohe Anzahl benötigt. Schließlich waren 708 Gästezimmer auszustatten.


Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit für Boutique-­Hotels und Hotelketten?
Bei den Boutique-Hotels kommen die Inhaber mit dem Auftrag auf uns zu und lassen uns zumeist komplett freie Hand. Die einzige Vorgabe lautet oftmals, dass jedes Gästezimmer komplett anders eingerichtet werden soll, sodass der Gast bei einem weiteren Besuch ein gänzlich anderes Zimmer erleben kann, wenn er möchte. Bei Hotelketten sind wir hingegen meist nur Lieferant. Dazu kommen die nach demselben Muster ausgestatteten Zimmer sowie die großen öffentlichen Räume, die viel stärker definiert werden müssen. Schließlich will der Gast auch in einem derart großen Raum wie einer Hotellounge immer noch das Gefühl der Intimität haben – ganz so, als wäre er allein hier.


Wie entwickelte sich die Arbeit für dieses Projekt konkret?
Als wir hier in Berlin ins Spiel kamen, stand vieles bereits. Die Bar war schon eingebaut und es gab klare Vorstellungen, wie die Räumlichkeiten ausschauen sollten. Es fehlten nur mehr die Möbel. Es gab hier allein die Vorgabe: viele unterschiedliche Farben und Produkte.


Nach welchen Kriterien haben Sie dann die entsprechenden Möbel ausgesucht?
Das orientierte sich an der Atmosphäre, die durch die jeweilige Räumlichkeit vermittelt werden sollte. Ein Beispiel: Berlin gilt als tendenziell kalte Stadt. Daher sollte das Interieur warm und kuschelig wirken, wie in einer Lounge eben. Dazu kommen frische Farben, da die Hotelgäste eher jung sind.

Zentral. Das Motel One am ­Alexanderplatz in Berlin, ausgestattet von Moroso.
Zentral. Das Motel One am ­Alexanderplatz in Berlin, ausgestattet von Moroso.
Zentral. Das Motel One am ­Alexanderplatz in Berlin, ausgestattet von Moroso. – (c) Stefan Maria Rother

Stammen diese Möbel alle aus ihrer aktuellen Kollektion?
Nein, wir haben sogar ein Teil aus dem Jahr 1988 dabei. Das geht d’accord mit unserer Unternehmensphilosophie. Unser Unternehmen steht für eine Designhaltung. Weniger für Trends. Design ist uns wichtiger als Trends.


Steht hier auch ein „Flaxx Chair“ von Martin Mostböck, dem ersten österreichischen Designer, der mit Moroso kooperiert hat?
Der Stuhl war aufgrund seines speziellen Materials, einer Mischung aus natürlichen Flachs- und textilen Propylenfasern, sehr interessant für uns. Aber vielleicht war seine Zeit noch nicht ganz reif. Hier in Berlin gehört er nicht zum Inventar, leider.


Was muss ein Designer mitbringen, damit Sie mit ihm gern eine Kooperation eingehen?
Wir suchen stets Ideen und Objekte, die eine neue Ästhetik oder neuen Funktionen einbringen. Ich arbeite aber auch nicht jedes Jahr mit einem neuen Designer zusammen. Mir sind beständige Beziehungen fast wichtiger. Mit manchen Designern kooperiere ich schon seit über 20 Jahren. Ich möchte ein solides Team an Leuten haben, die verlässlich sind und die aus unterschiedlichen Ecken der Welt zusammenkommen, denn diese bringen dann unterschiedlichste Herangehensweisen mit.


Das Unternehmen Moroso steht für farbenfrohe Designs. Aktuell scheint hingegen eher puristisches Interieur en vogue?
Ich folge – wie gesagt – keinen Trends, sondern allein meinen eigenen Vorstellungen. Und ich glaube an die Farbe und daran, dass sie Stimmungen stark beeinflussen kann. Farbe kann ebenso für Freude wie auch für Melancholie sorgen. Und laut dem Pantone Color Institute soll Ultraviolett die Trendfarbe 2018 sein – auch nicht gerade puristisch, oder?


Demnach sind es derzeit keine schwierigen Zeiten für Moroso?
Nein, wir waren immer schon eine Alternative zu Schwarz und Weiß, auch wenn beides durchaus seine Berechtigung hat und wir auch beides im Sortiment haben. Aber unser absoluter Bestseller ist seit Jahren ein Sessel aus roter Filzwolle. Vielleicht stehen wir hier für eine Nische. Aber dafür sind wir eben berühmt.


Aber hat nicht auch bei Moroso eine etwas puristischere Linie Einzug gehalten?
Vergangenes Jahr ließen wir uns von Nordamerika, von der Landschaft und der Sonne inspirieren. Das Ergebnis war etwas zurückhaltender. Die nächste Kollektion schöpft aus der mexikanischen Kultur. Wir werden wieder bunter.


Und auf welchen Interior-Stil setzen Sie persönlich: Purismus oder Opulenz?
Ich lebe in einem bunten Haus. Dabei bleiben Wände und Böden puristisch, in den Farben also zurückhaltend. Aber mit den Möbelfarben spiele ich. In Gelb, Pink und Rot.

Tipp

Formdepot salon. Am 9. März von 10 bis 18 Uhr. Um 15 Uhr präsentiert Moroso vor Ort in Wien „The Beauty of Design“. www.formdepot.at

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