Alja Neuner paart Porzellan mit 3D-Druck

Dass Alja Neuner für ihre Stücke Edelmetall einsetzt, liegt wohl an ihrer Vergangenheit als Goldschmiedin.

Know-How. Alja Neuner arbeitet als eine von wenigen noch mit Hohlguss.
Know-How. Alja Neuner arbeitet als eine von wenigen noch mit Hohlguss.
Know-How. Alja Neuner arbeitet als eine von wenigen noch mit Hohlguss. – (c) Alessandro Samuel

„Meinen Stil habe ich schon längst gefunden. Das ist ein großes Glück", sagt Alja Neuner. Lange Jahre kannte man sie als Goldschmiedin mit einer für den ersten Wiener Bezirk höchst unüblichen Formensprache samt Trashelementen. Nun hat sie Hammer und Feile niedergelegt, hat sich aus diesem Handwerk, das sie über zwei Jahrzehnte ausgeübt hat, fast zur Gänze zurückgezogen. Und sich als Keramikkünstlerin ein Galerieatelier aufgebaut. Vier Jahre lang durfte Alja Neuner auf der Angewandten als Außerordentliche Keramik studieren. Mit ihrem neuen Weg gehe ein „gutes, spannendes und fragendes Gefühl" einher.

Goldstück. Aus mehreren Teilen zusammengeschlickert: Winkekatze trifft Puppentorso.
Goldstück. Aus mehreren Teilen zusammengeschlickert: Winkekatze trifft Puppentorso.
Goldstück. Aus mehreren Teilen zusammengeschlickert: Winkekatze trifft Puppentorso. – (c) Samuel Weinberger

Derzeit hinter den Fensterscheiben des Ateliers zu sehen: eine poetische Serie aus aufgeschlagenen Büchern, denen man ihr Material von außen – und auch von der Nähe – nicht ansehen würde. Es ist Porzellan, dünn wie Papier oder türkischer Yufkateig, teilweise angekokelt; „earth burning proudly-fallen perished narcissist" nennt Alja Neuner dieses Werk. Wie sehr sie ihr Handwerk mittlerweile perfektioniert hat, sieht man aber nicht nur an diesen Porzellanbüchern, sondern auch an kleineren Stücken wie Puppenköpfen: Ein essentieller Bestandteil des Keramikhandwerks – und zwar nicht nur des Arbeitens mit Ton, sondern auch mit Porzellan – ist das Loslassen. Bei den Puppenköpfen, wie alle ihre Stücke mithilfe einer selbstgebauten zweiteiligen Gipsform gegossen, lässt sie bewusst die Gussnähte dran, schleift sie nicht ab, um die Glätte zu konterkarieren. Loslassen können muss Neuner auch bei der Herstellung ihrer komplexen Skulpturen aus Puppenkörperteilen, die einen Micky-Maus- oder einen Winkekatzekopf haben können. Mitunter brauchte es zehn oder mehr Anläufe, bis eine Skulptur gelingt. Das Material Porzellan ist heikel: Sie habe gedacht, dass das Zusammenschlickern der Einzelteile ganz einfach sei, sie habe „gänzlich unterschätzt, dass das eine Philosophie ist".

Serie. Porzellan, papierdünn: aus der Serie „earth burning proudly-fallen perished narcissist“.
Serie. Porzellan, papierdünn: aus der Serie „earth burning proudly-fallen perished narcissist“.
Serie. Porzellan, papierdünn: aus der Serie „earth burning proudly-fallen perished narcissist“. – (c) Raphael Just

Computergestützt. Ungewöhnlich für eine Keramikkünstlerin, arbeitet Alja Neuner auch mit 3D-Technik: Manche Abgussmodelle aus Ton, etwa für die Winkekatzenskulptur, lässt sie scannen, um sie später am Computer verkleinern und sie danach eins zu eins aus Silber zu einem Anhänger nachgießen zu können. Apropos Schmuck: Dass Neuner Porzellan so gern mit Gold und Platin überzieht, habe wohl mit einer „sentimentalen Verwobenheit" mit ihrem zweiten Handwerk, dem Goldschmieden, zu tun. 

Tipp

Alja Neuners Galerieatelier ist in der Gredlerstraße 4, 1020 Wien, zu finden.
Infos: alja.neuner@gmx.at

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