Leuchten: Licht auf neuen Wegen

Ohne Netz und Kabel brechen die Leuchten auf in ganz neue Terrains und unabhängige Zeiten.

V.l.n.r.: Licht geht mit, in der Hand: Taschenlampe von Northern. „Bon Jour“ von Flos sucht sich seinen Platz.
V.l.n.r.: Licht geht mit, in der Hand: Taschenlampe von Northern. „Bon Jour“ von Flos sucht sich seinen Platz.
V.l.n.r.: Licht geht mit, in der Hand: Taschenlampe von Northern. „Bon Jour“ von Flos sucht sich seinen Platz. „Come Together“ von Artemide befreit das Licht von allen Zwängen. Marset setzt atmospärische Akzente auf Tischflächen: „Bicoca“. – (c) Beigestellt

Das Licht geht nicht mit. Normalerweise. Einfangen und einstecken, das funktioniert auch nicht, das mussten die Schildbürger schon lernen.Mitnehmen kann man es trotzdem. Zumindest, wenn es nicht an Kabel oder sonstigen Notwendigkeiten hängt. In Wien hat das ja irgendwie schon Tradition. Aber nur ganz heimlich. Denn Ferdinand I. hat schon 1561 verfügt: Ohne Licht darf niemand die Straßen betreten am Abend. Jeder musste seine Laterne vor sich hertragen. Inzwischen folgen die Menschen ganz freiwillig dem Prinzip „Licht ist, wo ich bin". Vor allem auch auf den Wegen, die sie in der Wohnung zurücklegen. Und auf jenen, die das Innen mit dem Außen verbinden. Die Design-Hersteller unterstützen die Licht-Nomaden eifrig. Mit Lichtquellen, die sich von Steckdosen, Kabeln und anderen Konventionen längst losgerissen haben. Die Akku-Kapazitäten haben sich genauso weiterentwickelt wie die Leuchtmittel, LED vor allem, die immer weniger Energie aus den Akkus saugen. Endlich: Es ist Zeit für das Licht, spazieren zu gehen.

Punktuell. Das Label Less ’n’  more aus Köln fährt das Licht spazieren.
Punktuell. Das Label Less ’n’  more aus Köln fährt das Licht spazieren.
Punktuell. Das Label Less ’n’  more aus Köln fährt das Licht spazieren. – (c) Daniel Schmitt

Helle Momente. Das Licht selbst schleppt vor allem eine Aufgabe mit sich rum: das Leuchten. Atmosphärische Wirkung ist dabei nur das eine, was man sich erwartet. Aber selbst dafür kann die LED-Technologie mit einer warmen Lichtfarbe schon sorgen. Effizienz ist das andere. Damit man auch gut sieht, was man sehen sollte. Beim Erdäpfelschälen, Autoszusammenzangeln und bei verschiedensten Pinzetten-Prozessen. Eine Manufaktur in Köln hat das seit jeher als ihren Auftrag verstanden: Licht als Werkzeug zu behandeln. Die Design-Manufaktur Less ’n’ more tüftelt an der punktuellen Beleuchtung. Dafür haben die Menschen rund um Kai Steffens und Christian Dinow auch schon Dinge erfunden wie ein besonderes Fokussystem. Man dreht am Lichtkopf und bündelt dadurch den Lichtstrahl. Gut für Arbeitsleuchten, die Less ’n’ more zunächst entwickelte.

Irgendwann beschloss man aber noch mehr zu bündeln: nämlich Funktionen. Damit sich jeder seine persönlich Lichtinsel gebündelt und punktuell dort schaffen kann, wo es sie im Alltag und beim Wohnen so hinverschlägt. Ins Bett, in die Küche, auf den Balkon. Und schließlich haben sich die Leuchtpunkte verselbstständigt, auch konzeptuell. Sie bekamen Räder sogar, Holzkorpusse, die Bücher und anderes transportieren. Sowie Akkus, mit denen man ganze Bücher ohne Steckdose im Dunkeln auslesen kann. Lichtmöbel sind daraus geworden, die Namen berühmter Autoren von Bukowski bis Ringelnatz tragen und zwischen den Lieblingsleseorten zuhause hin- und herpendeln. Und überall, wo sie sich verorten, auch so etwas wie Leseatmosphäre strahlen lassen. Mit einer Licht-Farbtemperatur von 2700 Kelvin, einem Warmweiß. „Wir wissen, dass sich das die Menschen wünschen. Für uns ist das fast schon ein Kompromiss, wenn man davon ausgeht, dass 5000 Kelvin dem Tageslicht entspricht", erzählt Christian Dimow.

Unterwegs. Die Akkuleuchte „Jules Verne“ nimmt die Bücher gleich mit.
Unterwegs. Die Akkuleuchte „Jules Verne“ nimmt die Bücher gleich mit.
Unterwegs. Die Akkuleuchte „Jules Verne“ nimmt die Bücher gleich mit. – (c) Beigestellt

Unabhängig. Der spanische Leuchtenhersteller Marset hat auch besonders viele tragbare Modelle in seinem Portfolio. Ein paar nennen die Grundidee beim Namen, wie die Leuchte „Follow Me" etwa. Andere lenken Licht und seinen gestalterischen Kontext in eine neue Richtung: „Bicoca" etwa, entworfen vom Designer Christophe Mathieu. Da werden nicht nur die Lichtquellen unabhängig, sondern auch die gestalterischen Möglichkeiten. Denn die kabellosen Akkuleuchten fungieren als Atmosphärenbausteine, schubsen als solche allmählich Kerzen und andere Lichtverlegenheiten von den Tischen der Restaurants. „Bicoca" setzt intime Lichtspots auf die Tischfläche, ganz ungezielt. Da geht es eher darum, die Dunkelheit mit ein paar Leuchtpunkten zu strukturieren, das Gegenseitig-in-die-Augen-Schauen nicht allzu sehr zu stören.

Auch andere Leuchtenhersteller setzen Hoffnung auf „Unplugged"-Versionen. Philippe Starck etwa schickt für Flos das Modell „Bon Jour" in der Wohnung auf die Suche nach einem geeigneten Standort, ganz ohne Kabel. Und formal deutlich eleganter, als es die Beschreibung vermuten lässt: „Tisch­beleuchtungsgerät für diffuses Licht" steht da.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Leuchten: Licht auf neuen Wegen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.