Wohntrends 2019: Ganz schön clever

Fein klein, gut grün, schlau gebaut: Die Wohntrends 2019 mit raumeffizienten, ökologischen und funktionellen Möbeln.

Hat Luft. „Paper+ Armchair“ (Agata Kulik-Pomorska und Pawel Pomorski), „Recycling Blow“-Kollektion.
Hat Luft. „Paper+ Armchair“ (Agata Kulik-Pomorska und Pawel Pomorski), „Recycling Blow“-Kollektion.
Hat Luft. „Paper+ Armchair“ (Agata Kulik-Pomorska und Pawel Pomorski), „Recycling Blow“-Kollektion. – (c) Beigestellt

Jedes Jahr aufs Neue stellt sich mit den ersten Möbelmessen des Jahres die Frage nach den aktuellen Trends. Und danach, ob es überhaupt möglich ist, Neues zu finden – und wundert sich dann, dass es doch immer wieder frische Ideen und innovative Ansätze gibt. In der Tat: Die Branche, die Designer, die Hersteller schaffen es Jahr für Jahr, sich neu zu erfinden. Wenn auch, hin und wieder, mit bewährten Mitteln. Nehmen wir zum Beispiel die Wiederentdeckung des Midcentury, das uns 2019 an allen Ecken der Designlandschaft begegnen wird. Die Entwürfe aus den Dreißigern, Vierzigern, Fünfzigern und Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts haben Charakter, sind zeitlos, haben außerordentlich hohe Qualität, und das bis ins kleinste Detail. Und sie waren konzipiert, mehreren Generationen Freude zu bereiten.

Mach Licht. Tischleuchte „Oficy“ (Aigars Fridrihsons) aus Holz, Edelstahl und mit Sensorschalter.
Mach Licht. Tischleuchte „Oficy“ (Aigars Fridrihsons) aus Holz, Edelstahl und mit Sensorschalter.
Mach Licht. Tischleuchte „Oficy“ (Aigars Fridrihsons) aus Holz, Edelstahl und mit Sensorschalter. – (c) Beigestellt

Kein Wunder, dass viele Geniestreiche dieser Zeit aus den Archiven gehoben und – freilich zeitgemäß interpretiert – neu aufgelegt oder neu erfunden werden. Filigrane Strukturen kehren zurück, Materialien wie Sattelleder und Stahlrohr, vor allem aber die platzsparenden und einfachen, funktionalen Lösungen, die damals ein Ding der Notwendigkeit waren – und das auch heute wieder sind und morgen wieder sein werden. Speziell, weil Raum an sich, gerade im urbanen Bereich, als hohes Gut gehandelt und entsprechend eingerichtet und möbliert wird.

Raumwunder. Diesem Gedanken folgen auch die Micro-Apartments, die allerorts nur so aus dem Boden schießen: Kleine, kompakte Einheiten, die keine Wünsche offenlassen. Alles ist da, doch von allem ein bisschen weniger. Aber sicher nicht, was die Qualität der Flächen, die der Möbel betrifft. Eine Raumdiät sozusagen, die mit geschickten Einrichtungslösungen gut gelingen kann. So sind es manchmal ganze Wohnlandschaften, bei denen ein Bett ins Regal, in den Schreibtisch, in die Kochnische übergeht. Oder aber zierliche, schlanke und funktional durchdachte Möbel, die selten nur eine Funktion allein erfüllen, Sofas etwa, wie jene von Rolf Benz, die sich mit wenigen Handgriffen wandeln, von der Liegewiese zum Serienschauen zur Sitzgruppe, wenn Besuch ansteht. Ähnlich: Leichte, schlichte Stücke, von der dezenten Leuchte über den zierlichen Couchtisch bis hin zum funktionellen Sessel, die die Opulenz der vergangenen Jahre hinter sich lassen, die kleine Räume nicht erdrücken, sondern sich bestens in ihnen machen.

Schlicht. Leuchte „Reveal“ von Northern (Design: Silje Nesdal) aus Glas, Alu, Acryl, Messing.
Schlicht. Leuchte „Reveal“ von Northern (Design: Silje Nesdal) aus Glas, Alu, Acryl, Messing.
Schlicht. Leuchte „Reveal“ von Northern (Design: Silje Nesdal) aus Glas, Alu, Acryl, Messing. – (c) Beigestellt

Naturverbunden. Nicht erst seit gestern ein Interior-Thema ist die Nachhaltigkeit, denn ökologisch sinnvoll erdachte und fair produzierte Möbelstücke beschäftigen Designer und Hersteller schon seit einiger Zeit. Aber 2019 nimmt dieser Bereich gehörig Fahrt auf, es kommt mächtig Bewegung in die Sache. Einen wichtigen Anteil daran haben Initiativen wie der Green Product Award, der seit 2013 jährlich zu innovativen Einreichungen aufruft und Erstaunliches zu Tage fördert, von Mode über Architektur bis zu, natürlich, Möbeln. Die Jury des Awards nimmt Entwürfe genau unter die Lupe, relevant sind der Gesamtansatz, Funktionalität, ökonomische und ökologische Konstruktionen, das Zusammenspiel von Produkt und Verpackung. Alle Phasen des Lebenszyklus spielen eine wichtige Rolle. Und klarerweise die verwendeten Materialien, die Produktionsbedingungen und das Veränderungspotenzial für die Umwelt. Heuer werden die Awards Mitte März in München verliehen (bei der internationalen Handwerksmesse), schon im Vorjahr war die Bandbreite der „Grünen Selection" im Bereich Wohnen beachtlich. So gab es beispielsweise einen aufblasbaren Sessel für moderne Nomaden zu bestaunen, gefertigt aus Papiertüten und faltbaren Metallarmlehnen, oder Sitzhocker, gemacht aus 100 Prozent natürlichem Presskork und Hanf, geplant, um ein „langlebiger Begleiter" zu sein.

Flexibel.  Modell „Freistil 135“ von Rolf Benz (Design: kaschkasch) mit vielen Formationsmöglichkeiten.
Flexibel.  Modell „Freistil 135“ von Rolf Benz (Design: kaschkasch) mit vielen Formationsmöglichkeiten.
Flexibel. Modell „Freistil 135“ von Rolf Benz (Design: kaschkasch) mit vielen Formationsmöglichkeiten. – (c) Karl Huber Fotodesign

Jubliläumsausgaben. Ob die Hocker 100  Jahre alt werden können, sei bei aller Langlebigkeit dahingestellt. Dafür gibt es heuer aber einen anderen großen Geburtstag zu feiern: jenen des Bauhauses, der legendären Schule, die sich gerade einmal 14 Jahre entfalten durfte, bevor sie vom Nationalsozialismus zerschlagen wurde.

Funktionell, schlicht, klar in den Formen, so zeigte sich das Bauhaus und tut es heute noch. Es bleibt Inspirationsquelle, in der Möbelbranche wie in der Architektur. Kein Wunder also, dass es zum Jubliäum nicht nur unzählige Neuigkeiten und Veranstaltungen gibt, sondern dass auch Designklassiker, beispielsweise von Ludwig Mies van der Rohe, wieder auf Hochglanz poliert und aufgelegt werden, Möbel, gefertigt aus Stahlrohr, die Schaufenster füllen. Und zeitgenössische Designer, etwa EOOS mit dem Sideboard-Entwurf für Walter Knoll, den Granden der 1930er-Jahre mit eigenen Entwürfen ihren Respekt entgegenbringen. In diesem Sinne: Alles Gute! 

Liegen. Daybed von Classicon aus Stahlrohr, Buchenrahmen.
Liegen. Daybed von Classicon aus Stahlrohr, Buchenrahmen.
Liegen. Daybed von Classicon aus Stahlrohr, Buchenrahmen. Design von Eileen Gray. – (c) ClassiCon GmbH

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