Sein Wein sei Gantenbein

Beautiful Swiss Wines to Yodel about, titelte die Financial Times. Die Rotweine Von Martha und Daniel Gantenbein gehören nicht nur zum besten, was in der Schweiz wächst. Sie machen auch den Burgundern ernsthafte Konkurrenz.

(c) Ralph Feiner

Das österreichische Selbstbewusstsein ist in Sachen Wein sehr ausgeprägt. Dass die Schweiz ein Weinland ist, wissen deshalb viele gar nicht. Dass die Schweiz sehr gute Weine hat, wissen wenige. Dass die Schweiz mit den Gantenbeins Rotweine hervorbringt, die es so ziemlich mit jedem Österreicher aufnehmen, glaubt ohnehin keiner. Und dass der erste Weinmacher der Schweiz – seine Frau ist die eigentliche Winzerin – ein bescheidener ist, versteht wohl überhaupt niemand. Denn der Ansturm auf seinen Wein ist so groß, dass er ihn quasi verlosen muss. In dieser Woche stellte er im Rahmen des Weltweinfestivals in Wien „Schweizer Preziosen“ vor, das Schaufenster interviewte ihn.

Wie viele Gespräche beginnen bei Ihnen, indem „Mein Name sei Gantenbein“ von Max Frisch zitiert wird?

Da gibt es viele. Aber damit kann ich leben.

Für viele Österreicher ist es immer noch überraschend, dass es in der Schweiz gute Weine gibt. Dabei gab es vermutlich schon vor dem Habsburger-Abgang in der Schweiz Weinbau.

Na ja. Man sagt, dass der Pinot Noir während des 30-jährigen Krieges in Graubünden gelandet ist, weil ein Feldherr aus dem Burgund nicht auf seinen abendlichen Pinot verzichten wollte. Aber es hat vermutlich schon vorher begonnen.

Ihre Revolution bestand darin, den Pinot Noir nach Burgund-Vorbild zu vinifizieren.

Genau, wenn man bessere Produkte machen will – egal, ob man Metzger oder Käser oder Winzer ist – muss man in die Welt gehen. Wenn man besser werden will, muss man die besten Weine der Welt probiert haben. Für uns ist das Zentrum des Pinot Noir das Burgund. Wir haben sehr große Parallelen mit dem Burgund. Wir sind exakt auf dem gleichen Breitengrad, haben eine sehr ähnliche Geologie, der große Unterschied ist einfach, dass unsere Weinberge um einiges höher über dem Meer liegen als die des Burgund.

Und das heißt?

Das bedeutet, dass wir bei günstigem Witterungsverlauf acht Tage, bei ungünstigem Witterungsverlauf zwölf Tage später mit der Ernte dran sind als das Burgund.

Ein guter Schutz gegen die Erderwärmung, oder?

Das könnte man so interpretieren. Was nicht schlecht ist, dass Pinot Noir bei uns natürlich eine längere Hängzeit im Weinberg hat. Und wir haben in der Regel im Herbst sehr kalte Nächte und trotzdem am Tag 20, 24 Grad. Und das ist unbestritten gut für die Pinot-Sorten. Pinot Noir, Chardonnay, Pinot Blanc, Pinot Gris; die lieben es, dass die Ausreifung langsam geht und dass die Nächte immer wieder kalt sind. So dauert die Reife bei uns länger, und das ist sicher kein Nachteil.

Es gibt noch einen Unterschied: den Preis.

Ja, im Moment sind wir natürlich gut unterwegs mit dem Preis, weil bei uns die teuersten Weine bis 50 Euro kosten, da müssen Sie sich im Burgund schon umsehen, dass Sie da noch einen Premier Cru zu diesem Preis erwischen.

Bei Ihren Weinen gibt es eine Loszuteilung für die Kunden. Wie funktioniert das?

Wir machen ein Mailing an unsere Kunden, ausschließlich an sie. Und sie kriegen eine Zuteilung, je nachdem, wie das Jahr ausgefallen ist. Sie sind eingeladen, den Kauf innerhalb einer Frist wahrzunehmen. Dann ist die Ernte weg. Das erscheint uns eine faire Sache. Wir sind jetzt auf einem Preisniveau, auf dem wir vernünftig arbeiten können.

Sie dürfen über Kollegen nichts Schlechtes sagen, aber beim österreichischen Wein geht es in Richtung Cuvée. Ist das eine gute Entwicklung oder würden Sie den Kollegen in Österreich zur Sortenreinheit raten?

Ich möchte niemand provozieren. Aber die große Chance des Burgenlandes ist der Blaufränkisch und der Zweigelt. Cuvée-Weine werden mir unglaublich verleidet. Es gibt manche Cuvée-Traditionen, die Sinn machen. Ansonsten ist meine Leidenschaft reinsortig. Ein Blaufränkisch vom Gernot oder vom Pauli Achs, das sind doch tolle Weine. Oder eben die Wachau, beim Grünen Veltliner ist sie Weltklasse. Beim Riesling wird es eng, weil da sind die Deutschen besser.

Sie machen alles mit Ihrer Frau Martha gemeinsam, das ist sehr ungewöhnlich.

Es ist völliges Teamwork. Wir kosten und machen alle Weine zusammen. Die ganzen Düngerpläne macht Martha, sie hat Winzerin gelernt als zweiten Beruf, ich bin eigentlich Weinkäufer. Aber die entscheidenden Sachen werden immer diskutiert. Wir sind sicher nur so weit gekommen, weil wir uns völlig akzeptieren und ergänzen.

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