Fleisch: Kalte Zahlen zum heißen Steak

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Fleischfakten

Der Fleischatlas ist eine Buchreihe, die die globalen Zusammenhänge der industrialisierten Produktion von Fleisch und des Fleischkonsums verdeutlicht. Herausgegeben wird er von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem BUND und Le Monde Diplomatique.

Der aktuelle Band behandelt neue Schwerpunkte rund um die Fleischproduktion. Die wesentlichen Erkenntnisse können Sie hier in gebündelter Form nachlesen.Fleischatlas
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Weltmarkt

Während im Westen der Fleischkonsum nur noch langsam steigt oder stagniert, boomt er in Asien. Bis 2022 werden rund 80 Prozent des Wachstums im Fleischsektor auf diesen Teil der Erde entfallen.

Der größte Anstieg wird aufgrund der starken Nachfrage der neuen Mittelschicht in China (wo Fleisch essen als Statussymbol gilt) und Indien erwartet.Reuters
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Globalisierte Industrie

Oft kann man sich die Kapazitäten der Big Player nicht vorstellen. JBS, ein Fleischkonzern aus Brasilien, schlachtet 85.000 Rinder, 70.000 Schweine und 12 Millionen Vögel pro Tag. Das von den Knochen gelöste Fleisch wird anschließend in 150 Länder geliefert.Reuters
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Kleinbetriebe werden verdrängt

In der Fleischindustrie gibt es eine doppelte Konzentration: Expansion der Unternehmen und Intensivierung der Produktion. Beides macht es kleineren Betriebe beinahe unmöglich am Markt zu bestehen.Reuters
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Dumpinglöhne

Der Kampf um die niedrigsten Fleischpreise wird nicht nur auf dem Rücken der Tiere, sondern auch auf den Gehaltszetteln der Arbeiter ausgetragen.

Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen (hohe Arbeitsgeschwindigkeit, Monotonie der Abläufe, hohe Unfallgefahr) sind Standard. Ohne Mindestlohn oder Tarifverträge sind Stundenlöhne unter 5 Euro keine Seltenheit.Reuters
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Aus den Augen

Die industrialisierte Herstellung von Nahrungsmitteln findet in den westlichen Ländern schon viele Jahrzehnte anonym außerhalb unserer Sichtweite, fern der Städte statt.

Als Konsument verliert man die Verbindung zwischen einem lebenden Tier und der Extrawurst im Kühlschrank. Man kann vermuten, dass ein freier Blick hinter die Kulissen eines Großschlachtbetriebs, den täglichen Hunger auf Fleisch stillen würde.Reuters
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Vorreiter

Die Wiege der industriellen Schlachtung liegt übrigens im Chicago des jungen 20. Jahrhunderts. Fließbänder wurden damals in den Schlachthöfen systematisch eingeführt, was den Schlachtprozess und die Effizienz der Betriebe so sehr antrieb, dass Henry Ford das Verfahren für den Autobau übernahm. 15 Minuten dauerte es damals, ein Rind zu töten.Reuters
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Intensivhaltung

Nachdem die Gewinnmargen in der Industrie heutzutage überschaubar sind, setzen die Produzenten auf Größenvorteile. Heutzutage können bis zu 100.000 Tiere gleichzeitig gemästet werden. Auch wenn eine derartige Intensivhaltung kein logistisches Problem darstellt, ist sie umso anfälliger für Krankheitserreger.Reuters
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Antibiotika

Weltweit verbraucht die Nutztierhaltung fast doppelt so viel Antibiotika wie die Humanmedizin so lauten zumindest Schätzungen.

Die Medikamente dienen einerseits dazu, Infektionen zu behandeln oder zu verhüten, kommen aber auch als Wachstumsbeschleuniger zum Einsatz, weil Antibiotika auch gesunde Darmbakterien zerstören und den Energieverbrauch verringern, damit die Tiere schneller an Gewicht zulegen.Reuters
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Hormone

Neben Antibiotika werden in der Massentierhaltung auch Hormone eingesetzt, die das Zellwachstum und die Gewichtszunahme direkt beeinflussen.

Hormonbehandelte Kühe produzieren bis zu 30 Prozent mehr Milch, das Fleischwachstum von Rindern und Schweinen kann mit dem Einsatz von Hormonen bis zu 38 Prozent gesteigert werden.Reuters
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Ractopamin

Das in den USA zugelassene Wachstumshormon Ractopamin ist global umstritten. Berühmt wurde es, als 2010 in China weibliche Säuglinge Brustwachstum aufwiesen, die alle das gleiche Milchpulver erhalten hatten, das mit hormonbehandelten Kühen in Verbindung gebracht wurde.


Reuters
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Alles schön rosa

Damit abgepacktes Fleisch im Supermarkt länger appetitlich aussieht als ihm vorbestimmt ist, wird es in einer keimkontrollierten Umgebung vakuumverpackt und anschließend mit einem sauerstoffreichen Gas aufgeblasen. Das verleiht dem Fleisch seine rosarote Färbung und suggeriert Frische.Reuters
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Flächenfraß

Bevor das Steak aber verpackt werden kann, muss es auch fressen und wachsen. Drei Viertel aller agrarischen Nutzflächen der Welt werden mittlerweile in irgendeiner Form für die Tierfütterung beansprucht. Auch wenn man sie effizienter für die Produktion menschlicher Nahrungsmittel nutzen könnte.Reuters
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Kraftfutter

Um aus den Tieren so viel herauszuholen wie möglich ist, werden sie nicht mit Gras und Klee, sondern mit Kraftfutter gemästet. Schweinen wird bis zu 30 Prozent Soja serviert.

Weltweit sind 57 Prozent der Gersten-, Hirse-, Hafer- und Maisernte zum Tierfutter bestimmt. Eine Milliarde Tonnen Getreide und Ölschrote wandert jedes Jahr in die Viehtröge der Welt.

Mehr als 900 Millionen Menschen auf der Welt leiden Hunger.Reuters
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Gen-Soja

Die Massentierhaltung in Europa basiert vor allem auf die Verfütterung von Soja, vor allem auf genmanipulierten Soja, der Gyphosat resistent ist.

Gyphosat wurde von Monsanto entwickelt und ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel.Reuters
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Gyphosat

Gyphosat ist umstritten. Zum einen geben eine Reihe von Umweltauswirkungen, wie die Schädigung von Mikrorganismen Anlass zur Sorge, zum anderen wächst die Zahl an wissenschaftlichen Publikationen, die Glyphosat eine hormonelle Wirkung im menschlichen Körper attestieren.Reuters
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Die Langzeitwirkung von Glyphosat wurde bisher nicht untersucht. In Südamerika (vor allem Argentinien), wo sehr viel Soja angebaut wird (und viel Glyphosat gesprüht wird), kommt es laut mehreren Studien vermehrt zu Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen.Reuters
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Wasserverbrauch

Der amerikanischen Organisation Water Foodprint Network zufolge braucht die Herstellung eines einzigen Kilos Rindfleisch 15.000 Liter Wasser.

Für die Herstellung eines Kilos Hühnerfleisch braucht man nur rund 5000 Liter Wasser. Für ein Kilo Kartoffeln reichen schon rund 100 Liter.Reuters
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Umweltbilanz

Das stärkste Argument weniger Fleisch zu essen, zeigt sich in seiner Klimabilanz. Den mit Abstand höchsten Anteil unserer ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen (40 Prozent) verursachen wir durch tierische Lebensmittel - nur etwa 8 Prozent durch pflanzliche.

Die Viehwirtschaft verantwortet etwa ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen weltweit - ca. 18 Prozent. Etwa ein Drittel davon ist allein auf die Rodung von Wäldern, vor allem in Südamerika, zurückzuführen.Reuters
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Energie und Methan

Ein weiterer Grund für die hohen Treibhausgasemissionen tierischer Lebensmittel ist der große Energiebedarf für die Produktion der Futtermitteln.

Zudem trägt im Fall von Wiederkäuern der hohe Ausstoß von Methan zu den hohen Treibhausgasemissionen von Fleisch bei: Rinder, Schafe und Ziegen müssen durch ihre Pansenverdauung ständig Methan "rülpsen".Reuters
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