Spitzenköche: Nicht am Gipfel, aber am Berg

Gerer kocht am Bisamberg für den Bürgermeister. Und Domschitz überlegt in den Alpen, was er in Zukunft im Vestibül zaubern wird.

Reinhard Gerer.
Reinhard Gerer.
(c) AP (Hans Punz)

Wie früh kann man in einem Lokal essen? Bei der überlaufenen Lokaleröffnung? Am Tag danach? Schon davor, wenn Küche, Wirt und Service noch am Üben sind und diese Phase verschämt „Soft Opening“ nennen? Oder noch früher, wie es manche investigativen Gourmetjournalisten praktizieren, die live von der Baustelle eines Restaurants berichten?

Nun, Reinhard Gerer hätte offenbar noch gerne ein paar Wochen gewartet, um seine neue Wirkungsstätte zu präsentieren, den Magdalenenhof, der, auf dem Bisamberg gelegen, fast so etwas wie der Inbegriff der Wiener Landpartie sein könnte. Doch der Magdalenenhof gehört der Stadt Wien, und es ist wohl Bürgermeister Michael Häupl und seiner Sympathie für die hohe Gastronomie zu verdanken, dass Gerer dort kochen wird. Also lud die für Park, Wiesen und Landpartei zuständige Umweltstadträtin Uli Sima zum ersten Verkosten und Baustellen-Diner.

Wobei von der Baustelle gar nicht mehr so viel zu bemerken war, das aktuelle Gartenaccessoire-Set, bestehend aus Holzbank im Bali-Style, Provence-Lavendel, Tullnerfeld-Olivenbaum und Marrakesch-Tischchen, zaubert Mittelmeergefühl auf den Bisamberg, von dem man nach Niederösterreich winken oder eben spucken kann, wie der Bürgermeister mit gespieltem Entsetzen bemerkte. Seine Devise für den Soft-Opening-Wahlkampf der Wiener SPÖ – „Tue Gutes und rede darüber!“ – hat sich Sima jedenfalls zu Herzen genommen und zu den vier Vorab-Gerer-Gängen Kommunaljournalisten geladen und in Erweiterung der Häupl'schen Empfehlung dazu auch noch für die Fotografen gelächelt. Winzer Richard Zahel ist zur größeren Freude des Stadtchefs auch da, seine Kinder zieren zum Glück auch noch Austria-Wien-Dressen. Damit war das Tischthema für den Abend auch schon vorgegeben, Rapid oder Austria beziehungsweise Grauburgunder oder Grüner Veltliner, so lauten die wahren Fragen in der Stadt.

Dass Gerer kochen kann wie kaum ein anderer in Wien, war klar, er bewies das wieder lässig mit Kleinigkeiten wie sautierten Steinpilzen aus dem Wienerwald und gebratenem Zander auf Pfefferkraut. Und spätestens Anfang August wird er das dann für alle zubereiten, versprach Gerer, der sich noch um den Küchenumbau kümmern muss. Österreichische Küche, modern und leicht zubereitet, mit Potenzial nach oben, sagt Gerer. Sterne, Hauben usw. interessieren ihn vorerst nicht. Sagt er.

Ähnlich spricht ein anderer, ganz anderer Spitzenkoch der Stadt: Christian Domschitz wechselt nämlich mit erstem September ins Vestibül im Burgtheater. Bisher stand er im Delikatessenschmuckkästchen der Stadt am Herd, im schönen Schwarzen Kameel.

Den überraschenden Wechsel begründet er zwar mit der nebulösen Formulierung „aus privaten Gründen“; aber bei ihm treffen sie tatsächlich zu: Er kommt seiner Partnerin Veronika Doppler, Geschäftsführerin des Marmor-Restaurants mit Blick auf den Rathausplatz, zu Hilfe und kocht an ihrer Seite.

Dieser Tage entwirft er gerade mit ihr weitab von der Stadt, auf dem Berg, die neue Speisenlinie und -karte. Zwei vertraute Köche nimmt er mit, der Souschef Alois Traint, stets am Piratentuch zu erkennen, war schon einst mit ihm von Toni Mörwald ins Kameel gewechselt. Kameel-Patron Peter Friese muss sich nun wieder um einen Küchenchef umschauen, das sollte bei der Adresse und der Wirtschaftslage kein allzu großes Problem sein.

Häupl hat nun jedenfalls die Auswahl: Gegenüber kocht Domschitz, in der Stadt-Wien-Datscha Gerer und im Keller Helmut Österreicher.

Zur Person

Reinhard Gerer war Österreichs erster Koch, der von Gault Millau mit vier Hauben ausgezeichnet wurde. Von 1984 bis 2008 führte er das Korso. Ab August kocht er im Magdalenenhof.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)

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