Wo wir gegessen haben und bald essen werden

Welche Restaurants heuer auf- und zugesperrt haben, welche 2017 eröffnen werden und wer immer noch in der Warteschleife der Neueröffnungen hängt. Ein (ausgewählter) Überblick über die Wiener Restaurantszene.

Das Café Leopold ist Geschichte. Im Frühling 2017 übernimmt der Betreiber vom Heuer am Karlsplatz das Lokal im Museumsquartier.
Das Café Leopold ist Geschichte. Im Frühling 2017 übernimmt der Betreiber vom Heuer am Karlsplatz das Lokal im Museumsquartier.
Das Café Leopold ist Geschichte. Im Frühling 2017 übernimmt der Betreiber vom Heuer am Karlsplatz das Lokal im Museumsquartier. – Karl Thomas / Allover / picturedesk.com

Wien. Es war kein schlechtes Jahr für Wien – zumindest kulinarisch gesehen. Die Lokale werden mehr, gekocht wird durchgehend auf sehr hohem Niveau (zu international gesehen günstigen Preisen), es geht auch in vielfach ausgezeichneten Fine-Dining-Häusern legerer zu, und selbst beim schnellen Mittagessen ist es nicht mehr egal, was gegessen wird: gern etwas Gesundes, was schmeckt, etwa asiatisch – Japaner und Vietnamesen waren heuer im Vormarsch. Und selbst wenn es Fast Food sein soll, wird dieses immer öfter nach Slow-Food-Kriterien zubereitet. Apropos Fast Food: Den Burger werden wir wohl auch 2017 nicht so schnell los.

Ein kleiner Überblick – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – über jene Lokale, die 2016 dazugekommen sind, die wieder gegangen sind und die 2017 kommen werden.

 

Neues im Leopold, Melrose und Aumann

Besonders viel Aufmerksamkeit hat heuer der deutsche Sternekoch Juan Amador genossen, den es aus privaten Gründen nach Wien verschlagen hat. Er hat gemeinsam mit dem Winzer Fritz Wieninger ein Fine-Dining-Restaurant – mit beachtlichem Weinkeller – inklusive Bistro und Greißlerei eröffnet. Dass Amador, der in Deutschland die kulinarische Höchstwertung von drei Michelin-Sternen erhalten hat, sein neues Restaurant ausgerechnet Amadors Wirtshaus und Greißlerei nennt, macht deutlich wie leger es derzeit selbst in der Spitzengastronomie zugeht. Wer heute gut essen gehen will, muss sich dazu nicht mehr in steife Festtagskleidung stecken und sich von einem Oberkellner belehren lassen. Man konzentriert sich auf das Wesentliche: Essen soll schmecken, überraschen und Spaß machen. Eine lange Besteckreihe oder gestärkte Tischdecken sind dazu nicht nötig.

Auf die hat man auch im viel beachteten Kussmaul am Spittelberg verzichtet. Das von Hans Peter Haselsteiner finanzierte Restaurant, das neben einem Fine-Dining-Bereich auch eine Bar, ein Café, eine Bäckerei und eine Patisserie beherbergte, schloss heuer seine Tore. Küchenchef Mario Bernatovic, der auch für das Konzept verantwortlich war, hat die Markenrechte mitgenommen und im Dezember in der Wiener Innenstadt (Bäckerstraße 5) ein neues Kussmaul in abgespeckter Form eröffnet. In den alten Standort ist hingegen der Gerer-Schüler Harald Brunner – inklusive Drehgrill – eingezogen und hat dort Das Spittelberg eröffnet.

Spannend wird 2017, wie das neue Café Leopold im Museumsquartier aussehen wird. Mit Ende des Jahres ist der Pachtvertrag des Betreibers abgelaufen. Dass dieser ihn nicht verlängern will, war schon im September klar. Mittlerweile hat er auch Konkurs angemeldet. Übernehmen wird Andreas Wiesmüller, der auch das Heuer am Karlsplatz (durchaus erfolgreich) betreibt. Wie genau das neue Konzept aussehen wird, will Wiesmüller im Frühling präsentieren.

Dann soll auch klar sein, wer in das ehemalige Melrose in Döbling einziehen wird. Ende August wurde Konkurs angemeldet, das Lokal wurde mittlerweile an den Vermieter übergeben. Es gibt derzeit mehrere Interessenten, die in das einstige kalifornische Lokal einziehen wollen. Im Frühling sollte klar sein, wer sich durchsetzt. Auch hier ist mit einem neuen Konzept zu rechnen.

Anders ist das im Aumann in Währing, das im Sommer Konkurs anmelden musste. „Das Aumann wird fix wieder kommen“, sagt dazu Waldemar Benedict, der das Lokal mit nur minimalen Veränderungen wieder öffnen will. Auch hier soll es im Frühling so weit sein.

Fast schon Dauerkandidat in der Neueröffnungsschleife ist die Flotte Charlotte, die Andreas Flatscher (genauso wie seine beiden anderen Lokale) in der Kaiserstraße eröffnen will. Die Berliner Kneipe mit Champus- und Currywurst-Schwerpunkt hätte schon im Herbst eröffnen sollen. Lang gewartet wird auch auf das Mochi Ramen am Vorgartenmarkt. Beide sollen nun im Jänner eröffnen.

Was heuer sonst noch so war? Teppichhändler Adil Besim hat einer kroatischen Investmentgruppe am Graben 30 Platz gemacht, die dort eine ebenso benannte Restaurant-Bar-Café-Mischung eröffnet hat. Kulinarisch interessanter ist aber das Blue Mustard ums Eck, in dem mit Alexander Mayer einer der besten Köche des Landes kocht.

Empfohlen sei auch das Grace im vierten Bezirk, das der frühere Sous-Chef des Steirerecks, Oliver Lucas, eröffnet hat. Oder aber das Fuhrmann in der Josefstadt, das der Sommelier Hermann Botolen betreibt. Auch der Herkner in Neuwaldegg wurde wiederbelebt, und zwar von der steirischen Gastrofamilie Pichlmaier. Und ganz jung dazugekommen ist im Dezember das Ludwig Van in Mariahilf, in dem abends Walter Leidenfrost (Weinhaus Arlt) und tagsüber Nora Kreimeyer (Mamsell) kocht. Kein schlechtes Jahr also.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2016)

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