Weißenseefisch: Wildfang als richtiger Weg

Ein Jahr im Leben des Martin Müller ohne Speisefischzucht ist um. Seit Kurzem ist am Weißensee wieder Netzfisch-Saison.

Stille. Der Weißensee ist sein Revier: Martin Müller ist Limnologe und Fischer.
Stille. Der Weißensee ist sein Revier: Martin Müller ist Limnologe und Fischer.
Stille. Der Weißensee ist sein Revier: Martin Müller ist Limnologe und Fischer. – (c) Puch Johannes (Puch Johannes)

„Jetzt mache ich genau das, was ich zu 100 Prozent vertreten kann“, sagt Martin Müller. „Wildfang ist einfach das Größte.“ Müller, studierter Limnologe, also Gewässerkundler, hat es als Weißensee-Fischer über Fachkreise hinaus zu Bekanntheit gebracht. Seine Marke Weißenseefisch war in ganz Österreich gefragt, mit 15 bis 20 Tonnen pro Jahr aus der Zucht plus 1,5 Tonnen Wildfang aus dem See. Seit etwas über einem Jahr geht der Sturkopf Martin Müller aber einen anderen Weg: Von der Speisefischzucht hat er sich abgewendet, konzentriert sich auf Wildfang, Seeforellen-Besatzfischzucht für den Weißensee und Angelguiding. „Nach einem Jahr habe ich diese Entscheidung Revue passieren lassen. Es war zu 100 Prozent der richtige Weg.“

 

(c) Puch Johannes

Rahmenbedingungen. Ein Weg, der jahrelang insgeheim vorgezeichnet wurde, während Martin Müller immer wieder, etwa bei den Führungen durch seine Fischzucht, vor Augen geführt worden war, was bei der Speisefischzucht alles falsch läuft. Vielfach auch bei der biologischen. „Ich habe so oft Leuten erklärt, warum die Forellenzucht derzeit nicht nachhaltig sein kann. Auch wenn die Fische von der Qualität her wirklich gut sind - die Rahmenbedingungen jedenfalls sind so absurd schlecht, dass es ein Schwachsinn ist. Da habe ich also bei den Führungen alles erklärt und selbst das komplette Gegenteil gemacht. Das hat mich beschäftigt.“

Warum die Speisefischzucht – zumindest, bis man etwa bei den Forschungen zu Fischfutter aus Insekten Fortschritte gemacht hat – ökologisch so problematisch ist, erklärt der Fischer so: Um ein Kilo Forelle zu produzieren, braucht es drei bis fünf Kilo Meeresfisch. „Das ist schon einmal eine komplett schlechte Bilanz. Wie bei der Rinderzucht.“ Wenn die Fischkutter, die für das Fischmehl für heimische Forellen sorgen, auf hoher See unterwegs sind, müssen die Meeresfische haltbar gemacht werden, „sonst übernimmt keine Versicherung irgendetwas“.

Dafür werde, so Müller, das Antioxidans Ethoxyquin eingesetzt, das möglicherweise krebserregend ist. Bei Biofischen werde das Fischmehl zwar aus Wildfang gemacht, aber nur aus den wertloseren Abschnitten – das Filet wird schließlich teuer verkauft. Wegen des höheren Knochenanteils ist Biofutter also von schlechterem Nährwert als konventionelles, die damit gefütterten Fische sind anfälliger für Krankheiten. „Man hat als Forellenzüchter also, hart gesagt, die Wahl zwischen ökologischem Wahnsinn mit konventionellem Fischmehl oder aber Tierquälerei.“ Martin Müller betont aber auch, er kenne "einige großartige Fischzüchter, die alles daran setzen, das Fischfutterproblem zu lösen, und die großartige und so weit als möglich nachhaltige Arbeit betreiben". Es gäbe auf dem Gebiet der Fischzucht sehr engagierte Menschen, "die in den nächsten Jahren ganz sicher einiges dazu beitragen können, dass die Forellenzucht auch nachhaltig erfolgen kann. Da bin ich fest davon überzeugt. Das funktioniert aber nur, wenn die Probleme zum Thema werden."

Geheimtipps. Beim Angelguiding führt Müller zu den besten Plätzen des Sees.
Geheimtipps. Beim Angelguiding führt Müller zu den besten Plätzen des Sees.
Geheimtipps. Beim Angelguiding führt Müller zu den besten Plätzen des Sees. – (c) P.V. Meyer

Was Martin Müller derzeit und in Zukunft neben seinen buchbaren Angeltouren vorhat: die Fischzusammensetzung des Weißensees zu ändern. Die Seeforelle etwa, hier heimisch, ist durch den von Anglern geschätzten hohen Hechtanteil massiv gefährdet. Zwar funktioniere seine Seeforellen-Besatzzucht bestens, „aber sobald die Fische im See ausgelassen werden, stehen die Hechte schon mit offenem Maul bereit. Wir müssen den Hechtbestand auf Teufel komm raus befischen.“

Tipp

Angelguiding am Weißensee ist bei Martin Müller ab 40 Euro pro Stunde zu ­buchen (exklusive Angellizenz). www.weissenseefisch.at

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