Rubin Okotie: Bowls vom Fußballer

Stürmer Rubin Okotie plant schon für die Zeit nach der Karriere: Mit einem Lokal im Servitenviertel, das simpel, aber umweltbewusst sein will.

Kunstbücher statt Devotionalien: Rubin Okotie verkauft im Plain Frühstück, Bowls und Bagels zum Dortessen oder Mitnehmen.
Kunstbücher statt Devotionalien: Rubin Okotie verkauft im Plain Frühstück, Bowls und Bagels zum Dortessen oder Mitnehmen.
Kunstbücher statt Devotionalien: Rubin Okotie verkauft im Plain Frühstück, Bowls und Bagels zum Dortessen oder Mitnehmen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Viele Pölster, hölzerne Bücherregale mit Kunstbänden über Keith Haring, Basquiat und Banksy, eine riesige bunte Grafik an der Wand: Fußballmemorabilien sucht man im Plain vergebens. Und auch auf der Speisekarte steht zwar viel über die Philosophie des Lokals, aber nichts über dessen Eigentümer: Fußballspieler Rubin Okotie.

Der ehemalige Nationalspieler, der derzeit für den belgischen Zweitligisten KFCO Beerschot Wilrijk kickt, ist gerade – es ist Mittwochnachmittag – in Wien, um im Lokal die letzten Vorbereitungen zu treffen. Abends ging es zurück nach Antwerpen, wo Donnerstagvormittag Training auf dem Programm stand – um am Abend wieder zur Eröffnung seines Plain in der Berggasse zu sein. Dennoch, versichert er, handle es sich um mehr als ein bloßes Investment. „Eine Fußballerkarriere ist zeitlich begrenzt. Man muss immer im Hinterkopf eine Idee haben, was man danach machen möchte. Wenn ich eines Tages nicht mehr spiele, bin ich natürlich auch im Tagesgeschäft.“

Die Idee zu einem eigenen Lokal kam ihm in China, wo er knapp zwei Jahre in Peking als einer von drei pro Team erlaubten Ausländern für Beijing Enterprises spielte. Die Zeit dort bringt er zwar hauptsächlich mit Reis in Verbindung – auch wenn die Chinesen viel Geld in den Aufbau des Fußballsports stecken, „die Kantinenküche war nicht die beste“. Abseits des Rasens habe er aber „viele coole Gastronomiekonzepte kennen gelernt“, die ihn inspiriert hätten. Sein Plain ist nun neben der Mercerie im Servitenviertel angesiedelt. In einer ehemaligen Grillimbissbude – „so ziemlich das Gegenteil“ von dem, was er vorhabe. Im Plain gibt es zwar auch Fleisch und Fisch, aber eben auch Vegetarisches und Veganes unter den Bagels, Bowls und Porridges des Ganztagesbetriebs.

 

Vegan seit Netflix-Doku

Okotie selbst lebt seit einem halben Jahr vegan – seit er die Netflix-Doku „What the Health“ gesehen habe. Das habe ihm „die Augen geöffnet, wie ungesund hoher Fleischkonsum ist und wie viele Ressourcen er verbraucht“. Bis dahin hatte er täglich zweimal Fleisch gegessen, „ein Essen ohne Fleisch war für mich kein Essen“. Der Umstieg sei ein Experiment gewesen, „ich wollte schauen, wie es mir damit geht im Sport. Und ich habe gemerkt, dass ich mich besser fühle als vorher.“ Was er vermisst, sind Eier und Käse. Es könne schon sein, sagt Okotie, dass er zu ihnen eines Tages zurückkehre.

Bewusstsein für Gesundheit und Umwelt will er auch mit seinem Lokal vermitteln (in dem man freilich um allerlei problematische Avocado auch nicht herumkommt). Das Küchenkonzept stammt von Sebastian Müller (Coburg, Schwarzes Kameel), der sich auch schon mit der Zubereitung von Insekten beschäftigt hat. Auf Plastik will man selbst im Take-away-Bereich möglichst verzichten, einen (bisher nicht konkret definierten) Anteil des Gewinns will Okotie an Umwelt- und Klimaschutzprojekte spenden.

Dass es eine Welt jenseits des Fußballrasens gibt, das habe ihm schon seine Mutter mitzugeben versucht, sagt der 31-Jährige. Die Wienerin ist Projektkünstlerin, habe sich zuletzt mit unbezahlter Arbeit in Indien beschäftigt. Okotie selbst ist in Pakistan auf die Welt gekommen, sein Vater war ein Geschäftsmann aus Nigeria. Die ersten vier Jahre verbrachte er in Barcelona. Seine Eltern trennten sich früh, der Kontakt zum Vater ist seither abgebrochen. In letzter Zeit, sagt Okotie, sei in ihm der Wunsch gewachsen, auch diese Seite seiner Herkunft kennenzulernen. Wenn sein derzeit vierjähriger Sohn etwas größer ist, will er mit ihm nach Nigeria fliegen. „Fünfzig Prozent von mir“, sagt Okotie, „kommen aus Afrika. Diese Wurzeln möchte ich auch gern kennenlernen.“

Zur Person

Rubin Okotie wurde als Sohn eines Nigerianers und einer Österreicherin 1987 in Karatschi geboren. Er begann als Kind u. a. bei Rapid und spielte später lang für die Austria. Von 2008 bis zu seinem Wechsel nach China 2016 spielte er in der Nationalmannschaft. In seinem Lokal Plain in der Berggasse 25 will er „gesunde, ehrliche und frische Küche“ anbieten. Das Küchenkonzept stammt von Sebastian Müller, das Design vom Bureau F. Okotie ist verheiratet und hat einen Sohn, seine Frau Vanessa ist Ernährungswissenschaftlerin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2019)

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