Was die neuen „World Restaurant Awards“ vorhaben

Die neue Liste präsentierte sich kürzlich in Paris als alternatives Bewertungssystem. Auch mit Kategorien wie untätowierten Köchen.

Berühmt. Pasta in der Schweinsblase im Lido 84.
Berühmt. Pasta in der Schweinsblase im Lido 84.
Berühmt. Pasta in der Schweinsblase im Lido 84. – (c) Luciano Barsetti

„Was ist dein Lieblingsrestaurant?" „Was ist das beste Restaurant, in dem du je warst?" „Was ist das beste Restaurant Wiens?" Alles Fragen, die Restaurantkritikern und anderen Viel-essen-Gehern gern gestellt werden. Und die schwer zu beantworten sind. „Für welchen Zweck? Für welche Erwartungen?", möchte man dann entgegnen. Für das Once-in-a-lifetime-Erlebnis? Für Sonntagabend in Gehweite? Für das erste Date? Darf es Ethnoküche sein oder soll das Lokal vor allem eine tolle Weinkarte haben? Die Auswahl eines Lokals geht meist über den plakativen Superlativ „das Beste" hinaus.

Entlegene Adresse. „Restaurant of the Year“ wurde das Wolfgat in Südafrika.
Entlegene Adresse. „Restaurant of the Year“ wurde das Wolfgat in Südafrika.
Entlegene Adresse. „Restaurant of the Year“ wurde das Wolfgat in Südafrika. – (c) Beigestellt

Auswirkungen. Mit neuen Kategorien wie „Red-Wine Serving", „House Special" oder „Forward Drinking" arbeiten nun die kürzlich präsentierten „World Restaurant Awards": ein Bewertungssystem, das der viel zitierten, aber viel kritisierten Liste „World’s 50 Best Restaurants" Konkurrenz machen soll. Auf diese Fifty-Best-Liste wird Bezug genommen, wenn etwa Massimo Bottura „bester Koch der Welt" genannt wird. Die Jury dieser 2003 erstmals in großem Stil vermarkteten Liste hat Restaurants wie das elBulli oder das Noma mehrmals zur Nummer eins der Welt erklärt. Sie sorgt aber auch dafür, dass jemand wie die Slowenin Ana Roš in ihrem Lokal nicht so oft am Herd steht, wie sie gern würde, weil sie als „beste Köchin der Welt 2017" in der Welt herumgereicht wird.

Klassik. Sieger „En-during Classic“: La Mère Brazier, Lyon.
Klassik. Sieger „En-during Classic“: La Mère Brazier, Lyon.
Klassik. Sieger „En-during Classic“: La Mère Brazier, Lyon. – (c) Nicolas Villon

Hinter den „World Restaurant Awards" stecken die Journalisten und Gastronetzwerker Andrea Petrini und Joe Warwick sowie Cecile Rebbot und die Eventagentur IMG. Wichtig war für Petrini und Warwick nicht nur, alternative, teils durchaus als Gag gedachte Kategorien zu schaffen – so wurde etwa der stets elegant auftretende Altmeister Alain Ducasse als „Tattoo-Free Chef" ausgezeichnet; auch die Parität zwischen Frauen und Männern in der aus Köchen und Köchinnen, Journalistinnen und Journalisten bestehenden Jury war ihnen ein Anliegen, um dem Männerüberhang der Gastronomie gegenzusteuern. Die „World’s 50 Best Restaurants" haben indes, wohl als Reaktion auf die neuen Awards, ebenfalls eine Änderung ihrer Juryzusammensetzung verlautbart. Künftig sollen auch hier gleich viele Frauen wie Männer abstimmen.

Leger. Hier kann man nicht reservieren: im Mocotó bei São Paulo.
Leger. Hier kann man nicht reservieren: im Mocotó bei São Paulo.
Leger. Hier kann man nicht reservieren: im Mocotó bei São Paulo. – (c) Beigestellt

Die Kategorien der „World Restaurant Awards" teilen sich in „Big Plates" wie „Ethical Thinking" oder „Atmosphere" – diese sollen gleich bleiben – sowie jährlich wechselnde originellere „Small Plates", etwa den Preis für pinzettenfreie Küche. Nominiert waren auch zwei österreichische Kandidaten: die Healthy Boy Band von Lukas Mraz, Philip Rachinger und Felix Schellhorn in der Kategorie „Event of the Year" sowie als „Off-Map Destination" das Bootshaus am Traunsee, das es auch auf die Shortlist schaffen sollte. Bei einer Gala in Paris wurden die Gewinner präsentiert. Sowohl als entlegenes Lokal als auch als „Restaurant des Jahres" wurde das Wolfgat in Südafrika ausgezeichnet – die Zahl der Instagram-Follower war wenige Tage später schon ein Vielfaches. Auffallend: Das Noma, auf der 50-Best-Liste mehrmalige Nummer eins, ging trotz zweifacher Nominierung leer aus.

Tipp

„World Restaurant Awards". Nominierte und Sieger in Kategorien wie „Trolley of the Year", „House Special" oder „Enduring Classic" sind auf restaurantawards.world zu finden.

Leseempfehlung: Lisa Abends prämierter Text „Food Circus": fool.se/free-read

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Was die neuen „World Restaurant Awards“ vorhaben

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.