Ende einer Institution: Charlie P's schließt

Mit dem Pub in der Währinger Straße schließt auch das Brickmakers im Siebten. Schuld sollen die Hitze und hohe Kosten sein.

Das Pub ist bereits zu.
Das Pub ist bereits zu.
Das Pub ist bereits zu. – (c) fb.com/CharliePsVienna]

Wien. Die Bierauswahl groß, die Partys im heißen, stickigen Keller über Jahre, Jahrzehnte, vor allem bei Studenten legendär, und abgesehen davon kennt – kannte – man das Charlie P's vor allem dafür, dass es immer bummvoll war. Auch Brian Pattons zweites Lokal, das Brickmakers in der Zieglergasse, hätte man eher als gut laufend wahrgenommen: Es fand schnell seine Stammgäste, wurde von Kritikern schon einmal als „prächtigster Biertempel des Landes“ gelobt, vor allem für die feine Auswahl an Craft-Bieren und das Interieur aus schwebenden Kupfertanks oder echter irischer Schank. Nur hohe Preise wurden mitunter kritisiert.

Nun sind beide Lokale zu, am Freitag wurde bekannt, dass ein Insolvenzverfahren über die Big Smoke Gastronomie GmbH eröffnet wurde. Diese wird wohl geschlossen, die Lokale nicht fortgeführt. Und schnell wurde die Frage laut: Wie können so gut gehende Lokale zusperren? Immer voll, hochgelobt, Instanzen der Party- und Gastroszene? Nun, so gut gelaufen dürfte das Charlie P's nicht sein – vor allem im Sommer nicht (was wenig wahrgenommen wurde, wer verbringt schon Sommerabende in stickigen Partykellern). Das dürfte seit Jahren so gewesen sein, heißt es vom Alpenländischen Kreditorenverband. Schließlich hatte das Charlie P's keinen richtigen Gastgarten, und ohne Schanigarten werden Juli und August in Wien für fast jeden Wirt zur Durststrecke. In den vergangenen Jahren, sagt Rechtsanwalt Arno Maschke, der als Insolvenzverwalter beauftragt wurde, dürfte sich das zugespitzt haben, weil es auch in den Monaten Mai und Juni oft zu heiß für Indoor-Lokale war.

Pop-ups als Rettungsversuch

Patton hat versucht, die Flaute im Sommer mit Pop-ups am Donaukanal wettzumachen: Er hatte dort ab 2013 temporäre Lokale: It's All About the Meat Baby mit Burgern (das wurde später ins Charlie P's integriert), dann das Slow Taco und das Big Smoke mit gesmokten Rippchen und Burgern, das später im Brickmakers eine fixe Bleibe fand. Dieses für Bier- und Grillspezialitäten bekannte Lokal wurde 2015 eröffnet. Ein Restaurant, perfekt im Zeitgeist dieser Jahre: Craft-Bier und Cider, überhaupt eine riesige Bierkarte, großzügige Bar, ambitionierte Karte mit Schwerpunkt auf viel Fleisch, unterstützt wurde Patton da von Haubenkoch Peter Zinter. Aber, die Investitionen und Anschaffungskosten am Anfang dürften zu hoch gewesen sein, sie sollen der Grund sein, dass es sich finanziell am Ende nicht mehr ausgegangen ist.

Dabei gilt Patton als einer, der sich in Wiens Gastroszene mit feinem Gespür für Trends einen großen Namen gemacht hat. 2015 wurde er etwa zum Gastronomen des Jahres gekürt. Nun läuft das Konkursverfahren. Mit 30. Juni wurden alle Mitarbeiter des Charlie P's abgemeldet, am 8. Juli hat sich das Brickmakers in den Betriebsurlaub verabschiedet, nach dem es nicht mehr öffnen wird. Laut Insolvenzverwalter sind davon 16 Mitarbeiter betroffen. Teilweise sind Junigehälter nicht bezahlt, auch Ansprüche auf Urlaubsgeld dürften offen sein, heißt es beim Kreditorenverband. Schließlich ist Ende Juni stets ein Zeitpunkt, zu dem Unternehmen die Reißleine ziehen, Insolvenz beantragen, weil sie Urlaubsgelder nicht zahlen können. Die Verbindlichkeiten dürften bei beiden Lokalen bei je rund 800.000 Euro liegen, die größten Gläubiger seien laut Insolvenzverwalter Ottakringer und die Raiffeisenbank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2019)

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